Durch Coaching mehr Zufriedenheit in Pflegeberufen

Die Coaching – Branche verzeichnet seit Jahren einen Zuwachs von etwa 5 – 10 % (Tendenz steigend) auch in Krankenhäusern werden Supervisionen und Coaching immer mehr in den Alltag integriert.[1] Coachings können in den verschiedensten Bereichen des Krankenhauses Anwendung finden. So kann dem Oberarzt geholfen werden, sein Stress- und Projektmanagement besser zu planen, während Pfleger lernen können mit Patienten besser umzugehen und Erfahrungen zu verarbeiten. Auch in der Therapie von Patienten werden Patienencoachings immer beliebter![2]

Projekt: Pflegende coachen Pflegende von der Universitätsklinik Regensburg

Bei diesem besonderen Projekt coachen erfahrene Kolleg:innen andere Pfleger:innen. So soll vor allem das bestmögliche persönliche und berufliche Potenzial eines jeden einzelnen hervorgebracht werden. Nachdem die Pflegebranche wachsende Personalprobleme zu kämpfen hat, kann diese Coaching-Initiative dazu beitragen Fluktuationen entgegenzuwirken. Ratschläge und Verständnis symbolisieren Solidarität und unterstützen auch in herausfordernden Zeiten das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Umsetzung des Projekts

Zu Beginn haben Praxisleiter:innen und Mentor:innen eine Coaching-Ausbildung absolviert. Die erlernten Coaching-Techniken fanden dann einerseits direkt zu Beginn bei Einarbeitungsprozessen neuer Arbeitskolleg:innen und andererseits in Kolleg:innengruppen Anwendung. Einige Coaches entwickelten sogar eigene Konzepte, um ressourcen- und lösungsorientierte Beratung anzubieten.

Das Coaching findet in einem vertrauten Umfeld statt. Es ist für die Pfleger:innen kostenlos und kann sogar als Fortbildung angerechnet werden. Vorgesehen sind vier Beratungstermine zu je 90 Minuten.[3]

Im Coaching-Prozess soll Raum für eine Selbstreflexion, Perspektivwechsel, Ressourcenanalyse und Zukunftsplanung gegeben werden. Dafür nimmt der Coach die Position als Prozessbegleiter an und gibt Denkanstöße sowie methodische Unterstützung.

Dieses Projekt zeigt ein anschauliches Personalentwicklungs-Tool und kann zudem eine Teamfördernde Wirkung haben und das individuelle Wohlbefinden und Resilienz stärken.

Coaching-Methoden

Zum Einsatz könnten bspw. Coaching-Tools wie das ,,4R-Modell‘‘ kommen. Dieses Tool kann dem Pfleger bspw. einen besseren Überblick über seine aktuelle Situation geben.

Das Modell wurde von Robert Logan für den Coaching-Prozess entwickelt und setzt sich aus vier Kernelementen des Coachings zusammen:

1. Reflect – Reflektiere

2. Refocus (Neuausrichten)

3. Resources (Ressourcen)

4. Relate (Coachingbeziehung)

Dieses Tool ist vor allem zu Beginn eines Coaching sehr hilfreich, um einen Rahmen und ersten Überblick zu gewissen. Es eignet sich sehr gut, um mit anderen Methoden komibiniert zu werden. Andere Coaching – Methoden sind bspw. das Stärke-Schwächen Quadrat oder das ,,Grow-Modell‘‘ indem es wortwörtlich um das persönliche ,,Wachsen‘‘ geht.[4]

Ausblick

Die Fluktuation und auch der angespannte Arbeitnehmer:innen-Markt zeigen Personaler:innen deutlich auf, dass ein Wandel, vor allem in der Pflege, stattfinden muss. Das psychische Wohlbefinden und der persönliche Umgang mit den Schicksalen der einzelnen Patienten kann sehr herausfordernd sein. Des Weiteren sind die Arbeitsunfähigkeitstage in der Gesundheits- und Sozialbranche wegen Depressionen und Burn-out Erkrankungen mit insgesamt etwa 430 Erkrankten je 1000 Mitglieder sehr hoch und zeigt die Dringlichkeit einer psychischen Unterstützung.[5]

Das Konzept ,,Pfleger coachen Pfleger‘‘ bietet eine hervorragende Möglichkeit, sich untereinander weiterzuhelfen und auch in schwierigeren Zeiten in der Belegschaft eine Stütze zu finden. Schlechte Arbeitsbedingungen und ein belastendes Umfeld können die Arbeit in der Pflege umso mehr erschweren. Daher sind Coaching Konzepte in Kliniken und Pflegehäusern ein guter Anfang, besser mit den jeweiligen Schicksalen umzugehen. 

Fazit

Zusammenfassen lässt sich sagen, dass Coaching ein großes Potenzial hat, auch in Krankenhäusern Anwendung und gelungene Umsetzung zu finden. Es ist jedoch wichtig an dieser Stelle zu sagen, das Business-Konzepte, die vor allem auf Manager:innen angepasst sind, nicht 1:1 auf die Situation und das Personal in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen übertragen werden können, da diese Branche mit anderen alltäglichen Herausforderungen konfrontiert wird.  

Literatur- und Quellenverzeichnis

  • BKK Dachverband. (9. Juli, 2015). Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von Depressionen und Burn-out-Erkrankungen in Deutschland nach Wirtschaftsbranchen im Jahr 2013 (AU-Tage je 1.000 Mitglieder*) [Graph]. In Statista. Zugriff am 21. Dezember 2021, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/446038/umfrage/au-tage-aufgrund-von-depression-und-burn-out-nach-branchen/
  • Dittrich, M. (19.05.2015) Pflegende coachen Pflegende (BECI) – abrufbar unter http://www.pflege-krankenhaus.de/lebensphasengerechtes-arbeiten/modelle-im-ueberblick/universitaetsklinikum-regensburg-pflegende-coachen-pflegende-beci.html , zuletzt abgerufen am 21.12.2021
  • Hoffmann, L. (27.10.2017) Personalcoaching in der Klinik – abrufbar unter https://www.healthrelations.de/coaching-an-kliniken/, zuletzt abgerufen am 21.12.2021
  • Knopf W. (2009) Supervision und Coaching im Krankenhaus. In: Pühl H. (eds) Handbuch Supervision und Organisationsentwicklung. VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-531-91556-2_20
  • Mikisek, I. (2015) Studienbrief: Patientencoaching, 1. Auflage, SRH Fernhochschule, Riedlingen 

[1] Vgl. Hoffmann (27.10.2017)

[2] Vgl. Knopf (2009) S. 339-340

[3] Vgl. Dittrich (19.08.2015)

[4] Vgl. Mirisek (2015) S. 38

[5] Vgl. BKK Deutschland (2013)