Was ist … WORKING OUT LOUD?

Die Methode Working Out Loud ist eine von den sog. neuen Arbeitsformen und wird zu den kollaborativen Arbeitsformen gezählt. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von John Stepper, das erstmalig 2015 erschien und im Jahr 2020 auch in die deutsche Sprache übersetzt wurde, bezeichnet John Stepper Working Out Loud zusammenfassend als eine einfache Methode, um relevante Beziehungen aufzubauen, die dabei helfen, ein Ziel zu erreichen oder neue Themen zu entdecken.1

Working Out Loud beruht auf den fünf Elementen „Purposeful Discovery“ (zielgerichtetes Entdecken), „Relationships“ (Beziehungen), „Generosity“ (Großzügigkeit), „Visible Work“ (sichtbare Arbeit) und „Growth Mindset“ (wachstumsorientiertes Denken).2

Dabei ist mit zielgerichtetem Entdecken gemeint, den persönlichen Fokus nicht zu verlieren und sich inmitten der Fülle an Informationen, die zur Verfügung stehen, nicht zu verzetteln.

Durch den Aufbau von Beziehungen wird im Austausch mit anderen gelernt. Es werden Beziehungen aufgebaut, die auf gegenseitigem Geben und Nehmen beruhen.

Hierbei kommt auch schon die Großzügigkeit als nächstes Element zum Tragen. Wissen und Erfahrungen werden großzügig geteilt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Großzügigkeit und Freigiebigkeit ist die Basis von nachhaltiger Vernetzung.  

Und wer sein Wissen (auch öffentlich, z.B. in den sozialen Medien) teilt, erhöht seine Reichweite und wird „gesehen“.

Offenheit, Neugier und der Wille, immer wieder dazuzulernen sind die Leitplanken für das wachstumsorientierte Denken, das dem Gedanken von Working Out Loud als fünftes Element zugrunde liegt.

Wie funktioniert Working Out Loud?

Praktisch umgesetzt wird die Methode in einem sog. Working Out Loud-Circle.

12 Wochen

4 – 5 Menschen mit

4 – 5 eigenen Lernzielen

1 Treffen pro Woche für 1 Stunde

4 – 5 Menschen treffen sich 12 Wochen lang für eine Stunde pro Woche und jede/r Teilnehmende bearbeitet das eigene Lernziel mit Hilfe der anderen Circle-Mitglieder. Die Begrenzung auf 4 – 5 Personen sorgt dafür, dass zum einen genug Diversität vorherrscht, zum anderen aber auch der angesetzte Zeitumfang von wöchentlich einer Stunde zum Austausch ausreicht.

Mit Hilfe einer Beziehungsliste werden Beziehungen aufgebaut.

Im Verlauf der zwölf Sitzungen wird nach dem Motto „Learning by Doing“ vorgegangen.

Kurze, praktische Übungen helfen, Verbindungen zu knüpfen und öffnen den Zugang zu Fachwissen und Ideen. Diese kleinen Schritte sorgen dafür, dass Fortschritte gemacht werden und Vertrauen aufgebaut wird. Durch die wöchentlichen Erfolge bleibt die Motivation erhalten.

Der Circle kann sich persönlich oder per Webkonferenz verabreden. Für jede Woche gibt es einen sog. Circle-Guide, der durch das führt, was in der jeweiligen Woche zu tun ist.3

Am Ende der gemeinsamen Zeit sollten alle Teilnehmenden ein größeres, vielfältigeres Netzwerk entwickelt haben, das mit dem jeweiligen Ziel in Verbindung steht. Außerdem ist Ziel eines WOL-Circles, Gewohnheiten und Denkweisen zu entwickeln, die auf jedes beliebige weitere Ziel anwendbar sind.

Wie findet man einen Circle?

Unter https://circlefinder.workingoutloud.com/ kann man sich bestehenden Circles anschließen oder einen eigenen Circle gründen.4

Was passiert in den 12 Wochen eines WOL-Circles?

Woche 1: Fokussiere dich auf dein WOL-Ziel

Nach dem Kennenlernen im Circle setzt sich in der 1. Woche jede/r ein persönliches Ziel. Im Anschluss geht es darum, mit Hilfe einer Liste von persönlich bekannten wie noch unbekannten Kontakten, die mit dem Ziel in Verbindung stehen könnten (beispielsweise, weil sie für eine bestimmte Kompetenz stehen), erste Schritte in Richtung Zielerreichung zu unternehmen.

Woche 2: Biete deine ersten Beiträge an

In Woche 2 werden erste einfache Beiträge für Menschen auf der Beziehungsliste formuliert, um damit die Beziehungen schrittweise zu vertiefen. Die Arbeit mit der Liste lenkt die Aufmerksamkeit weiter auf das Ziel, und dank der kleinen Schritte, die jede Woche gemacht werden, werden Zuversicht und Vertrauen weiter wachsen, um sich in dieser vielleicht ungewohnten Umgebung zu bewegen.

Woche 3: Mach drei kleine Schritte

Diese Woche steht im Zeichen des Zeitmanagements. Darüber hinaus wird weiter an der Beziehungsliste gearbeitet und mit weiteren Möglichkeiten experimentiert, Beiträge zu leisten. Mit diesen kleinen Schritten werden Kompetenzen weiter ausgebaut und der Erfahrungshorizont erweitert.

