„Im Flow sein“ aus wissenschaftlicher Perspektive

Fast jeder hat es schon einmal erlebt. Der Moment, in dem man mit einer Tätigkeit so verschmilzt, dass jegliches Gefühl über das Zeitempfinden verloren geht. Dieses im Fluss sein, während einer Tätigkeit wird in der Fachsprache als Flow-Erleben bezeichnet.[1] Doch was genau steckt eigentlich hinter diesem Phänomen und wie kann man einen Flow-Zustand erreichen? Um diese Fragen zu beantworten, soll in dem folgenden Beitrag geklärt werden, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Flow-Erleben entstehen kann und wieso der Flow-Zustand mit der intrinsischen Motivation zusammenhängt.

Bevor die Hauptmerkmale des Flow-Erlebens erläutert werden, gehen wir zunächst einmal in der Zeit etwas zurück, hinein in die 70er Jahre. Der Psychologe Mihalyi Csikszentmihalyi befasste sich damals mit dem Verhalten von Künstlern. Er beobachtete, dass einige Maler mit einem überaus hohen Engagement und großer Freude an ihren Bildern und deren Fertigstellung arbeiteten. War das Bild fertig, wurde es jedoch uninteressant und beiseitegelegt, sodass mit einem neuen Bild begonnen werden konnte, da der Anreiz, im Vollzug der Tätigkeit lag.[2] Aus diesen und noch weiteren Beobachtungen entwickelte sich für ihn die Frage, weshalb Menschen teilweise sogar schwierige Tätigkeiten ausüben, die zugleich viel Zeit in Anspruch nehmen, ohne dafür eine Belohnung zu erhalten.[3]

Csikszentmihalyi interviewte in Folge dessen viele Personen aus unterschiedlichsten Bereichen und benannte die Gemeinsamkeit, das subjektive Erleben, innerhalb der verschiedenen Tätigkeiten, als Flow-Erleben.  Gemeint ist hiermit das fließende Erleben, oder auch das im Fluss sein, während einer Tätigkeit.[4] Mittlerweile hat sich der Begriff Flow zu einem anerkannten Fachbegriff entwickelt.[5]

4 Hauptmerkmale des Flow-Erlebens

Es lassen sich 4 Hauptmerkmale benennen, aus denen sich das Flow-Erleben zusammensetzt.

  1. Das erste und zugleich wichtigste Merkmal beschreibt das tiefe involviert sein in einer Handlung, so dass alles andere, wie beispielsweise empfundene Müdigkeit in den Hintergrund rückt.
  2. Das zweite Merkmal ist das sogenannte Verschmelzen der Handlung mit dem Bewusstsein, aufgrund der hohen Konzentration, die ausschließlich auf die jeweilige Handlung gerichtet ist.
  3. Das dritte Merkmal ist das Gefühl einer starken Kontrolle, währen kein Zweifel empfunden wird, obwohl ein Versagen möglich wäre.
  4. Das vierte und letzte Merkmal ist die verzerrte Zeitwahrnehmung, da Stunden im Flow häufig wie Minuten erscheinen.[6]

Bedingungen für die Entstehung von Flow

Damit Flow überhaupt entstehen kann, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein. Csikszentmihalyi nennt diesbezüglich 3 zentrale Bedingungen sowie einige Merkmale, die das Flow-Erleben begünstigen.[7]

  • Die erste zentrale und zu erfüllende Bedingung ist die sogenannte Anforderungs-Fähigkeitspassung, was bedeutet, dass die Anforderungen der Aufgabe an die eigenen Fähigkeiten angepasst sein müssen.[8] Sind die Anforderungen zu gering, kann dies zur Unterforderung und Langeweile führen, sind die Anforderungen jedoch zu hoch, kann Überforderung und folglich Stress entstehen.[9]
  • Die zweite Bedingung ist eine klare Zielsetzung, da diese bei der Strukturierung und Ausrichtung der Handlung benötigt wird. Ein Beispiel wäre ein Musiker, der das Ziel hat, ein Stück ohne Fehler spielen zu können, um die für den Flow benötigte Konzentration aufrechtzuerhalten.
  • Damit die dritte und letzte zentrale Bedingung erfüllt werden kann, ist ein sofortiges Feedback zur Handlungsausführung notwendig, die nicht zwangsweise von außen erfolgen muss. Wenn ein Musiker zum Beispiel einen falschen Ton gespielt hat, kann er diesen korrigieren, um so seine Handlungsausführung wieder in die Richtung seines Zieles zu lenken.[10]

