Pilates ein Trend mit Nebenwirkungen?

Rücken- und Gelenkschmerzen gehören nach wie vor zu den großen gesundheitlichen Problemen unserer heutigen Gesellschaft. Es existieren unterschiedlichste Behandlungstechniken u.a. auch von Nicht-Medizinern entwickelte Trainingsmethoden wie Yoga oder Pilates. Yoga und Pilates erheben grundsätzlich den Anspruch auf eine gesundheitsverbessernde Wirkung insbesondere bei Rückenschmerzen. Die Wissenschaft kommt jedoch zu anderen Ergebnissen.[1]

Was ist Pilates?

Pilates ist ein schnell wachsendes Trainingsprogramm, welches sich großer Beliebtheit erfreut. Dabei konzentriert sich Pilates auf ein systematisches Körpertraining, bei dem nicht die Quantität, sondern die Qualität der Ausübung im Vordergrund steht. Im Mittelpunkt der Pilatesübungen stehen neben der Atmung vor allem der Muskelaufbau der Körpermitte (das „Powerhouse“) und deren Bedeutung für eine gesunde und stabile Körperhaltung.

Joseph H. Pilates (1880-1967) entwickelte 1912 in England das Pilatesprogramm zur Rehabililitation verletzter Soldaten. 1926 emigrierte er nach New York und eröffnete dort sein erstes Trainingsstudio. Joseph H. Pilates strebte bei seinem Trainingsprogramm nach einer Balance zwischen geistiger und körperlicher Gesundheit.[2]

Abb.1: Pilates „the hundred“

Wie ist die Forschungslage?

Tatsächlich konnte ein brasilianisch-niederländisches Forscherteam in einer Studie ermitteln, dass Pilates dazu beitragen kann Rückenschmerzen zu lindern. 296 Patienten, die seit ca. 4 Jahren an unspezifischen Rückenschmerzen litten, wurden in 4 Gruppen eingeteilt. 3 Gruppen haben sofort mit dem Pilatestraining begonnen, die übrige Gruppe (Wartegruppe) erhielt nur eine Broschüre mit Informationen über Rückenschmerzen. Eine der drei Pilatesgruppen trainierte 1x wöchentlich, in den anderen Gruppen wurde 2x sowie 3x wöchentlich trainiert, stets jeweils 1 Stunde lang. Nach sechs Wochen zeigten die Ergebnisse, dass sich die Rückenschmerzen in den Übungsgruppen gegenüber der Wartegruppe deutlich verbesserten. Am effektivsten zeigte sich ein 2x wöchentliches Pilatestraining. Ein dreimal wöchentliches Training konnte keinen zusätzlich positiven Effekt erzielen. Bescheiden fallen jedoch die Langzeitergebnisse aus: nach sechs Monaten existierten fast keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen und nach zwölf Monaten sind überhaupt keine Unterschiede mehr zu verzeichnen. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Pilates keinen über die Trainingsdauer hinausgehenden Effekt auf die Beschwerden ausübt.[3]

Die geringe Effektivität bei Rückenschmerzen kann mit den biomechanischen Eigenschaften der Wirbel- und großen Gelenken und deren gegenseitigen mechanischen Zusammenhänge in Verbindung stehen. Dies bezüglich sind einige kritische Bemerkungen zum Pilatestraining erwähnenswert: Durch das Anheben beider Beine in Rückenlage eine große Hebelwirkung. Erfolgt keine Korrektur seitens des Trainers führt dies zu einer Verstärkung des Hohlkreuzes. Infolge dessen kommt es zu einer aktiven oder passiven Überlastung der Lendenwirbel und des Iliosakralgelenks. Einige Übungen erfordern eine Innendrehung und gleichzeitige Beugung der Hüftgelenke. Die Ausführung derartiger Bewegungen sind für die Hüftgelenke sehr belastend  und schon bei geringen Funktionsdefiziten schmerzauslösend. Pilates sieht ein konzentrisches Training der Bauchmuskeln vor, diese haben jedoch eine exzentrische Funktion. Dies hat zur Folge, dass ein konzentrisches Training der Bauchmuskeln sehr belastend für den gesamten Rücken sein kann.[4]

Fazit

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die Pilates Methode durchaus zur Linderung von Rückenschmerzen eignet. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Übungen genau vom jeweiligen Trainer kontrolliert werden sollten und an die individuellen Bedingungen des Teilnehmers angepasst werden. Es empfiehlt sich daher, von überfüllten Kursen Abstand zu nehmen. Bei bereits bestehenden Rückenschmerzen oder Verletzungen sollte vorher eine Absprache mit einem Arzt stattfinden.


[1]  Vgl. Geraedts (2018), S. Ⅴ

[2]  Vgl. Geraedt (2018), S. 9-10

[3]  Vgl. Mut (2018), S. 7

[4]  Vgl. Geraedts (2018), S. 11,12

Quellenangaben

Geraedts, P., (2018), Physiotherapeutisches Training bei Rückenschmerzen, Berlin: Springer Verlag

Geraedts, P., (2018), Übungsbehandlungstechniken und -methoden in der Physiotherapie, Wiesbaden: Springer Fachmedien

Mut (2018), Pilates kann Helfen, in Schmerzmedizin Ausgabe 4/2018, Heidelberg: Springer Medizin Verlag

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