Sensation Seeking – Auf der Suche nach dem Kick

Sensation Seeking ist eine Art Persönlichkeitsmerkmal, welches je nach Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Es geht zurück auf den Psychologen Marvin Zuckerman,[1] und wurde von ihm wie folgt definiert:

„Sensation Seeking is a trait defined by the seeking of varied, novel, complex, and intense sensations and experiences and the willingness to take physical, social, legal and financial risks for the sake of such experience.“[2]

Eine hohe Ausprägung des Konstrukts beschreibt also die Suche und den Willen nach neuen Erfahrungen und Sensationen, mit der Bereitschaft, dabei Risiken jeglicher Art einzugehen.

 

Sensation Seeking Scale

Für die Einstufung der Ausgeprägtheit des Sensation Seeking von Individuen wurde von Zuckerman die sogenannte Sensation Seeking Scale entwickelt. Diese Skala wird aufgeteilt in vier Dimensionen:

  1. Gefahr- und Abenteuersuche (Neigung zu riskanten, meist sportlichen Tätigkeiten)
  2. Erfahrungssuche (Suche nach Erlebnissen durch Reisen, Kultur und einer Tendenz, den gesellschaftlichen Normen zu entfliehen)
  3. Enthemmung (Neigung zu gesellschaftlich und sexuell enthobenem Verhalten im sozialen Kontext)
  4. Empfänglichkeit für Langeweile (Aversion gegenüber eintönigen, wiederkehrenden Aktivitäten und uninteressanten Personen)[3]

 

Ein 40 Items umfassender Fragebogen dient der Erhebung des Sensation Seekings. Die jeweiligen Items sind den oben genannten Subskalen zuzuordnen,[4] und enthalten je zwei Antwortmöglichkeiten.

Um eine Vorstellung von dem Aufbau der Skala zu vermitteln, werden an dieser Stelle zwei Items, die der Sensation Seeking Scale Form II entstammen, genannt.

 

A: Das wichtigste Lebensziel ist es, das Leben im Vollen auszukosten und so viele Erfahrungen zu machen, wie es nur möglich ist.

B: Das wichtigste Lebensziel ist es, in Frieden und Glück zu leben.

 

A: Mich langweilt es, immer die gleichen, bekannten Gesichter zu sehen.

B: Ich mag die komfortable Vertrautheit meiner Freunde und Bekannten.[5]

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Darstellung eines High Sensation Seekers

Es wird nun versucht, eine Person zu beschreiben, die einen hohen Sensation-Seeking-Wert aufweist.

Zuckerman selbst ist der Meinung, dass High Sensation Seeker in ihrem Leben nur wenig Beständigkeit aufweisen und ihr Leben von Veränderungen geprägt ist.[6] Darüber hinaus werden Sensation Seeker mit einem verminderten Angstempfinden, erhöhter Sensibilität, Aktivität, Impulsivität, sowie Extrovertiertheit in Verbindung gebracht.[7]

Studien weisen zudem darauf hin, dass Sensation Seeking alle Ebenen des Lebens betrifft, sich erstreckend von vollständiger Hingabe für riskante Sportarten und Fahrverhalten, über Musik, Kunst, Ernährung und Unterhaltung, bis hin zur Berufswahl, sozialem Verhalten und vielem mehr. Hinzu kommt eine höhere Affinität zu legalen, sowie illegalen Drogen.[8]

Neben Eigenschaften, wie Risikobereitschaft, leidenschaftlicher Hingabe und Impulsivität, wird High Sensation Seekern die ständige Suche nach neuen Erfahrungen und auch Inzentiven zur Aufrechterhaltung des erstrebten Stimulationsniveaus nachgesagt.[9]

Wie weiter oben bereits beschrieben, erfolgt die Bewertung eines Sensation Seekers mit Hilfe von vier Subskalen. Ein High Sensation Seeker hat demzufolge hohe Werte in den jeweiligen Dimensionen.

 

Ausblick und Potentiale des Konzepts

Aufgrund der Affinität zwischen Sensation Seeking und dem Drogenkonsum, sowie der Risikobereitschaft im Allgemeinen sollten zukünftige Forschungsarbeiten die Potentiale für die Prävention und Gesundheitspsychologie tiefgehender erforschen. Selbstverständlich liegt in diesem Bereich bereits einiges an Forschung vor, jedoch wurde es bisher in der Gesundheitspsychologie nur wenig angewandt.[10]

Da eine umfassende Darstellung bereits angewandter und möglicherweise nützlicher Methoden zur Integration des Sensation Seekings in die Gesundheitspsychologie diesen Artikel sprengen würde, sei an dieser Stelle lediglich auf weitere Literatur verwiesen.