Zu den Merkmalen, die das Flow-Erleben begünstigen, zählt zum Beispiel die Konfrontation mit einer neuen oder ungewöhnlichen Aufgabe. Ein Flow-Zustand behindernder Faktor wäre hingegen eine Störung von außen, wie beispielsweise ein klingelndes Telefon oder auch ein erlebter Zeitdruck.[11]
Des Weiteren ist es so, dass einige Menschen eher im Stande sind Flow zu erleben, als andere; diese Menschen werden in der Fachsprache als autotelische Persönlichkeiten bezeichnet. Solche Menschen sind in der Lage zwischen Herausforderungen und Fähigkeiten eine gute Balance zu erstellen.[12]

Flow und intrinsische Motivation

Der Anreiz eine Tätigkeit auszuüben, kann wie bisher beschrieben, sowohl von einem Menschen selbst, also von innen heraus erfolgen, aber auch von außen, von der Umwelt kommen. Ist dieses der Fall und ist ein Verhalten durch äußere Faktoren, wie zum Beispiel eine Belohnung oder Bewertung begründet, wird diese Motivationsform als extrinsische Motivation bezeichnet. Das Gegenteil davon ist die intrinsische Motivation, die im engen Zusammenhang zum Flow-Erleben steht. Sie zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass eine Tätigkeit um ihrer selbst willen ausgeführt wird, weshalb kein Steuerungsmittel von außen nötig ist. Allein die Freude, die Neugier und ein vorhandenes Interesse reichen als Anreize für das Durchführen einer Tätigkeit aus.[13]
Auch beim Flow-Erleben stehen innere Antriebe im Vordergrund. So haben das Flow-Erleben und die intrinsische Motivation diesen Punkt, also das Ausführen der Tätigkeit, um ihrer selbst willen, gemeinsam. Weiterhin ist für den Flow-Zustand, genau wie für die intrinsische Motivation keine Belohnung erforderlich.
Während der Flow-Zustand von drei zentralen Bedingungen abhängt, kann ein Mensch jedoch auch ohne diese Bedingungen intrinsisch motiviert sein. Sind die drei zentralen Bedingungen jedoch gegeben, kann aus einer intrinsisch motivierten Handlung ein Flow-Erleben entstehen.

[1] Vgl. Brandstätter et al. 2013, S. 97.

[2] Vgl. Heckhausen 2010, S. 380.

[3] Vgl. Brandstätter et al. 2013, S. 97.

[4] Vgl. Ebenda.

[5] Vgl. Csikszentmihalyi und Aebli 1991, S. 15.

[6] Vgl. Brandstätter et al. 2013, S. 97

[7] Vgl. Ebenda. S. 97f.

[8] Vgl. Ebenda.

[9] Vgl. Comelli et al. 2014, S. 141.

[10] Vgl. Brandstätter et al. 2013, S. 98.

[11] Vgl. Ebenda.

[12] Vgl. Blickhan 2015, S.204.

[13] Vgl. Ebenda, S. 91.

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Eigene Darstellung

Literaturverzeichnis

Blickhan, Daniela (2015): Positive Psychologie. Ein Handbuch für die Praxis. Paderborn: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung.

Brandstätter, Veronika; Schüler, Julia; Puca, Rosa Maria; Lozo, Ljubica (2013): Motivation und Emotion. Allgemeine Psychologie für Bachelor. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg

Comelli, Gerhard; Rosenstiel, Lutz von von; Nerdinger, Friedemann W. (2014): Führung durch Motivation. Mitarbeiter für die Ziele des Unternehmens gewinnen. 5., überarb. Aufl. München: Vahlen.

Csikszentmihalyi, Mihaly; Aebli, Hans (Hg.) (1991): Die aussergewöhnliche Erfahrung im Alltag. Die Psychologie des Flow-Erlebnisses. Stuttgart: Klett-Cotta.

Heckhausen, Jutta (Hg.) (2010): Motivation und Handeln. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.