Stress und seine Nebenwirkungen

Druck – Anspannung – Stress, kommt Ihnen das bekannt vor? Eine Studie der BKK stellte 2018 fest: etwa die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland empfindet ihre Arbeit als eher stressig. Als Hauptbelastungsfaktor der Arbeitnehmer wurde der hohe Termindruck genannt. Zudem belasten in etwa 30% der deutschen Arbeitnehmer der emotionale Stress durch die Arbeit mit Kunden, Patienten, Schülern, sowie Überstunden und ein schlechtes Betriebsklima. Daneben fühlen sich 43% durch die eigenen Ansprüche an sich selbst gestresst.[1] Doch was ist Stress, wie entsteht Stress, welche „Nebenwirkungen“ hat Stress und wie können wir mit diesem auf eine gesunde Weise umgehen?

Was ist Stress und wie entsteht dieser? – Die Transaktionale Stresstheorie

Innerhalb der transaktionalen Stresstheorien wird Stress als ein Prozess aus der Interaktion zwischen einer Person und dessen Umwelt verstanden. Es wird in den transaktionalen Theorien angenommen, dass eine Situation nicht direkt positiv, oder negativ ist. Erst durch die eigene Bewertung wird die zunächst neutrale Situation, z.B. als stressig erlebt. Dieser Prozess der Bewertung ist von der eigenen Wahrnehmung und Interpretation geprägt. Transaktion steht innerhalb der Theorie für eine Wechselwirkung zwischen der Situation (den äußeren Reizen) und der Person (Kognition über die Reizgegebenheiten im Außen), woraus eine Stresssituation resultieren kann. Diese Wechselwirkung der einzelnen Komponenten wird auch als „Person-Umwelt-Prozess“ bezeichnet.[2]

Das Stressmodell nach Lazarus geht zu Beginn von zwei Bewertungsprozessen aus: der Primär- und der Sekundärbewertung („primary and secondory appraisals“).[3] Bei der Primärbewertung wird die jeweilige Situation eingeschätzt und die Relevanz für das eigene Wohlbefinden herausgefiltert. Innerhalb der Sekundärbewertung findet eine subjektive Bewertung, hinsichtlich der zu Verfügung stehenden Ressourcen statt. Es wird eingeschätzt, ob die eigenen Ressourcen für die Bewältigung einer Anforderungssituationen genügen. Je nach Ergebnis der beiden Bewertungsprozesse, wird die Situation unterschiedlich wahrgenommen. Das Ergebnis der jeweiligen Bewertungsprozesse beeinflusst nach Lazarus, die in Folge auftretenden Emotionen und Bewältigungsversuche (Coping-Versuche).[4]

Welche „Nebenwirkungen“ hat Stress?

Die Folgen von chronischem Stress können sich auf vielfältige Weise bemerkbar machen. Auf körperlicher Ebene kann sich Dauerstress als ein Risikofaktor negativ u.a. auf folgende Ebenen auswirken:[5]

  • Gehirn (Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit und Gedächtnisfunktionen),
  • Herz-Kreislaufsystem (Bluthochdruck, Arteriosklerose),
  • Muskulatur (Kopf-, Nacken-, Rückenschmerzen),
  • Stoffwechsel (Erhöhter Blutzuckerspiegel/ Diabetes, erhöhter Cholesterinspiegel),
  • Verdauungstätigkeit (Magengeschwüre, Verdauungsprobleme),
  • Sexualität (Libidoverlust, Zyklusstörungen bei der Frau, Störung der Samenreifung bei Männern, Unfruchtbarkeit),
  • Sinnesorgane (erhöhter Augeninnendruck, Tinnitus),
  • Immunsystem (verminderte Immunkompetenz gegenüber Infektionserkrankungen, häufige Infekte).

Auf der anderen Seite besteht ein Zusammenhang zwischen chronischen Stress und der seelischen Gesundheit. Oft treten Störungen des psychischen Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit auf, bevor sich körperliche Symptome überhaupt bemerkbar machen. Allerdings gehen die Betroffenen häufig erst dann zum Arzt, wenn Beschwerden auf der physischen Ebene in Erscheinung treten. Die Diagnose, sowie die Behandlung von der dahinter liegenden chronischen Stressbelastung und der psychischen Störungen bleiben dabei vielfach unbeachtet.[6] Der Zusammenhang zwischen einer dauerhaften Stressbelastung und Depressionen ist inzwischen gut belegt. Zudem ist „Burnout“ (=“Ausgebranntsein“), worunter ein andauernder und schwerer Erschöpfungszustand zu verstehen ist, eine mögliche Folge einer chronischen Stresssituation.[7]

