Morde – Opfer und Täter reduzieren

Das Ausmaß der Waffengewalt in den USA bekamen viele Menschen durch die Ermordung bekannter Rapper mit. So haben die Tode von 2Pac, The Notorious BIG oder XXXTentacion eine große Anzahl von Fans schwer erschüttert.

Überblick über das Thema „Morde“

Morde geschehen allerdings nicht nur in den USA oder durch Schusswaffen (siehe Abb. 8). 2017 geschahen 173.471 in den USA und 463.821 weltweit (Seguridad, 2021). Der Anteil der Morde in den USA verteilt sich zu 54 % auf Schusswaffen, 22 % auf scharfe Gegenstände und 24 % auf sonstige Mechanismen (UNODC, 2019, S. 19) Insbesondere in den USA, aber auch weltweit, sind junge Menschen zwischen 15 und 29 sowohl auf der Seite des Täters als auch auf der des Opfers vermehrt zu finden (UNODC, 2019, S. 23). Als Grund dafür kann der frühe Bezug zu Gangs und weiterer organisierter krimineller Gruppen angesehen werden, aufbauend auf dieser Tatsache beschäftigt sich dieser Beitrag mit den Möglichkeiten, die Anzahl der Morde zukünftig zu reduzieren. Dabei sollen grundlegende Faktoren genannt werden, welche dieses Ziel unterstützen.

Abbildung 8: Statistiken zum Thema Mord (Quelle: eigene Darstellung)

Reduzierung der Mordraten

Die UNODC (2019, S. 8ff) nennt dabei unter anderem folgende Punkte:

Zum einen haben die Rahmenbedingungen eines jeweiligen Staates eine große Auswirkung auf die Menge an Morden. Generell trägt Armut einen großen Teil zu Gewalttaten und Morden bei. Das ist insbesondere bei starken Differenzen von Vermögen und Einkommen zwischen Teilnehmern einer Gesellschaft der Fall.  Hierbei müssen die Menschen möglicherweise auf illegale Tätigkeiten zurückgreifen, um ihr Überleben zu sichern. Damit einhergehen dann Verbindungen zu kriminellen Gruppierungen. Wird weniger Geld in die Hand genommen, um die Gesetze eines Staates durchzusetzen, sind Menschen Gewalt und deren Folgen stärker ausgesetzt. Selbiges gilt für ein mangelndes Gesundheitswesen, bei dem Opfer von Gewalt auf Unterstützung zurückgreifen können.

Eine weitere wichtige Rahmenbedingung stellt der Zugang zu Bildung dar. Mangelnde Bildung ist ein klarer Risikofaktor für Gewalttaten, bis hin zu Morden (WHO, 2019, S. 2). Die daraus resultierende Perspektivlosigkeit ermöglicht vermutlich eher einen Zugang zu kriminellen Aktivitäten und Gewalt (UNODC, 2019, S. 9).

Besteht in einem Staat bereits ein hohes Level an Gewalt und Morden, werden dadurch wiederum Kosten verursacht, die sich auf die zukünftige Umsetzbarkeit von Präventionsmaßnahmen auswirken. Als Folge kann weniger Hilfe durch Sozial- und Gesundheitswesen angeboten werden.

Das Polizeirevier Richmond hilft aus

Das Polizeirevier in Richmond hat unter anderem folgende Ansätze gewählt, um die Anzahl der lokalen Morde zu reduzieren (Justice Research Departement, 1997, S. 7).

Dabei wurde in erster Linie der Blickwinkel auf Morde verändert. Anstatt lediglich den Einzelfall zu betrachten, wurden zusätzlich Rahmenbedingungen betrachtet. Außerdem wurden Morde eher als Folge von Gewalt gesehen. Ziel war es also, die Rahmenbedingungen für Entstehung und Aufrechterhaltung von Gewalt zu verändern. Hauptsächlich wurde sich diesbezüglich auf junge Leute konzentriert, da vor Ort besonders junge Leute Täter und Opfer von Gewalt und Morden waren. Folgende Maßnahmen wurden ergriffen (Justice Research Departement, 1997, S. 11f):

Um jungen Menschen eine Perspektive zu bieten, wurden in Computerzentren grundlegende Fertigkeiten für Bewerbungen vermittelt und Hilfe bei der Jobgewinnung zu leisten. Obendrein wurde die Zusammenarbeit von Polizei und Schulen gewährleistet. So konnten Polizisten in direktem Kontakt mit jungen Menschen den Umgang mit Drogen, Gangs und Kriminalität behandeln. Ein Polizist sollte vor Ort stets nach dem Rechten sehen.

In Zusammenarbeit mit dem Jugendgericht sollten Fälle anders angegangen werden, indem die Prävention weiterer krimineller Tätigkeit im Vordergrund stand. Zwischen 2004 und 2018 konnten die Mordraten in Richmond signifikant reduziert werden. Dabei kann natürlich keine klare Aussage darüber getroffen werden, ob dies an den beschriebenen Veränderungen liegt. Hier müssten also weitere Studien folgen.

Ausblick

Dennoch zeigen Statistiken, dass junge Menschen in entsprechendem Umfeld besonders gefährdet sind. Insbesondere Bildung und Wohlstand spielen dabei eine wichtige Rolle. Hauptsächlich in Risikogebieten für Kriminalität und Mord sollte bestmöglich versucht werden, jungen Menschen eine Perspektive zu kriminellen Aktivitäten zu bieten. Das sollte von den Rahmenbedingungen bestmöglich unterstützt werden. Statt lediglich mit Strafen zu reagieren, bietet sich eine Zusammenarbeit zwischen Gesetzeshütern und (potenziellen) Kriminellen an.

Literatur

Justice Research Department (1997). Strategies for Reducing Homicide: Strategies for Reducing Homicide: The Comprehensive Homicide Initiative in Richmond, California.

Federal Bureau of Investigation (2022). Richmond VA Crime Rate 1999-2018 Zu finden unter: https://www.macrotrends.net/cities/us/va/richmond/crime-rate-statistics

UNODC (2019). Anzahl der Mordopfer weltweit nach Regionen im Jahr 2017 [Graph]. In Statista. Zugriff am 27. April 2022, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1025437/umfrage/anzahl-der-mordopfer-weltweit-nach-regionen/

UNODC (2019). Global Study on Homicides. Executive Summary, Vienna. Zu finden unter:

https://www.unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/global-study-on-homicide.html

World Health Organization (‎2019)‎. School-based violence prevention: a practical handbook. World Health Organization

Bildnachweis:
Dan (2020). Stainless-steel knife on black surface. Unsplash, zu finden unter:

https://unsplash.com/photos/yypwvERG6XM