Fernstudium: Fluch oder Segen?

Per Fernstudium seine berufliche Zukunft auszubauen ist lange keine Seltenheit mehr. Im Gegenteil, die Anbieter- sowie die Studienteilnehmerzahlen steigen stetig (Scherenberg/Buchwald, 2016, S. 7). „Jede/r vierte HochschulabsolventIn ist FernstudentIn. […] Die Erfolgsquote im Fernstudium beträgt durchschnittlich 70%, was sicherlich auch auf das flächendeckende Netz an Konsultationsstellen zurückzuführen ist“ (Tippelt/ von Hippel, 2018, S. 69). Allein die Tatsache, dass die Fernuniversität Hagen in einem Ranking über Hochschulen mit den meisten Studierenden in ganz Deutschland zum jetzigen Wintersemester 2020/2021 mit 68.979 Studenten an erster Stelle steht, spricht für sich (Statistisches Bundesamt, 2021).

Es drängen sich jedoch die Fragen auf wie: Sind die Qualität der Inhalte und des Abschlusses vergleichbar mit einem Präsenzstudiengang? Ist ein Fernstudium mit dem Berufsalltag vereinbar? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein Fernstudium erfolgreich zu beenden?

Auf diese und weitere Überlegungen werde ich im Folgenden näher eingehen.

Vergleichbarkeit: Vorteile & Herausforderungen

Ein Fernstudium, welches nebenberuflich absolviert wird, ist definitiv nicht mit einem Präsenzstudium vergleichbar. Durch die Doppelbelastung stehen einem extra Herausforderungen bevor, jedoch bietet das Fernstudium auch einige Vorteile, die es wiederrum besonders attraktiv werden lassen (Scherenberg/Buchwald, 2016, S. 6).

Zu den möglichen Herausforderungen eines Fernstudiums gehören unter anderem eine mögliche soziale Isolation (welche allerdings auch von der Person selbst abhängt), fehlende Präsenzseminare (in solcher Häufigkeit, wie es bei einem Präsenzstudium der Fall ist), eine neue Lernsituation und damit einhergehende Ängste, hohe Studiengebühren (die jedoch auch in einem Präsenzstudium anfallen können, welche weniger Raum für Nebentätigkeiten bieten), weniger Zugriff auf Fachliteratur (in der Vergangenheit, heute jedoch ein durch Online – Bibliotheken entkräftetes Argument). Zu guter Letzt wird eine verminderte Akzeptanz des Studiums bei zukünftigen Arbeitgebern angegeben, was jedoch ebenso wie einige der vorherigen Punkte revidiert werden kann. Mittlerweile schätzen Arbeitgeber sogar die besonderen Qualitäten wie Belastbarkeit, oder Selbstdisziplin von Fernstudierenden besonders (Scherenberg/Buchwald, 2016, S. 8-10).

Nachdem die vermeintlichen Herausforderungen bereits zu großen Teilen entkräftet worden sind, folgen nun ein paar eindeutige Vorteile eines Fernstudiums. Einer der wahrscheinlich eindeutigsten Pluspunkte ein Fernstudent zu sein, ist die zeitliche und auch räumliche Unabhängigkeit, was dazu führt, dass praktisch von überall und zu jeder Zeit (nach den individuellen Vorlieben) gelernt werden kann. Darauf aufbauend sind zudem auch die Faktoren Selbstbestimmtheit, Flexibilität und vollkommene Autonomie zu erwähnen, denn kein Studium bietet so viele Freiheiten wie diese Form der Weiterbildung. Als letzter Vorteil wird, wie oben bereits angeschnitten, noch einmal der Zugriff auf ein sehr umfangreiches Netzwerk von beispielsweise Expertenwissen über den Online-Campus hingewiesen (Scherenberg/Buchwald, 2016, S. 10-11, Gloerfeld, 2020, S. 17).