Strategien der Stressbewältigung

Nach Lazarus können zwei Hauptbewältigungsstrategien unterschieden werden: das emotionsbezogene und das problembezogene Coping. Beim emotionsbezogenen Coping geht es um eine Regulation der Emotionen. Emotionsbezogene Copingstrategien können zum einen kognitiv ablaufen, z.B. in Form der gedanklichen Neubewertung einer Situation. Zum anderen kann emotionsbezogenes Coping darauf abzielen Emotionen durch entsprechendes Verhalten zu verändern, z.B. durch das Praktizieren von Entspannungsübungen.[8] Beim problembezogenen Coping steht der Problemlöseprozess im Mittelpunkt. Teil dessen sind kognitiv-analytische Prozesse, sowie eine möglichst hohe Objektivität. Das Ziel besteht darin eine Veränderung der Person-Umwelt-Beziehung zu erreichen.

Lazarus und Folkman unterscheiden zwischen sechs Hauptressourcen, die ein angemessenes Coping-Verhalten fördern. Es können personen- und umweltbezogene Ressourcen unterschieden werden. Zu den personellen Ressourcen zählen: Gesundheit und Energie, positive Glaubenssätze, Problemlösefähigkeiten, sowie die eigene Sozialkompetenz. Die Ressourcen die mehr auf die Umwelt gerichtet sind schließen soziale Unterstützung und materialistischen Besitz ein.[9]

Fazit

Eine Möglichkeit den eigenen Umgang mit Stress positiv zu beeinflussen, besteht darin die eigenen Ressourcen zu stärken. Die Ressource „Gesundheit und Energie“ kann, z.B.: durch ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Erholungsphasen, sowie Phasen der Entspannung gestärkt werden. Fehlende Informationen und benötigte Kompetenzen können privat, beispielweise in Präventionsprogrammen erworben und entwickelt werden. Unternehmen können im Bereich der Verhaltensprävention entsprechende Programme anbieten, z.B. das Konzept der Stressinokulation (Stressimpfung) nach Meichenbaum, welches an den kognitiven Bewertungsprozessen ansetzt[10] und dessen Wirksamkeit bestätigt werden konnte.[11] Festzuhalten bleibt, dass das eigene Verhalten nur eine, wenn auch eine wichtige, Ebene darstellt dem Stress vorzubeugen und mit diesem umzugehen. Daneben kann die Verhaltensprävention um die der Verhältnisprävention ergänzt werden. Denn wenn die Bedingungen nicht gegeben sind sich entsprechend zu verhalten, ist die Verhaltensprävention nur von begrenzter Reichweite. Im beruflichen Kontext können hier entsprechende Modelle herangezogen werden, die die Arbeitsverhältnisse berücksichtigen.

[1] Vgl. pronova BKK (2018), S. 6.

[2] Vgl. Knoll et al. (2017), 95, 96; Schwarzer (2004), 153, 154, 155.

[3] Vgl. Lazarus/Folkman (1984), S. 31.

[4] Vgl. Schwarzer (2004), S. 155.

[5] Vgl. Kaluza (2018), 39, 40.

[6] Vgl. Kaluza (2018), S. 40.

[7] Vgl. Kaluza (2018), 40, 41.

[8] Vgl. Lazarus/Folkman (1984), 150, 151, 152.

[9] Vgl. Lazarus/Folkman (1984), S. 159.

[10] Vgl. Meichenbaum (1985); Schütz/Renneberg (2006), S. 135.

[11] Vgl. Schütz/ Renneberg (2006), S. 135

 

Literatur

Kaluza, G. (2018), Gelassen und sicher im Stress. Das Stresskompetenz-Buch: Stress erkennen, verstehen, bewältigen, 7. Aufl., Berlin, Heidelberg.

Knoll, N./Scholz, U./Rieckmann, N. (2017), Einführung Gesundheitspsychologie, 4. Aufl., München.

Lazarus, R. S./Folkman, S. (1984), Stress, appraisal, and coping, New York.

Meichenbaum, D. (1985), Stress inoculation training, New York.

pronova BKK (2018), Betriebliches Gesundheitsmanagement 2018. Ergebnisse der Arbeitnehmerbefragung Februar 2018.

Schütz, B./Renneberg, B. (2006), Theoriebasierte Strategien und Interventionen in der Gesundheitspsychologie. In: Renneberg, B. (Hrsg.), Gesundheitspsychologie. Mit 21 Tabellen, Heidelberg, S. 123–139.

Schwarzer, R. (2004), Psychologie des Gesundheitsverhaltens. Einführung in die Gesundheitspsychologie, 3. Aufl., Göttingen, Bern, Toronto, Seattle, Oxford, Prag.

Bildquelle:

https://pixabay.com/de/photos/droge-gesundheit-sucht-stress-rat-621843/