Vergeude keine Krise!

Das Buch „Vergeude keine Krise!“ ist geschrieben worden, um aufzuzeigen, wie eine Krise – aktuell konkret die Coronakrise – genutzt werden kann, um in etablierten Unternehmen bestehende Strukturen aufzubrechen und mutig Neues auszuprobieren. Auch wenn sich niemand eine Krise wünscht, so macht das Buch Mut dazu, sie zu nutzen und sie als Chance für Veränderungen zu verstehen. Der erzwungene Bruch mit den üblichen Routinen und dem Gewohnten kann nach Ansicht der Autor:innen Kräfte für Veränderungen freisetzen. In der Einleitung wird das am Beispiel der Präsenzpflicht verdeutlicht. Digitale Arbeitsformen und -techniken werden zur notwendigen Pflicht für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer:innen, zuhause im Homeoffice zu arbeiten ist nicht mehr länger das Privileg von Einzelnen. Statt klimaschädlicher Geschäftsreisen zu manchmal nur einstündigen Meetings ist jetzt die Videokonferenz der neue Standard.

Viele der Impulse können durchaus auch für die Zeit nach der Coronakrise Gültigkeit behalten, denn sie ist vor diesem Hintergrund vor allem als Brennglas und Verstärker für Veränderungen zu verstehen, die sowieso stattfinden müssen.

Wer sind die Autor:innen?

„Vergeude keine Krise““ erschien im August 2020 im Verlag Rebels at Work Media.1 Die Autor:innen des Buches sind Anja Förster und Dr. Peter Kreuz. Das Autor:innenehepaar ist als Speaker:innen, Autor:innen und Blogger:innen aktiv. Sie sind die Gründer:innen der Initiative „Rebels at Work“, welche sich zum Ziel gesetzt hat, die Mitarbeiter:innen in etablierten Unternehmen dazu zu ermutigen, die Zukunft der eigenen Unternehmen mitzugestalten, Neues auszuprobieren, anstatt auf Erlaubnis zu warten, neue Wege zu beschreiten und wirksame Praktiken zu finden, um den normalen Betrieb zu verändern.2

Was sind die Inhalte?

Anja Förster und Peter Kreuz liefern „28 rebellische Ideen für Führung, Selbstmanagement und die Zukunft der Arbeit“ – so der Untertitel.

Die erste Idee lautet: „Kümmer dich um die Kanarienvögel!“ Was ist damit gemeint? In Krisenzeiten haben Menschen den Drang, „zusammenzurücken“, wie man so schön sagt, sich mehr oder weniger bedingungslos gegenseitig zu unterstützen. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist zwar schön, alle fühlen sich sicher und umsorgt, es birgt jedoch auch Gefahren. Mitarbeiter:innen, die von der Mehrheit abweichende Meinungen vertreten, werden seltener und werden vorschnell als nicht teamfähig abgestempelt. Doch nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch in der sich immer schneller verändernden Arbeitswelt braucht man Mitarbeiter:innen, die „outside of the box“ denken. Das sind die „gelben Kanarienvögel“ – die Querdenker, die „Rebels at Work“. Sie müssen „unter Artenschutz“ gestellt werden, denn sie sollen Vorbilder sein. Durch den offenkundigen Spielraum ohne negative Konsequenzen, den sie für ihre abweichende Meinung erhalten, werden auch die anderen Mitarbeiter:innen ermutigt, nach neuen Ideen und alternativen Wegen zu suchen.

