Wie Kinder krank gemacht werden – Einfluss digitaler Medien auf die Gehirnentwicklung

Was für Eltern einen Moment Ruhe bedeutet, ist für Kleinkinder immenser Stress zu einem sehr hohen Preis: die Zeit vor dem Fernseher, Smartphone oder Tablet. Immer häufiger sind bereits kleine Kinder vor einem Bildschirm zu beobachten. Gleichzeitig sind immer mehr Eltern besorgt, welche Auswirkungen die Mediennutzung für ihr Kind haben kann. Welche Folgen hat unsere moderne mediale Welt für Kleinkinder wirklich und wie viel Bildschirmzeit können wir ihnen zumuten?

Die Entwicklung des Gehirns

Das Gehirn entwickelt sich bereits ab der 3. Schwangerschaftswoche und ist bis zur 8. Woche vollständig angelegt.[1] In den ersten zwei Jahren entwickelt sich das Gehirn, indem durch den Bewegungsdrang sensorische Erfahrungen gesammelt und die einzelnen Gehirnbereiche miteinander verknüpft werden. Ein Kind kann die Erfahrungen nicht sammeln, wenn es vor einem Bildschirm sitzt, da das Gesehene flächig ist, wodurch die Sinne nicht benötigt und angeregt werden. Die vielen Eindrücke der Medien führen zu einer Überreizung des Stammhirns, wodurch das Belohnungssystem nicht angemessen reagieren kann. Es kommt zu einer übermäßigen Ausschüttung von Dopamin, durch die bereits Klein- und Grundschulkinder ein Suchtverhalten entwickeln können.

Folgen

Kommt es infolge der Mediennutzung zu einer Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung, kann es zu einer Entwicklungsverzögerung kommen, da der Übergang von Denken und Handeln gestört wurde. Die Mediennutzung hat in den ersten zwei Jahren des Kindes zudem Auswirkungen auf das Spiel- und Bindungsverhalten, wodurch wiederum die psychische Gesundheit des Kindes beeinflusst wird. Kinder brauchen ein Gefühl der Sicherheit beim Spielen. Dies entsteht dadurch, dass die Bezugsperson und das Kind während des Spielens physisch und visuell in Kontakt stehen. Ist dies nicht der Fall, bspw., weil die Bezugsperson mit dem Smartphone beschäftigt ist oder das Kind alleine vor dem Tablet sitzt, verspürt das Kind kein Sicherheitsgefühl und entwickelt ein gestörtes Spielverhalten. Dies hat Folgen für die sprachliche und kognitive Entwicklung.[2]

Übermäßige Bildschirmzeit hemmt die Bildung weißer Substanz im Gehirn und führt zu einer Schädigung der geistigen Entwicklung.[3] Die weiße Substanz besteht aus Nervenfasern, mit denen die Nervenzellen in Verbindung stehen und ist elementar für die Hirnreifung.[4] Die Psychologin M. Bolten der Universitätskinderklinik Basel betont, dass Kinder unter 3 Jahren den grellen Farben, den intensiven Tönen und schnellen Schnitte der Bildabfolgen noch gar nicht folgen und schon längst nicht verarbeiten können. So kann es nicht nur zu einem Suchtverhalten kommen, sondern auch zu Hyperaktivität, Schädigung in der Hirn- und Verhaltensentwicklung, Gedächtnisproblemen und erhöhtem Risikoverhalten.[5] Bei den zwei- bis fünfjährigen, die täglich länger als eine halbe Stunde das Smartphone ihrer Eltern nutzen, kommt es wesentlich häufiger zu Sprachentwicklungsstörungen, Unruhe und motorische Hyperaktivität.[6]

Zudem wirkt sich Medienkonsum auf das Schlafverhalten von Kleinkindern aus, das sich ebenso auf die Gehirnentwicklung auswirkt, da Kleinkinder die Eindrücke des Tages im Schlaf verarbeiten. Zu wenig Schlaf kann daneben zu Beeinträchtigungen des Sehvermögens und der räumlichen Wahrnehmung führen.[7] Auch die parallele Nutzung digitaler Medien während der Betreuung des Kindes kann bei dem Kind Einschlaf- und Bindungsstörungen auslösen.[8]

Empfehlung

Die BZgA empfiehlt für Kinder unter 3 Jahren gar keine Mediennutzung.[9] Auch die WHO hat eine Empfehlung herausgegeben, wonach Babys bis ein Jahr keine Medien nutzen sollten. Kinder ab zwei Jahren sollte pro Tag höchstens eine Stunde vor dem Bildschirm verbringen. Weniger ist hier mehr.[10] Unbedingt verzichtet werden sollte auf Medien im Schlafzimmer[11] sowie während der gemeinsamen Mahlzeiten. Kinder jeden Alters sollten sich vorrangig in der Natur aufhalten, da hier ihre Entwicklung und damit auch ihre Persönlichkeit gefördert wird.[12]

Da Kinder das Verhalten der Eltern imitieren, gehört ein Smartphone während der Wachzeit des Kindes möglichst wenig in die Hände der Eltern. Auch wenn die Bedürfnisse aller Beteiligten gestillt werden wollen, sollten die Bedürfnisse des Kindes Vorrang haben. Nutzen die Bezugspersonen Medien während sie mit ihrem Kind zusammen sind, führt diese Ablenkung dazu, dass das Kind nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Bezugsperson erhält und dadurch eine gestörte Bindung aufbaut. [13]

Fazit

Die Medien beherrschen unseren Alltag. Umso schwieriger ist es, die Mediennutzung so anzupassen, dass sie der Gesundheit noch zuträglich ist. Die Auswirkungen einer geringen Medienkompetenz zeigen sich nicht direkt, umso wichtiger ist es, die Langzeitfolgen zu kennen und sich diese bewusst zu machen. Kleinkinder sind mit der exzessiven Stimulation mit visuellen Reizen maßlos überfordert, Empfehlenswert sind klare Medienzeiten. Diese sollten für sie auch klar und nachvollziehbar begründet sein, damit sie ein Verständnis dafür entwickeln können. Eltern sollten als gutes Beispiel vorangehen, da Kinder das Verhalten der Eltern nachahmen.


Literaturverzeichnis

[1] Vgl. (Neurologen und Psychiater im Netz)

[2] Vgl. (Butzmann, 2020)

[3] Vgl. (Welt, 2019)

[4] Vgl. (Göppel, 2019)

[5] Vgl. (Bruni, 2019)

[6] Vgl. (Ärzteblatt, 2017)

[7] Vgl. (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V., 2016)

[8] Vgl. (Ärzteblatt, 2017)

[9] Vgl. (BZgA, 2019)      

[10] Vgl. (Schau Hin, 2019)

[11] Vgl. (Diagnose:funk, 2018)

[12] Vgl. (Gebhard, 2009, S. 74-75)

[13] Vgl. (Butzmann, 2020)

Beitragsbild: Pixabay.com, Mitglied: Inactive account – ID 46173, 11.11.2021, URL: https://pixabay.com/de/photos/junge-handy-sucht-telefonieren-3360415/