Impfungen – eine bedeutende Errungenschaft der Medizin

Das Thema Impfen sorgt bedingt durch die Corona Pandemie aktuell für kontroverse Diskussionen. Diese Diskussionen werden häufig sehr emotional geführt, wobei die Fakten ausgeblendet werden. Ein Faktencheck macht deutlich, dass Impfungen zu den größten medizinischen Errungenschaften der jüngeren Geschichte gehören. Ohne Impfungen würden auch hier in Europa Menschen infolge einer Poliomyelitis an Lähmungserscheinungen leiden, tausende Kinder aufgrund einer Maserninfektion an einer Hirnhautentzündung sterben. Ebenso würden tausende Kinder eine stationäre Behandlung anlässlich einer Rotaviren-Infektion in Anspruch nehmen müssen. Trotz dieser Erfolge bleibt eine Impfskepsis weiterhin bestehen. Die Gründe reichen von der Angst vor Nebenwirkungen bis zu der Annahme es sei besser Kinderkrankheiten „durchzumachen“.[1]

Historischer Abriss

Der Grundgedanke einer Impfung besteht darin, dass bestimmte Infektionskrankheiten einen Schutz gegen spätere Erkrankungen herbeiführen können. Edward Jenner (1749-1823) kam 1796 zu dem Ergebnis, dass niedrig pathogene Kuhpocken eine präventive Wirkung gegenüber echten Pocken erzeugen. Der Wissenschaftliche Fortschritt im 19. Und 20. Jahrhundert brachte neue Errungenschaften in den Bereichen der Bakteriologie und Serologie. Bedeutende Vertreter dieser Zeit waren u.a. Louis Pasteur (1822-1895): Tollwut- und Milzbrandimpfung, Robert Koch (1843-1910): u.a. Entwicklung des Tuberkulins, Emil von Behring (1854-1917), Diphterie- und Tetanusantitoxin sowie Paul Ehrlich (1845-1915), u.a. Diphterieantitoxin. Jüngere Erfolge der Impfgeschichte zeigen Impfstoffe auf mRNA Basis oder adenoviraler Vektoren wie z.B. gegen Covid 19, Ebola, HIV, der Krebs- und Malariaforschung.[2]

Herstellung und Zulassung von Impfstoffen

In der Regel dauert es mehrere Jahre, bis ein neuer Impfstoff auf den Markt kommt. Zuvor muss der Impfstoff mehrere Entwicklungs- und Testphasen durchlaufen. Zu Beginn werden die immunogenen Strukturen eines Erregers charakterisiert. Anschließend wird das Impfdesign festgelegt, z.B. durch eine Vakzineplattform. Hierbei ist zu erwähnen, dass es sich bereits um bewährte Impfstoffsysteme handelt, die nun mit dem identifizierten Antigen nach dem „Baukastensystem“ rekombiniert werden.[3]

Im Anschluss wird überprüft, ob sich der Impfstoff in Tierversuchen präklinisch bewährt. Fallen die Ergebnisse positiv aus, kann der Hersteller beim Paul-Ehrlich-Institut einen Antrag auf klinische Prüfung stellen. Die klinische Prüfung besteht aus drei Prüfungsphasen: Während der ersten Prüfungsphase wird anhand von ˂100 Probanden die Immunogenität und Verträglichkeit abgeschätzt. Die zweite Phase beschäftigt sich mit der Dosisfindung und Verträglichkeit anhand von ˃100 Probanden. Während der dritten Phase wird die Konsistenz des Herstellungsverfahrens, Immunogenität, Verträglichkeit und Wirksamkeit anhand von 1000-10000 Probanden überprüft. (Die Anzahl der Probanden sind Richtwerte). Im Praxisalltag findet anschließend eine stetige Überwachung bezüglich Effizienz, Risikogruppenanalyse, Langzeitwirkungen, sehr seltene Nebenwirkungen sowie eine Nutzen-Risiko Abwägung statt. Die schnelle Zulassung des Covid 19 Impfstoffes ist darauf zurückzuführen, dass bereits ein breites Vorwissen zu Coronaviren sowie Corona Impfungen vorhanden war. Des Weiteren bestand schon eine geeignete Vakzineplattform. Zusätzlich trugen staatliche Investitionen und wissenschaftliche Fokussierung dazu bei einem Zeitgewinn bezüglich der Zulassung zu erwirken.[4]