Zuckerman zum Beispiel widmet dem Thema Prävention und Behandlung riskanten Verhaltens im Zusammenhang mit Sensation Seeking in dem von der American Psychological Association veröffentlichten Buch „Sensation Seeking and risky behavior“ ein eigenes Kapitel. Dieses vermittelt einen umfassenden Einblick in die Prävention riskanten Verhaltens und liefert auch einige Handlungsempfehlungen für die Behandlung eines Suchtproblems. Dabei stellt er ebenfalls Präventions- und Behandlungsmethoden, die für High Sensation Seeker geeigneter sind, den für Low Sensation Seekern üblichen Methoden gegenüber.[11]

 

Quellenverzeichnis

[1] Vgl. Roth, M./Hammelstein, P: 2003, S.1.

[2] Zuckerman, M.: 1994, S.27

[3] Vgl. Hogrefe (25. Februar 2017), https://portal.hogrefe.com/dorsch/de/startseite/.

[4] Vgl. Beauducel, A./Brocke, B.: 2003, S.97ff.

[5] Vgl. Zuckerman, M./Kolin, E.A./Price, L./Zoob, I.: 1964, S.477-482.

[6] Vgl. Zuckerman, M.: 1994, S.374.

[7] Vgl. Zuckerman, M./Link, K.: 1968, S.421.

[8] Vgl. American Psychological Association (25. Februar 2017), http://www.apa.org/index.aspx.

[9] Vgl. Lexikon Stangl (26. Februar 2017), http://lexikon.stangl.eu/.

[10] Vgl. Schumacher, J./ Hammelstein, P.: 2003, S.138.

[11] Vgl. Zuckerman, M.: 2007, S.203ff.

 

Abbildungsverzeichnis

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Literatur

  • Beauducel, A./Brocke, B. (2003), Sensation Seeking Scale – Form V. Merkmale des Verfahrens und Bemerkungen zur deutschsprachigen Adaption. In: Roth, Marcus/Hammelstein, Phillip (Hrsg.), Sensation Seeking – Konzeption, Diagnostik und Anwendung, Göttingen u.a.
  • Munsey, C. (2006), Frisky, but more risky. High sensation-seekers‘ quest for new experiences leads some to the high-stress jobs society needs done but makes others vulnerable to reckless behavior., Monitor on Psychology, Nr. 37, S. 40.
  • Roth, M./Hammelstein, P. (2003), Einleitung. In: Roth, Marcus/Hammelstein, Phillip (Hrsg.), Sensation Seeking – Konzeption, Diagnostik und Anwendung, Göttingen u.a.
  • Schumacher, J./Hammelstein, P. (2003), Sensation Seeking und gesundheitsbezogenes Risikoverhalten. Eine Betrachtung aus gesundheitspsychologischer Sicht. In: Roth, M./Hammelstein, P. (Hrsg.), Sensation Seeking – Konzeption, Diagnostik und Anwendung, Göttingen u.a.
  • Zuckerman, M. (1994), Behavioral expression and biosocial bases of sensation seeking, Cambridge u.a.
  • Zuckerman, M. (2007), Sensation seeking and risky behavior, Washington, DC.
  • Zuckerman, M./Kolin, E. A./Price, L./Zoob, I. (1964), Development of a sensation-seeking scale, Journal of Consulting Psychology, 28. Jg., Nr. 6, S. 477–482.
  • Zuckerman, M./Link, K. (1968), Construct validity for the Sensation-Seeking Scale, Journal of Consulting and Clinical Psychology, 32. Jg., Nr. 4, S. 420–426.

 

Internetquellen

  • Häcker, H. O. (2014), Sensation-seeking, in: https://​portal.hogrefe.com​/​dorsch/​sensation-seeking/​, abgerufen am 25. 2. 2017.
  • Stangl, W. [1]o.J., Sensation Seeking, in: http://​lexikon.stangl.eu​/​1198/​sensation-seeking/​, abgerufen am 26. 2. 2017.

References

1 o.J.