Der Kletterpark als Teambuilding Event?

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Heutzutage ist das Arbeiten im Team in der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken.

Wenn Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen, Charakteren sowie Einstellungen aufeinander treffen, sind zwischenmenschliche Probleme unvermeidlich. Diese zeigen sich am Arbeitsplatz vor allem dann, wenn interne Arbeitsprozesse nicht funktionieren und das Zusammenspiel der Gruppe im täglichen Arbeitspensum nicht optimal stattfindet. Häufig liegen die Probleme in der fehlenden Selbstorganisation des Teams. Wer ist für welche Aufgaben verantwortlich? Gibt es strukturelle Prozessabläufe bei der Bearbeitung von Aufgaben? Wer übernimmt die Kommunikation bei Problemen?

All diese offenen Fragestellungen führen zur Disharmonie, die Abläufe behindern und folglich das Arbeitstempo reduziert, was sich negativ auf das jeweilige Unternehmen auswirken könnte.

Wie also kann man die Zusammenarbeit eines Teams stärken?

Ein oft vorgeschlagener Teamevent, um den „Teamspirit“ zu steigern und mögliche Probleme zu beheben, ist der Kletterpark. Die Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen, Rücksichtnahme sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl sollen dadurch gestärkt werden.

Doch können Probleme tatsächlich so einfach gelöst werden? Werden dadurch interne Spannungen beseitigt?

Auf Anhieb eine Antwort zu finden, stellt sicherlich eine Herausforderung dar. Betrachtet man allgemein die Vorteile der kommerziellen Teambuilding Maßnahme „Kletterpark“ muss einerseits erwähnt werden, dass dadurch eine bereits gut funktionierende Gruppe noch mehr gestärkt werden kann. Andererseits wird dadurch auch die Arbeitsleistung der Mitarbeiter seitens des Unternehmens gewürdigt.

Bezogen auf die Ausgangsfragen ist es allerdings fragwürdig, ob das jährliche Event als Intervention die Teamarbeit längerfristig positiv beeinflussen sowie die Mitarbeiter vollständig motivieren kann oder ob präventive Maßnahmen zur Förderung der Teamfähigkeit nicht sinnvoller wären. Aus Sicht der Organisatoren mag erstere Aussage der richtige Weg sein. Allerdings zeigt nicht jeder Mitarbeiter die nötige Motivation für solch ein Event.

Dennoch, harmonische Gruppen tauschen ihr Wissen miteinander aus, profitieren voneinander und können so den Anforderungen der täglichen Arbeitsaufgaben besser gerecht werden. Die daraus resultierende schnellere Bearbeitung der Aufgaben ist für das Unternehmen sehr profitabel, da in weniger Zeit mehr Aufgaben erledigt werden.

In diesem Beitrag sollen die positiven und negativen Seiten des Events beleuchtet werden und mögliche Alternativen zur Konfliktbewältigung innerhalb eines Arbeitsteams aufgezeigt werden.

 

Mit welchen Zielen werden Teamevents verfolgt?

Durch ein Teamevent soll sowohl das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt als auch das „Sich-Kennenlernen“ außerhalb der Arbeit gefördert werden. Viele Menschen verhalten sich oder agieren als Privatperson anders, als in der Rolle des Arbeitnehmers. Gerade bei solchen Events, die meist eine lockere Atmosphäre mit sich bringen, können sich die  Kollegen von ihrer Rolle lösen und ganz sie selbst sein. Ohne jeglichen Termindruck und Stress zeigen sich dabei andere Wesenszüge einer Person.

Zudem bieten Teamerlebnisse die Möglichkeit über aktuelle Bereichs-, Firmen- oder Teamsituationen, deren Entwicklung und mögliche Probleme in einer anderen Umgebung zu reden.

Das langfristige Ziel ist die Entwicklung eines „Wir-Gefühls“ innerhalb eines Arbeitsteams. Denn gut funktionierende Teams können auf Veränderungen im Arbeitsalltag flexibler reagieren. Sie werden ihr Wissen miteinander teilen, arbeiten selbstständiger und sind innovativer und produktiver als einzelne Mitarbeiter.

Nun stellt sich die Frage, ob der Kletterpark auf bei konfliktgeladenen Teams diesen Ansprüchen gerecht wird.

In den Kletterpark gehen und womöglich als Führungskraft noch zu sehen müssen, wie sich das Team gegenseitig in den Seilen hängen lässt?

