By Published On: 12. Januar 2026Categories: Gesundheit, Meine Hochschule und mein Studium, Psychologie

Der Alltag von studierenden Spitzensportler:innen gleicht einem fein abgestimmten Uhrwerk: Frühtraining, Vorlesungen und Lernphasen, Spättraining, Wettkampfvorbereitung, sportpsychologische Betreuung und gezielte Regeneration. Jeder Baustein muss präzise ineinandergreifen, damit nicht nur die sportliche Leistung auf höchstem Niveau gesichert ist, sondern auch die berufliche Zukunft nach der aktiven Karriere im Blick bleibt. Doch wie gelingt es, all diese Anforderungen miteinander zu vereinbaren, ohne dass ein Bereich zu kurz kommt? Genau dieser Frage widmet sich der folgende Beitrag.

Über die Autorin

Ich war selbst mehr als 15 Jahre im Leistungssport aktiv und habe in der Zeit zahlreiche Erfolge bei nationalen und internationalen Meisterschaften erreichen können. Besonders prägend in meiner Karriere waren die zwei Teilnahmen an den Olympischen Spielen in Tokyo 2021 und Paris 2024. Zudem habe ich 2020 mein Studium der Betriebswirtschaft an der SRH Fernhochschule Riedlingen begonnen, um einen möglichst reibungslosen Übergang in die Arbeitswelt nach dem Sport zu ermöglichen. Ich kenne aus eigener Erfahrung die Herausforderungen von studierenden Spitzensportlern und konnte selbst, durch die Anwendung verschiedener Methoden, mein Zeitmanagement nachhaltig verbessern. Doch nicht nur Spitzensportler trifft diese Doppelbelastung, auch Studierende mit Kindern, sehen sich vor der Herausforderung beide Welten möglichst effizient zu vereinbaren. Hier lassen sich die Erfahrungen aus dem Spitzensport optimal übertragen und anwenden. 

Herausforderungen der Doppelrolle – der Alltag eines studierenden Spitzensportlers

Für viele studierende Leistungssportler lässt sich ein typischer Tag wie folgt skizzieren: 

7:00 Uhr        Aufstehen, Frühstück, Mobilisation

7:45 Uhr        1. Trainingseinheit

9:30 Uhr        Vorlesung/Übung/Lernzeit

12:00 Uhr      Mittagessen

13:00 Uhr      2. Trainingseinheit

16:00 Uhr      Physiotherapie

17:00 Uhr      sportpsychologische Betreuung 

18:00 Uhr      Abendessen

19:00 Uhr      Lernzeit

22:00 Uhr      Schlafenszeit

Natürlich variiert der Tagesablauf nach Saisonzeitpunkt und Semesterfortschritt, jedoch lässt sich immer feststellen, dass kaum Zeit ist, um am Tag zu regenerieren oder Freizeitaktivitäten nachzugehen. Neben der zeitlichen Belastung besteht sowohl im Studium als auch im Sport kontinuierlicher Leistungsdruck. Klausuren müssen bestanden werden, Kaderkriterien müssen durch gute Platzierungen im Wettkampf bestätigt werden und nicht selten hängt davon auch die finanzielle Existenz der Sportler ab, wenn beispielsweise die Sportförderung an den Kaderstatus gekoppelt ist. Um zusätzliche Störfaktoren weitgehend auszuschalten, ist es unabdingbar, ein gutes Zeitmanagement zu etablieren und kontinuierlich, an sich verändernde Gegebenheiten, anzupassen. 

Strategien des Zeitmanagements 

Strategien des Zeitmanagements helfen dabei den Alltag möglichst effizient zu planen, um keine unnötige Zeit und Energie für unwichtige Tätigkeiten zu verschwenden.

Eisenhower-Prinzip 

Das Eisenhower-Prinzip wird auch A-B-C-D-Methode genannt und kategorisiert zu erledigende Aufgaben nach zwei unterschiedlichen Kriterien: nach der Wichtigkeit und Dringlichkeit.[1] Nach diesem Prinzip entstehen vier Kategorien, in die die Aufgaben eingeteilt werden. 

