Out of control? – Mit dem Glauben an sich selbst zu mehr Wirkung

Vielen ist bekannt, dass es schädlich ist zu rauchen, oder dass regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, sowie ausreichende Phasen der Entspannung der Gesundheit förderlich sein können. Doch wieso verändern wir bestimmte Risikoverhaltensweisen nicht bzw. wieso können wir bestimmte Verhaltensänderungen langfristig nicht aufrechterhalten? Eine mögliche Antwort hierzu liegt in einem Mangel an Selbstwirksamkeit bzw. Selbstwirksamkeitserwartung. Denn es geht nicht nur darum welche Fähigkeiten wir tatsächlich besitzen, sondern insbesondere auch um das Bewusstsein über diese. Charlie Chaplin sagte bereits:

„Man muss an sich selbst glauben, das ist das Geheimnis.“

Dieser Beitrag widmet sich dem Konzept der Selbstwirksamkeit und stellt die Verbindung dieser zur (erlernten) Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit dar.

Das Konzept der Selbstwirksamkeit

Der Begriff der Selbstwirksamkeit (Englisch: „self-efficacy“) wurde von dem Psychologen Albert Bandura geprägt. Er beschreibt Selbstwirksamkeit als die Fähigkeit bestimmte Handlungsabläufe, die zu Erreichung bestimmter Ziele notwendig sind, selbst organisieren und bewältigen zu können.[1] Ein Begriff der eng mit dem der Selbstwirksamkeit verknüpft ist und oft synonym verwendet wird, ist die Selbstwirksamkeitserwartung. Die Selbstwirksamkeitserwartung spiegelt den Glauben an die eigene Fähigkeit wieder, herausfordernde Situationen aus eigener Kraft bewältigen und somit ein bestimmtes Ergebnis erzielen zu können.[2] Die eigene Selbstwirksamkeitserwartung entscheidet mit darüber, ob Menschen bestimmte Handlungen unternehmen (Motivation) und welches Maß an Anstrengung diese bereit sind zu investieren, um bestimmte Ziele zu erreichen (Ausdauer).[3]

Slbstwirksamkeit und ihre Verbindung zu (erlernter) Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit

Hoffnungslosigkeit kann als das Ergebnis einer geringen Ergebniserwartung und Hilflosigkeit als die Konsequenz einer geringen Selbstwirksamkeitserwartung interpretiert werden.[4] Stadler fasst diese 1985 in einem „Erwartungsquadrat“ zusammen.[5]

Handlungskonsequenz-Erwartung

(führt eine Handlung zum Ziel?)

Selbstwirksamkeits-Erwartung

(bin ich im Stande die erforderlichen Handlungen auszuführen?)

+                               –

+ Universelle Hilflosigkeit Relative Hilflosigkeit
Persönliche Inkompetenz Intrinsische selbstregulatorische Motivation, Flow/ Glücksgefühl

Tabelle 1: Erwartungsquadrat (Quelle: Stadler (1985), S. 257)

Die universelle Hilflosigkeit im Sinne von Seligman ergibt sich durch die Kombination einer geringen Ergebnis- und Selbstwirksamkeitserwartung. Das Gefühl keinen Einfluss auf das eigene Schicksal nehmen zu können, kann sich in depressiven Symptomen widerspiegeln. Die Person hat folglich eine negative Sicht auf sich selbst, ihre Situation und die Zukunft. Ist die Konsequenz-Erwartung gering, die Selbstwirksamkeitserwartung jedoch hoch, ergibt sich daraus nach Stadlers Erwartungsquadrat eine relative Hilflosigkeit. Die Person bemüht sich ein entsprechendes Verhalten zu zeigen, wird aber durch äußere Umstände blockiert ihr Verhalten erfolgreich umzusetzen. Das sogenannte Glückserleben oder „Flow“ nach Csikszentmihaly (1992) bzw. die von Kanfer (1990) formulierter intrinsische, selbstregulatorische Motivation wird erreicht, wenn eine hohe Selbstwirksamkeits-, als auch eine hohe Ergebniserwartung vorhanden sind.[6]

Quellen der Selbstwirksamkeit

Es können nach Bandura vier Wege unterschieden werden, auf denen die Selbstwirksamkeit entwickelt und gefördert werden kann:

  1. Eigene Erfolgserfahrungen: Durch diese kann nach Bandura das Bewusstsein für die vorhandenen Fähigkeiten gestärkt werden.
  2. Indirekte Erfahrungen: Im Vergleich mit Vorbildern, die der eigenen Person ähneln, findet eine Modifizierung der Selbstwirksamkeitserwartung statt. Bestimmte Kompetenzen können von Anderen auf einen Selbst übertragen werden.
  3. Verbale Unterstützung: Zum Beispiel durch die Ermutigung oder den Zuspruch des sozialen Umfeldes.
  4. Physiologische, affektive Zustände: Menschen können anhand bestimmter körperlicher Empfindungen (z.B. Schwitzen der Hände, Zittern, Gefühl des Vertrauens, innerer Ruhe) einen Teil ihrer Fähigkeiten, persönlichen Stärken, sowie eine gewisse Neigung zu negativen körperlichen Reaktionen abschätzen.

