Wie lernen wir eigentlich? Lernen – Teil 1

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Gerade als Fernstudent mit der Doppelbelastung von Beruf und Studium ist eins wichtig: Effizientes Lernen. Die Zeit bei einem berufsbegleitenden Studium ist oft knapp und muss daher gut eingeteilt werden. Hinzu kommen die Unmengen an Unterlagen, die selbständig durchgearbeitet und erlernt werden müssen. Da stellt sich gerade zu Beginn des Studiums oft die Frage: „Wie lerne ich am besten zu lernen?“ In dem ersten Teil des Artikels soll es zunächst darum gehen, warum lernen wichtig ist und welche Formen des Lernens es gibt. Im zweiten Teil werden darauf basierend Empfehlungen abgegeben.

 

Warum müssen wir eigentlich Lernen?

Wir Menschen kommen mit keinem genetischen Lernplan auf die Welt, der uns wissen lässt, wann was zu tun ist. Bei den Tieren ist das anders, denn Lachse kennen beispielsweise nach dem Schlüpfen aus dem Ei schon alle wichtigen Verhaltensweisen. Sie wissen aufgrund ihrer Instinkte, wohin sie schwimmen müssen und was sie essen können. Als Mensch müssen wir unsere Erfahrungen erst sammeln, um zu wissen, was zu tun ist. Dies ermöglicht uns aber Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, denn wir können aufgrund unserer Erfahrungen unser Verhalten ändern, um es auf die Umwelt anzupassen.[1]

 

Definition Lernen

Lernen kann definiert werden als relativ dauerhafte Veränderung im Verhalten eines Organismus, welche auf Erfahrungen basiert. Hierbei kann zwischen assoziativen Lernen und Beobachtungslernen unterschieden werden. [2]

 

Das assoziative Lernen

Das assoziative Lernen ist die einfachste Form des Lernens und bildet die Basis für die anderen Lernformen. Bei der Assoziation werden zwei oder mehr Informationen gedanklich miteinander verknüpft.[3] Das assoziative Lernen wird in zwei Formen unterschieden – die klassische Konditionierung und die operante Konditionierung.[4]

Bei der klassischen Konditionierung lernen wir, indem wir zwei Reize miteinander verknüpfen und dadurch Ereignisse vorwegnehmen. Sehen wir beispielsweise einen Blitz, verbinden wir das Signal mit einem darauffolgenden Donner und wir erwarten ein lautes Geräusch.[5] Die meisten Experimente zu der klassischen Konditionierung wurden an Tieren gemacht. Berühmt geworden ist das Experiment von Pavlov zur Konditionierung von Hunden. Hält man einem Hund Futter hin, löst es Speichelfluss aus. Das Futter ist in diesem Beispiel ein unkonditionierter Stimulus (US) und der Speichelfluss ein unkonditionierter Reflex (US). Ein neutraler Stimulus (NS) hat zunächst keine spezifische Wirkung und löste eine neutrale Reaktion aus. Pavlow verknüpfte das Futter mit dem neutralen Reiz eines Glockentons, sodass beide Reize zusammen ebenfalls Speichelfluss auslösten. Nach einigen Durchläufen war der Hund konditioniert, sodass der bisherige neutrale Reiz des Glockentons ebenfalls Speichelfluss auslöste.[6]

Bei der operanten Konditionierung wird das eigene Verhalten mit einer Konsequenz verknüpft. Es ist wahrscheinlicher, dass ein Verhalten zukünftig erneut auftritt, wenn die Konsequenz aus der Handlung befriedigend war.[7] Die Konsequenz kann somit ein Verstärker sein, der uns dazu bringt, das Verhalten öfter zu zeigen. Es kann aber auch eine Bestrafung sein, die unser Verhalten abschwächt. Ein bekanntes Experiment der operanten Konditionierung ist die von Skinner entwickelte Skinner-Box, in der er Experimente mit Ratten durchführte. In der Box befindet sich ein Hebel, dessen Betätigung eine Belohnung in Form von Futter oder Wasser bedeutet. Ratten lernen, diesen Hebel zu betätigen, um belohnt zu werden.[8]

 

Das Beobachtungslernen

Beim Beobachtungslernen lernen wir, indem wir andere Menschen beobachten und deren Verhalten imitieren. Der Prozess, der dahintersteckt, wird auch als Modelllernen bezeichnet.[9] Wichtig ist – und damit unterscheidet sich das Beobachtungslernen vom bloßen Nachahmen – dass der Beobachter das Prinzip der Handlung versteht und dieses dann nachahmt.[10]

Berühmt geworden ist das Experiment von Albert Bandura mit der Bobo-Puppe (Puppe, die mit Luft gefüllt und mit Gewichten an den Füßen beschwert ist). Ein Kind beobachtet zunächst, wie ein Erwachsener eine Bobo-Puppe schlägt und anbrüllt. Als das Kind in einen Raum mit wenigen Spielsachen, u.a. mit einer Bobo-Puppe, geführt und alleine gelassen wird, zeigt das Kind gegenüber der Bobo-Puppe ähnliche Reaktionen, tritt auf es ein und beschimpft es. Hier hat sich gezeigt, dass das Kind das Verhalten des Menschen beobachtet und anschließend imitiert hat.[11] Beobachtungslernen ist hilfreich, da eine Person nicht lange nach dem Prinzip „Trial and Error“ vorgehen muss, sondern von Fehlern und Erfolge anderer Lernen kann.[12]

 

Fazit

Lernen bedeutet eine relativ dauerhafte Veränderung im Verhalten eines Lebewesens und ist daher wichtig, damit wir uns auf unsere Umwelt anpassen können. Um uns Wissen anzueignen, gibt es aber nicht eine Form, wie dies geschieht. Beim assoziativen Lernen lernen wir, dass bestimmte Ereignisse zusammen auftreten.  Wir lernen aber auch durch den Erwerb von mentalen Informationen, die unser Verhalten steuern, wie es bei dem Beobachtungslernen der Fall ist. Wenn man weiß, wie man lernt, kann dies gezielt eingesetzt werden, um effektiver Wissen anzueignen.

 

Im zweiten Teil soll es nun darum gehen, welche Empfehlungen ich bezüglich eines berufsbegleitenden Studiums geben kann.