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Konfliktgeladene Teams brauchen den Dialog. Sie müssen sich austauschen können. Sie müssen ihre Wünschen, Bedürfnisse und Probleme im Team besprechen können. Sie brauchen DIE Führungskraft, die es versteht, Konflikte richtig anzugehen.

Dabei gilt es die Probleme konstruktiv sowie sachlich zu hinterfragen:

  1. Was ist zu klären?
  2. Worum geht es eigentlich?
  3. Welche Entscheidungen sind zu treffen?
  4. Wer braucht den Rat?

 

Doch welche Alternativen gibt es?

Derzeit gibt es auf dem Markt eine Vielzahl von Angeboten, die versprechen, Problematiken innerhalb eines Teams zu lösen und zu bearbeiten. In diesem Artikel möchte ich mich jedoch auf eine beschränken.

Konfliktmanagement

Bevor das Konzept des Konfliktmanagements näher betrachtet werden soll, ist zu klären, was unter einem Konflikt zu verstehen ist.

Der Konflikt beschreibt sich als eine Spannungssituationen, die zwischen zwei oder mehreren Personen herrscht und bei der es zur Eskalation führen kann. Stets zu beachten sind bei Konflikten der inhaltliche Aspekt sowie die Emotionen der beiden Parteien.

Das Konfliktmanagement versucht einerseits Eskalationen zu vermeiden und andererseits bestehende Konflikte zu verstehen sowie zu beraten. Die Führungskraft des betroffenen Teams entscheidet dabei selbst, ob sie diese Aufgabe übernehmen möchte oder ob sie sich externe, speziell ausgebildete Berater zur Unterstützung hinzuziehen möchte. Diese Entscheidung ist sicherlich abhängig von der Problematik, sowie von den Führungskompetenzen der jeweiligen Person.

Anhand der neun Eskalationsstufen werden aktuelle Spannungssituationen enigeordnet, bewertet und versucht zu lösen.

Die neun Eskalationsstufen im Überblick:

  1. Verhärtung
  2. Debatte
  3. Taten statt Worte
  4. Soziale Ausweitung
  5. Gesichtsverlust
  6. Drohstrategien
  7. Begrenzte Vernichtungsschläge
  8. Zersplitterung
  9. Gemeinsam in den Abgrund

 

Zur Lösung der Problematik werden Methoden wie Mediation, Moderation, Coaching (Einzel oder in der Gruppe), Teamentwicklungsmaßnahmen oder Supervisionen angewandt. Wie schon anfangs erwähnt, können Experten von außerhalb zurate gezogen werden.

Fakt ist, was für ein Team gut ist und wie Probleme gelöst werden, ist die Aufgabe der Führungskraft. Sie muss die Dynamik des Teams und jeden Einzelnen so gut kennen, um zu erkennen, welche Methoden oder Events angebracht sind, damit die Harmonie im Team wieder hergestellt wird.

 

Fazit

Somit kann der Kletterpark als Intervention für kleinere Schwierigkeiten im Team oder als Abwechslung zum Arbeitsalltag eine förderliche Maßnahme sein.

Für die längerfristige Verbesserung des Arbeitsklimas innerhalb eines Teams sind sicherlich oben genannte Strategien als präventive und problemlösungsorientierte Maßnahmen durch die Führungskraft einzusetzen, um Konflikte rechtzeitig zu erkennen und den Umgang mit Problemen im Team nachhaltig verbessern zu können.

 

 

 

Literautur

https://portal.hogrefe.com/dorsch/konflikt-sozialer/ (3.11.2016)

http://www.duden.de/rechtschreibung/Konflikt (3.11.2016)

Jiranik, H./ Edmüller, A.: Konflikmanagement. Konflikten vorbeugen, sie erkenne und lösen. 4. Auflage. Freiburg. 2015. S. 48ff.

Dittrich-Brauner, K./ Dittmann, E./ List, V./ Windisch,C.: Großgruppenverfahren. Lebendig lernen. Veränderungen gestalten. Heidelberg. 2008, S. 214.

Weh, S./ Enaux, C.: Konfliktmanagement. Konflikte kompetent erkennen und lösen. 4. Auflage. München. 2008. S. 40.

Anita von H.: Professionelle Konfliktlösung: Führen mit Mediationskompetenz. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Frankfurt/Main. 2008. S. 10.

Proksch, S.: Konfliktmanagement im Unternehmen: Mediation und andere Methoden für Konflikt-und Kooperationsmanagement am Arbeitsplatz. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Heidelberg. 2014. S. 8.

 

Bildquelle

https://pixabay.com/de/kletterhelme-kletterausr%C3%BCstung-486644/

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