Impfstoffkomponenten

Impfstoffe enthalten neben den erregerspezifischen Bestandteilen Adjuvanzien zur Wirkverstärkung z.B. Aluminiumsalz, Stabilisatoren wie Polygelin oder Humanalbumin, Konservierungsmittel wie Thiomersal oder 2-Phenoxyethanol und Antibiotika.[5]

Aluminiumsalze dienen zur Verbesserung der Immunantwort bei Inaktivierten Impfstoffen, z.B. FSME, Keuchhusten, Meningokokken oder Tetanus und Diphtherie, indem die Immunsystemzellen angelockt werden. Dabei enthält kein Impfstoff reines Aluminium sondern Aluminiumverbindungen.[6]

Der Mensch nimmt über die Nahrung (Obst, Gemüse, Nüsse, Mehr oder Milchprodukte) täglich geringe Mengen an Aluminium zu sich. Bei einem Erwachsenen beträgt die Dosis etwa 7 – 9 Milligramm Aluminium pro Tag. Zum Vergleich: aktuell auf dem Markt vorhandene Impfstoffe enthalten zwischen 0,125 und 0,85 Milligramm Aluminium. Ein Säugling nimmt in den ersten 6 Lebensmonaten etwa 7 Milligramm über die Muttermilch auf und etwa 117 Milligramm, wenn sie Sojamilch erhalten. Bereits bei der Geburt enthält der menschliche Körper Aluminium. Das im Körper enthaltene Aluminium wird über den Darm und den Nieren ausgeschieden, unabhängig davon, ob es durch die Nahrung oder durch eine Injektion in den Körper gelangt ist. Eine geringe Menge verbleibt gespeichert in Knochen, Lungen und Gehirn im menschlichen Körper.[8]

Das Konservierungsmittel Thiomersal ist ein Natriumsalz einer organischen Quecksilberverbindung, welches in kosmetischen und pharmazeutischen Produkten eingesetzt wird.[9] Seit der Umstellung auf Einzeldosisimpfungen ist das Konservierungsmittel Thiomersal nicht mehr in Impfstoffen enthalten.[10]

Aluminiumsalze sowie Thiomersal stehen bei Impfkritikern immer wieder in der Kritik an der Entstehung von Autismus beteiligt zu sein. Bei genauerer Betrachtung können jedoch keiner dieser Hypothesen wissenschaftlichen Kriterien standhalten. Es zeigt sich, dass die Hypothesen unzureichend konzipiert bzw. einseitig fehlinterpretiert sind. Einen kausalen Zusammenhang von Autismus durch Impfungen können eindeutig methodisch korrekt widerlegt werden.[11] 2014 veröffentlichte eine Metaanalyse Daten aus 5 Kohortenstudien bestehend aus 1.256.407 Kindern und 5 Fall-Kontroll-Studien bestehend aus 9920 Kindern, welche bestätigen, dass kein Zusammenhang von Autismus durch Impfungen oder dem Konservierungsmittel Thiomersal besteht.[12]

Impferfolge

Die Fakten zeigen, dass durch Impfungen etwa zwei bis drei Millionen Todesfälle verhindert werden. Zusätzlich könnte der Tod weitere 1,5 Millionen Menschen verhindert werden, wenn die globale Durchimpfungsrate erhöht würde. Polio, eine Erkrankung, für die es keine Heilung gibt, konnte durch die Einführung globaler Impfprogramme so gut wie ausgerottet werden. Lediglich aus dem Jahr 2015 sind 74 Erkrankungen aus Afghanistan, Pakistan und Nigeria bekannt. Die Pocken gelten tatsächlich als ausgerottet. In Österreich konnte seit 2007 die Hospitalisierungsrate bei einer Rotavirus-Infektion um 90% gesenkt werden.[13]