Idee Nr. 5 heißt: „Schluck die rote Pille!“ Im Film „Matrix“ wird der Schauspieler vor die Wahl gestellt, ob er die rote oder die blaue Pille schlucken will. Mit der blauen Pille gelangt er in eine Traumwelt, die ihm allerdings nur vorgespielt wird. Mit der roten Pille werden ihm die Augen für die Welt geöffnet, wie sie in Wirklichkeit ist. Was hat das mit der Arbeitswelt zu tun? Es gibt Chefs, die die Wahrheit nicht hören wollen, vor ihr die Augen verschließen und im schlimmsten Fall ihre Mitarbeiter:innen für vorgebrachte Kritik an der eigenen Person oder dem Vorgehen sogar bestrafen. Das sind die Chefs, die zur blauen Pille greifen, weil sie im Endeffekt nur auf Selbstbestätigung fokussiert sind und in ihrer „Traumwelt“ leben. Vor Problemen, vor Veränderungsbedarf und vor allem, was nicht ins eigene Bild passt, werden die Augen verschlossen. Als Führungskraft, die in der „echten“ Arbeitswelt bestehen und erfolgreich sein möchte – so der Rat der Autor:innen – sollte man aber unbedingt zur roten Pille greifen. Der „Wirkstoff“ in der roten Pille ist der Zweifel. Zweifeln in diesem Zusammenhang bedeutet, zu hinterfragen, kritisch zu sein und sich selbst immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Konstruktive Kritik aus den Reihen der Mitarbeiter:innen soll die Regel, nicht die Ausnahme sein.

„Schluss mit den Superhuhnzuchtstationen“ ist Idee Nr. 12, die sich mit der Frage auseinandersetzt, warum die Zusammenarbeit in manchen Teams ausgezeichnet funktioniert und warum in anderen Teams nicht. Die Antwort liefert ein Experiment mit Hühnern. Die Leistung – gemessen in gelegten Eiern – wird an zwei Gruppen von Hühnern verglichen: die Gruppe der durchschnittlichen Hühner und die Gruppe der Superhühner mit den produktivsten Hühnern, die die meisten Eier legen. Die Gruppe der durchschnittlich produktiven Hühner blieb gesund und leistungsfähig, die Hochleistungshühner verletzten sich gegenseitig oder töteten sich. Das Experiment soll uns davor warnen, unnötige Konkurrenzsituationen zu schaffen. Die Autor:innen vertreten die Auffassung, dass ständiger Konkurrenzkampf der Gruppe als Ganzes schadet. Es werden viele Denkansätze geliefert, wie die Zusammenarbeit und damit Produktivität ohne „Superhuhnzuchtstationen“ verbessert werden kann.

Für wen ist das Buch interessant?

Das Buch ist für Führungskräfte interessant, die sich für moderne Formen der Mitarbeiter:innenführung interessieren.

Es ist meiner Meinung nach aber auch für Mitarbeiter:innen geschrieben. Und zwar für diejenigen, die sich als „Rebels at Work“ verstehen. Das sind diejenigen, die sich von Krisen nicht beirren lassen. Die zu denen gehören, die gestalten und mitwirken wollen und immer auch auf konstruktive Art und Weise den Finger in die Wunden legen. Ich verstehe mich als eine solche Mitarbeiter:in, daher hat mir auch besonders gut die rebellische Idee Nr. 40 – die „Megahits der Bremser“ gefallen.

Jede rebellische Idee kann für sich betrachtet werden. Das Buch ist so konzipiert, dass man sich als Leser:in jederzeit die Idee vornehmen kann, die gerade passend erscheint oder interessant ist. In diesem Buchtipp habe ich drei Ideen herausgegriffen, die mir besonders gut gefallen haben.

Meine drei Lieblingssätze aus dem Buch

„Die Krise ist vor allem auch Brennglas und Verstärker für Veränderung, die ohnehin stattfinden muss.“

„Es heißt nicht Recht zum Widerspruch, es heißt Pflicht zum Widerspruch!“

„Denn ein Unternehmen, in dem sich keiner mehr etwas traut, ist wettbewerbstechnisch gesehen tot.“


1  Förster, A. & Kreuz, P. (2020). Vergeude keine Krise! Heidelberg.

2 https://foerster-kreuz.com/. Zugriff am 17.03.2021.

Titelbild: Das Bild vom Buchcover wurde von den Autor:innen zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.