Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt kontinuierlich an. Dazu gehören nicht nur Senior:innen, sondern auch Menschen mit Behinderungen und besonderem Assistenzbedarf. Gleichzeitig wächst der Mangel an Pflegekräften. Angesichts dieser Entwicklung rückt der Einsatz von robotischen Assistenzsystemen zunehmend in den Fokus, um Pflegekräfte zu entlasten und die Versorgung langfristig zu sichern (Kolb, 2025).
Der Einsatz robotischer Assistenzsysteme eröffnet vielfältige Möglichkeiten, Pflegebedürftigen ein selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen. Die technologischen Entwicklungen werden mit großem Interesse, aber auch mit Skepsis und ethischen Bedenken verfolgt (Bundesministerium für Gesundheit, 2021).
Hierzulande konzentriert sich der Einsatz derzeit auf Modellprojekte, in denen die Akzeptanz, Alltagstauglichkeit und ethischen Implikationen solcher Technologien getestet werden. Dennoch gilt die Pflege-Robotik als eine der vielversprechendsten Innovationen im Gesundheitswesen (Roboter in der Pflege: Unterstützung und Herausforderungen).
Rolle und Funktion der Roboter
Ziel ist es, dass Roboter Routineaufgaben übernehmen. Z.B. als Service-/Transportroboter, als Hebehilfen, zur Anreichung von Gegenständen oder Assistenz bei der Körperpflege, zur Förderung der Beweglichkeit oder als soziale Interaktionspartner. Das Pflegepersonal soll von körperlich anstrengenden Routinetätigkeiten entlastet und gleichzeitig die Lebensqualität der Pflegebedürftigen erhöht werden (Kolb, 2025).
Dadurch gewinnen Pflegekräfte mehr Zeit für zwischenmenschliche Tätigkeiten. Die Roboter sollen individuell an die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen angepasst werden und durch Tastsinn und Sensibilität sanft agieren (AOK, 2022).
Chancen und Nutzenpotenziale
Effizienzsteigerung: Pflegeroboter können repetitive Aufgaben wie das Verteilen von Medikamenten, das Umbetten oder den Transport von Materialien übernehmen.
Sicherheits- und Qualitätsverbesserung: Roboter agieren präzise und ermüdungsfrei. Sie können Stürze erkennen, Vitalfunktionen messen oder auf Notfälle reagieren. KI-gestützte Systeme ermöglichen die frühzeitige Erkennung gesundheitlicher Risiken, indem sie Veränderungen im Verhalten oder Gesundheitszustand automatisch analysieren.
Selbstbestimmung und Lebensqualität: In der häuslichen Pflege können Assistenzroboter dazu beitragen, älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen ein längeres, selbstständiges Leben zu ermöglichen. Sie erinnern an die Medikamenteneinnahme, helfen beim Aufstehen oder kommunizieren mit Angehörigen.
Soziale Teilhabe: Sozial-assistive Roboter können Einsamkeit und Isolation reduzieren, indem sie Gespräche anregen, Interaktion fördern oder emotionale Stabilität vermitteln (Roboter in der Pflege: Unterstützung und Herausforderungen).
Ein Beispiel aus der Inklusion
Beim Automobilhersteller Ford arbeitet der Mitarbeiter Dietmar Brauner mit dem Roboter „Robbie“ zusammen. Aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen kann Brauner bestimmte Montagetätigkeiten nicht mehr selbstständig ausführen. Der Roboter übernimmt daher körperlich belastende Aufgaben, während Brauner weiterhin produktiv im Team arbeitet.
Das Projekt zeigt, wie Robotik gezielt zur Inklusion von Menschen mit Behinderung beitragen kann. Dank Sensorik und Sicherheitssteuerung reagiert der Roboter auf Bewegungen seines menschlichen Partners und ermöglicht so eine sichere Zusammenarbeit (Aktion Mensch, 2022).
Grenzen der Robotik
Komplexe Bewegungen oder das Erkennen von Kontexten stellen für Roboter große Schwierigkeiten dar. Derzeit mangelt es an ausreichend Trainingsdaten, um KI-Systeme auf die Vielfalt menschlicher Bewegungs- und Interaktionsformen vorzubereiten.
Neben funktionalen Aspekten spielen ethische Fragen eine zentrale Rolle. So wird etwa diskutiert, inwiefern soziale Roboter Empathie glaubhaft simulieren dürfen und ob Pflegebedürftige Mensch und Maschine unterscheiden können. Studien zeigen jedoch, dass solche Systeme positive emotionale Reaktionen auslösen und die Interaktion zwischen Bewohner:innen und Pflegepersonal fördern können (Kolb, 2025).
Roboter werden aber menschliche Nähe, Empathie und Kreativität nie ersetzen können. Pflege wird daher auch in Zukunft ein Zusammenspiel von Mensch und Maschine bleiben (AOK, 2022).
Ein weiteres Hindernis ist die Finanzierung: Roboter kosten rund 30.000 Euro. Damit bleibt der Einsatz solcher Systeme meist auf Pilotprojekte und Forschungsvorhaben beschränkt (Kolb, 2025).
Fazit und Ausblick
Deutschland muss die praktische Integration in die Pflege stärker fördern, um einer drohenden Pflegekrise vorzubeugen. Vision: Eine Pflege, in der Roboter und Menschen zusammenarbeiten, damit Pflegekräfte mehr Zeit für die menschliche Beziehungspflege haben (AOK, 2022).
Damit diese Vision gelingt, sind folgende Maßnahmen zentral:
-Partizipative Entwicklung
-Ethik- und Datenschutzrichtlinien
-Finanzierungsmodelle und Förderung
-Qualifizierung des Personals
Künftige Fortschritte werden es ermöglichen, dass Roboter besser auf individuelle Bedürfnisse eingehen und situativ gut reagieren können. Roboter sollen aber Pflegekräfte nicht ersetzen, sondern entlasten und die Qualität der Versorgung verbessern (Roboter in der Pflege: Unterstützung und Herausforderungen).
Literaturverzeichnis:
Aktion Mensch (Hrsg.). (2022). Kollaborativer Roboter: Inklusion in der Industrie schafft Innovation. Verfügbar unter: https://www.aktion-mensch.de/kommune-inklusiv/praxis-handbuch-inklusion/gruende-fuer-inklusion/innovation/beispiel-kobot
Bundesministerium für Gesundheit. (2021). Öffentliche Bekanntmachung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/B/Bekanntmachungen/2021_06_17_BKM_Robotik_bf.pdf
Kolb, A. (Tagesschau, Hrsg.). (2025). Wie Roboter in der Pflege helfen können. Verfügbar unter: https://www.tagesschau.de/wissen/technologie/robotereinsatz-in-der-pflege-100.html
Roboter in der Pflege: Unterstützung und Herausforderungen.. Industriezeitschrift. Verfügbar unter: https://industriezeitschrift.de/robotik/servicerobotik/pflege-roboter/
Beitragsbildquelle:
Urheberin: Miriam-Doerr
Titel: ein Roboter-Betreuer kämmt die Haare einer weiblichen Seniorin, Konzepte wie Haushaltspflegeroboter oder Hilfe technologie in der Medizin
Käuflich erworben bei „iStock“