Vereinbarkeit

Ein Studium neben dem Job erfolgreich zu beenden ist wahrscheinlich unschwer als große Herausforderung erkennbar. Der Faktor Stress und Stressmanagement spielen eine entscheidende Rolle, um dieses Ziel zu erreichen. Ein Fernstudium fordert ein hohes Maß an Selbstmotivation, -organisation und Willen, um erreicht werden zu können. Dennoch ist es nicht unmöglich und dank unterschiedlicher Angebote der Fernuniversitäten besteht zudem auch die Möglichkeit das Studium in Teilzeit zu absolvieren, um den Druck herauszunehmen.

Wie sich nun das (Vollzeit-) Studium und der (Vollzeit-) Beruf einer höheren Vereinbarkeit erfreuen können wird im nächsten Punkt etwas genauer beleuchtet.

Voraussetzungen & (Selbst-) Organisation

Nicht nur der Studierende selbst, sondern auch die Fernuniversität nimmt in diesem Punkt einen entscheidenden Stellenwert ein. Die Anforderungen an die Uni beispielsweise möglichst hohe Flexibilität, Mobilität und einen realistischen Lernaufwand zu bieten, stellen auch diese Partei vor eine Herausforderung (Papmehl/Tümmers, 2013, S. 121). Je besser das Konzept der Hochschule, desto besser ist die Ausgangssituation für den Studierenden. Dennoch gilt, egal wie gut die Universität organisiert ist, der Erfolg steht und fällt mit dem Studierenden. Je weniger Zeit dieser hat, desto besser muss der Tag durchgeplant sein.

Um Stress im Fernstudium so gut es geht vorzubeugen sollten Stressoren – insofern bekannt – gezielt vermieden und eingedämmt werden. Dies erreicht man durch eine realistische Erwartungshaltung (positive Einstellung im inneren), gute Kommunikation (Empathie in zwischenmenschlichen Konversationen), gute und sinnvolle Zeitplanung (Prioritätensetzung), gesunder Lebensstil (ausreichend Schlaf/ Erholung, Bewegung, Ernährung, etc.), Stabilität im sozialen Umfeld (Rückhalt und Unterstützung) und zu guter Letzt durch die erfolgreiche Umsetzung gesteckter Ziele (Selbstmanagement-fähigkeit) (Scherenberg/Buchwald, 2016, S. 76-77).

Fazit

Ein Fernstudium ist nicht für jedermann geeignet, beziehungsweise nicht jeder ist bereit diese Doppelbelastung zu tragen, jedoch sollte deutlich geworden sein welche Vorzüge ein Fernstudium mit sich bringt. Auch die Herausforderungen und Bedenken der Allgemeinheit sollten durch die obigen Ausführungen zu einem großen Teil entkräftet worden sein.

Letzten Endes muss jede Person für sich entscheiden, wo die Prioritäten liegen sollen und was von der Studienorganisation erwartet wird. Eines ist jedoch mehr als klar herausgekommen: Mit der richtigen Strategie und einer Portion Selbstdisziplin ist jeder im Stande ein Fernstudium erfolgreich zu absolvieren.


Literatur

Gloerfeld, C. (2020), Auswirkungen von Digitalisierung auf Lehr- und Lernprozesse. Didaktische Veränderungen am Beispiel der FernUniversität in Hagen, 1. Auflage, Wiesbaden.

Papmehl, A./ Tümmers, H. J. (Hrsg.) (2013), Die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert. Herausforderungen, Perspektiven, Lösungsansätze, 1. Auflage, Wiesbaden.

Scherenberg, V./ Buchwald, P. (2016), Stressmanagement im Fernstudium. Ein Praxisratgeber für nebenberuflich Aktive, 1. Auflage, Wiesbaden.

Statistisches Bundesamt. (5. August, 2021). Ranking der Hochschulen mit den meisten Studierenden in Deutschland im Wintersemester 2020/2021 [Graph]. In Statista. Zugriff am 27. Oktober 2021, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1270537/umfrage/hochschulen-meiste-studierende/

Tippelt, R./ von Hippel, A. (Hrsg.) (2018), Handbuch Erwachsenenbildung/ Weiterbildung, 6., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Wiesbaden.

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/photos/b%c3%bccher-studieren-literatur-lernen-2158737/