Die Masern sind nach wie vor eine der führenden Todesursachen bei kleinen Kindern. Zwischen 2000 und 2015 konnten jedoch die Todesfälle durch Impfprogramme um 79% gesenkt werden. Die WHO verfolgt das Ziel, die Masern in den nächsten Jahren komplett auszurotten. In der Krebsforschung können Impfungen ebenfalls Erfolge verzeichnen. Onkogene Typen der Humane Papilloma-Viren können über Krebsvorstufen zu Gebärmutterhals- oder Scheidenkrebs führen. Auch Männer können in Form von Penis- oder Analkrebs betroffen sein. Eine Impfung gegen Onkogene Viren kann einen über 95%igen Schutz bieten.[14]

Fazit

Impfungen haben bereits Millionen Menschenleben gerettet und gelten als eine bedeutete Errungenschaft der Medizin. Schwere Infektionskrankheiten und deren Folgen sind in Vergessenheit geraten. Infolgedessen, geraten Ängste über mögliche Folgen einer Impfung ins Bewusstsein. Die Zulassung und die Herstellung eines Impfstoffs erliegen hohen Qualitätsstandards. Es besteht jedoch weiterhin Aufklärungsbedarf über den Nutzen des Impfens.[15]


[1]  Vgl. Kunze, Journa (2017), S. 114

[2]  Vgl. Wendt, Trawinski, Pietsch, Borte, Lübbert (2021), S.2

[3]  Vgl. Wendt, Trawinski, Pietsch, Borte, Lübbert (2021), S. 3

[4]  Vgl. Wendt, Trawinski, Pietsch, Borte, Lübbert (2021), S.3

[6]  Vgl. Paul-Ehrlich-Institut

[5]  Vgl. Wendt, Trawinski, Pietsch, Borte, Lübbert (2021), S. 5

[8]  Vgl. infovac

[9]  Vgl. Wendt, Trawinski, Pietsch, Borte, Lübbert (2021), S.5

[10]  Vgl. Paul-Ehrlich-Institut

[11]  Vgl. Wendt, Trawinski, Pietsch, Borte, Lübbert (2021), S.5

[12]  Vgl. Zepp (2018), S. 1116

[13]  Vgl. Kunze, Journa (2017), S. 114

[14]  Vgl. Kunze, Journa (2017), S. 114,115

[15]  Vgl. Dittmann (2002), S. 316

Literaturverzeichnis

Dittmann, S. (2002), Risiko des Impfens und das noch größere Risiko nicht geimpft zu sein, Artikel in Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz 4, Springer Verlag

Kunze, U. / Journa, E. (2017), Impfprogramme-eine beispiellose Erfolgsgeschichte, Artikel in Pädiatrie & Pädologie 3, Wien: Springer Verlag

Wendt, S. / Trawinski, H. / Pietsch, C. / Borte, M. / Lübbert, C. (2021), CME Zertifizierte Fortbildung, Impfungen, Artikel in Der Internist, Berlin: Springer Medizin Verlag GmbH

Zepp, F. (2018), Impfungen in der Pädiatrie, Artikel in Monatsschrift Kinderheilkunde 12, Berlin: Springer Medizin Verlag GmbH

Internetquellen

infovac : verfügbar unter: https://www.infovac.ch/de/faq/aluminium-in-impfstoffen , abgerufen am: 08.12.2021

Paul-Ehrlich-Institut: verfügbar unter: https://www.pei.de/DE/service/faq/faq-impfen-impfstoffe-inhalt.html , abgerufen am: 08.12.2021

Paul-Ehrlich-Institut: verfügbar unter: https://www.pei.de/SharedDocs/FAQs/DE/impfen-impfstoffe/enthalten-impfstoffe-aluminium.html , abgerufen am: 08.12.2021

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