  • Sehr wichtig und sehr dringlich: Diese Aufgaben sind Schlüsselaufgaben zum Erreichen der gesetzten Ziele. Sie haben oberste Priorität, da sie neben der gegebenen Wichtigkeit der Erledigung auch mit einer Deadline versehen sind.
  • Sehr wichtig, aber wenig dringlich: Diese Aufgaben, sind wie die Aufgaben aus der darüberstehenden Kategorie, sehr wichtig zum Erreichen der gesetzten Ziele. Der Unterschied hier liegt jedoch in der Tatsache, dass kein fester Zeitpunkt zur Erreichung feststeht. 
  • Weniger wichtig, aber sehr dringlich: Hier besteht zur Erledigung eine Deadline, diese Aufgaben sind jedoch von keiner großen Wichtigkeit, so dass diese auch an andere Personen delegiert werden können. 
  • Wenig wichtig und wenig dringlich: Diese Aufgaben besitzen weder Deadline noch Wichtigkeit. Hier ist zu überlegen, ob diese Aufgaben überhaupt erledigt werden sollten. 

Nachdem die zu erledigenden Aufgaben in die verschiedenen Kategorien aufgeteilt worden sind, sollten anschließend To-Do-Listen mit den wichtigen und dringenden sowie mit den nur wichtigen Aufgaben erstellt und abgearbeitet werden. 

Zeitdiebe erkennen und abschalten

Ein erfolgreiches Zeitmanagement ist ein kontinuierlicher Prozess, der davon lebt, sich wiederkehrend mit der eigenen Planung auseinander zu setzen und gegebenenfalls Verbesserungen zu implementieren. Mit Zeitdieben sind nach Däfler „persönliche Eigenschaften beziehungsweise Charakterzüge gemeint, die Zeit stehlen und so zu Stress führen“[2]. Anzuführende Beispiele sind der Hang zu ausufernden Gesprächen mit Kolleg:innen oder auch Prokrastination, als das Aufschieben von Aufgaben und Tätigkeiten. Wenn ein Zeitdieb erkannt wurden, sollte sich die Frage gestellt werden, wie diese Situationen in der Zukunft vermieden werden können.[3]

Psychologische Aspekte

Zeitmanagement im Studium und Leistungssport ist weit mehr als das perfekte Planen von Terminen. Hinter jedem Plan steht eine mentale Basis, die entscheidend ist, ob die gewählte Strategie im Alltag tatsächlich funktioniert. Leistungssportler profitieren dabei von früh erlernten Kompetenzen wie Selbstdisziplin, Resilienz und dem bewussten Umgang mit Stress.[4]

Selbstdisziplin beschreibt eine Kompetenz des Selbstmanagements, welche maßgeblich dafür verantwortlich ist, Handlungen zielgerichtet zu beginnen, auszuführen und zu beenden.[5] Umgangssprachlich wird die Hürde, welche zu überwinden ist, um selbstdiszipliniert zu handeln, auch als „innerer Schweinehund“ bezeichnet. 

Resilienz ist die Fähigkeit Krisen, Problemen und Niederlagen zu begegnen und positiv zu meistern und sich von diesen wieder erholen zu können.[6]

Ebenso wichtig ist das Pausen- und Erholungsmanagement. Athlet:innen neigen dazu, jede freie Minute zu verplanen und die körperlich sowie psychische Erholung zu vernachlässigen. Diese Regeneration ist jedoch als strategischer Erfolgsfaktor zu sehen, da Ruhephasen dabei helfen können die Konzentration in Sport und Studium dauerhaft auf einem hohen Niveau zu halten.[7]

Fazit 

Die Doppelrolle als studierende:r Spitzensportler:in verlangt ein Höchstmaß an Struktur, Klarheit und mentaler Stärke. Zwischen Trainingsplanung, akademischen Anforderungen und dem Druck, in beiden Bereichen konstant gute Leistungen erbringen zu müssen, entsteht ein Alltag, der ohne bewusstes Zeitmanagement schnell an Grenzen stoßen kann. Methoden wie das Eisenhower-Prinzip, das Erkennen und Vermeiden eigener Zeitdiebe sowie ein reflektierter Umgang mit Pausen bietet dabei eine wertvolle Orientierung. Gleichzeitig zeigt sich, dass mentale Kompetenzen wie Selbstdisziplin, Resilienz und Stressregulation nicht nur im Sport, sondern ebenso im Studium entscheidende Faktoren für den Erfolg sind. Wer es schafft, diese Fähigkeiten gezielt einzusetzen und Regeneration als festen Bestandteil des Alltags zu integrieren, kann beide Welten erfolgreich miteinander vereinbaren. 


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