Woche 4: Mache auf dich aufmerksam

Die Art und Weise, wie man Beiträge in seinem Netzwerk teilt, kann einen großen Unterschied ausmachen. In dieser Woche wird fokussiert an der Formulierung der eigenen Beiträge und Nachrichten gearbeitet bzw. an dem grundsätzlichen Vorgehen in der Begegnung mit Menschen. Die Übungen helfen, Kommunikation persönlicher, wertschätzender und effektiver zu gestalten.

Woche 5: Werde persönlich

Was von unserem Wissen und unseren Erfahrungen ist eigentlich für andere wertvoll? Um dies zu beantworten, dafür fehlt uns oft das Selbstbewusstsein. Die Übungen dieser Woche rufen den Teilnehmenden ins Gedächtnis, welche ihrer  wertvollen Erkenntnisse und Erfahrungen Menschen, die an ihren eigenen Herausforderungen arbeiten, unterstützen können – die beste Grundlage für fundierte Beziehungen!

Woche 6: Verbessere deine Sichtbarkeit

“Glück ist das, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.“ Um die Gelegenheiten für Vernetzung zu erhöhen, geht es in dieser Woche darum, die Online-Präsenz zu verbessern. Im nächsten Schritt wird die verbesserte Sichtbarkeit als Basis für das Vertiefen einer Beziehung genutzt.

Woche 7: Fokussiere auf dein Ziel

Diese Woche wird eine der wirkungsvollsten Übungen des Circles gemacht: „Ein Brief von deinem zukünftigen Ich“. Durch die Formulierung einer langfristigen Vision dessen, was möglich sein könnte, wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass diese Vision Wirklichkeit wird.

Woche 8: Mache WOL zu einer Gewohnheit

Während man sich in den vergangenen sieben Wochen auf sein Ziel und auf die damit verbundenen Menschen und Beiträge konzentriert hat, geht es weiterhin darum, dass dieses Verhalten in Fleisch und Blut übergeht. So mag es bisweilen schwerfallen, Zeit für die Liste oder für Beiträge zu erübrigen. Deswegen steht in dieser Woche der Fokus darauf, die neuen WOL-Gewohnheiten weiter zu verankern, damit diese neue Haltung immer weniger Kraft erfordert und sich immer natürlicher anfühlt. Und es wird einen (weiteren) überraschenden Impuls zu empathischer Kommunikation geben – und damit eine weitere Möglichkeit, sich von anderen zu unterscheiden.

Woche 9: Veröffentliche mehr eigene Beiträge

Inzwischen sollte es gut gelingen, mit veröffentlichten Beiträgen Ideen und Erfahrungen in seinem Netzwerk zu teilen. Doch egal ob dieses offene Teilen von Wissen noch neu oder bereits Routine ist, geht es in dieser Woche darum, einfache, großzügige und nützliche Inhalte zu erstellen.

Woche 10: Werde systematischer

Systematisches Vorgehen dient der Vereinfachung. In dieser Woche wird mit zwei einfachen Systemen gearbeitet: Eines hilft, neue Beiträge zu identifizieren, ein zweites unterstützt, den Überblick über die Beziehungsliste zu behalten. Und man gestattest seinem Netzwerk, eine Seite von sich kennenzulernen, die man womöglich noch nie vorher gezeigt hat: es wird offen gezeigt, dass man etwas nicht weiß und um Hilfe gebeten.

Woche 11: Stelle dir all die Optionen vor

Bis zum heutigen Tag standen vor allem individuelle Beiträge und Beziehungen im Blick. Die Woche 11 eröffnet nun das Sichtfeld auf das gesamte Netzwerk, die eigene Rolle und die Dinge, die man womöglich gemeinsam erreichen kann. Diese Woche enthält auch Impulse, Reflexionen und überraschende Einsichten rund um gute Führung in einem (virtuellen) Netzwerk.

Woche 12: Reflektiere und feiere

Diese abschließende Woche markiert das Ende der Lernreise – und gleichzeitig auch einen Anfang. Im Circle werden die vergangenen Wochen Revue passiert und jede/r beantwortet für sich selbst: Was hat sich verändert und wie geht es in Bezug auf die neuen Gewohnheiten und Fähigkeiten weiter? Und in der letzten Übung geht es schließlich noch einmal um wertschätzende Beiträge – auch an sich selbst.

WOL in Unternehmen

Working Out Loud war ursprünglich für die persönliche Weiterentwicklung im privaten Bereich entwickelt worden. Die Methode hat jedoch als Lernprogramm für Organisationen in Unternehmen Einzug gehalten. Mittlerweile gibt es professionelle Angebote, die durch aktuell 17 zertifizierte „WOL-Coaches“ angeboten werden. Die Coaches können die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden je nach Kundenwunsch bei der Einführung, Umsetzung und Durchführung unterstützen.5


1    Stepper, J. (2020). Working Out Loud. München.

2    https://workingoutloud.com/blog/the-5-elements-of-working-out-loud-revisited. Zugriff am 06.02.2021.

3    https://workingoutloud.com/de/fur-dich. Zugriff am 06.02.2021.

4    https://circlefinder.workingoutloud.com/. Zugriff am 06.02.2021.

5   https://workingoutloud.com/wol-coaches. Zugriff am 06.02.2021.

Titelbild: https://pixabay.com/de/illustrations/gemeinschaft-freunde-globus-988898/. Zugriff am 10.02.2021.