Unabhängig davon aus welcher Quelle Informationen in Hinblick auf die eigene Selbstwirksamkeit bezogen werden, sind anschließende kognitive Prozesse und ein gedankliches Reflektieren von besonderer Bedeutung, damit eine Bewusstseinsveränderung erreicht werden kann.[7]

Mit Selbstwirksamkeit zu mehr Wirkung?

Bandura konnte zeigen, dass die Erfolgschancen bei Personen mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung deutlich höher waren als bei denen mit einer niedrigen. Beide Personengruppen hatten dieselben Fähigkeiten. Der Unterschied lag lediglich in der eigenen Selbstwirksamkeitserwartung.[8] Zudem liegen eine Reihe von Meta-Analysen und Übersichtsberichten (zu experimentellen und feldbezogenen Studien) vor, welche zeigen, dass Selbstwirksamkeit bedeutsam zu Motivationsstärke, Engagement, Durchhaltevermögen, als auch konstruktiver Bewältigung von Anforderungen beiträgt.[9] Auch besteht ein positiver Zusammenhang zwischen Selbstwirksamkeitserwartung und Gesundheit.[10]

Fazit

Es scheint sich zu lohnen die eigene Selbstwirksamkeit entsprechend der Quellen der Selbstwirksamkeit zu fördern, die (erlernte) Hilflosigkeit wieder zu „verlernen“, um so sein Leben selbst wirkungsvoller gestalten zu können. Geeignete Therapien, Coachings, oder Kurse können ergänzende Hilfen bieten. Zudem bietet der Taschenguide „Selbstwirksamkeit aufbauen“ von Barouti einige Anregungen. Unter anderen nennt sie „Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung“ oder die „Orientierung an stimmigen Zielen“ als Mittel zu mehr Selbstwirksamkeit.[11] Aber auch in Unternehmen bietet es sich an das Konzept der Selbstwirksamkeit, sowie die Quellen der Selbstwirksamkeit zu berücksichtigen, um von den vielfältigen positiven Effekten zu profitieren und die Mitarbeiter zu fördern.

[1] Vgl. Bandura (1997), 3, 21.

[2] Vgl. Bandura (1997), 20, 21.

[3] Vgl. Bandura (1997), S. 24.

[4] Vgl. Egger (2015), S. 286.

[5] Vgl. Stadler (1985); Egger (2015), 286, 287.

[6] Vgl. Ruholl (2007), S. 5.

[7] Vgl. Bandura (1997), S. 79.

[8] Vgl. Bandura (1997), S. 37.

[9] Vgl. Jerusalem (2018), 132, 133.

[10] Vgl. Barysch (2016), S. 206.

[11] Vgl. Barouti (2018), 75, 85.

 

Literatur

Bandura, A. (1997), Self-efficacy. The exercise of control, New York.

Barouti, I. (2018), Selbstwirksamkeit aufbauen. Wie Sie Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen.

Barysch, K. N. (2016), Selbstwirksamkeit. In: Frey, D. (Hrsg.), Psychologie der Werte. Von Achtsamkeit bis Zivilcourage – Basiswissen aus Psychologie und Philosophie, Berlin, Heidelberg, S. 201–211.

Egger, J. W. (2015), Integrative Verhaltenstherapie und psychotherapeutische Medizin, Wiesbaden.

Jerusalem, M. (2018), Selbstwirksamkeit. In: Kohlmann, C.-W./Salewski, C./Wirtz, M. A. (Hrsg.), Psychologie in der Gesundheitsförderung, Bern, S. 127–139.

Ruholl, S. (2007), Selbstwirksamkeit als Indikator für psychische Störungen, Med. Diss., Medizinische Fakultät., Aachen.

Stadler, J. (1985), Die soziale Lerntheorie von Bandura. In: Frey, D./Irle, M. (Hrsg.), Gruppen- und Lerntheorien, Bern.

Bildquelle:

Motivation Möglichkeiten – Kostenloses Foto auf Pixabay