Depressionen bei Kindern und Jugendlichen – 2 Jahre Pandemie

Corona – ein Wort womit wohl jeder einzelne ganz verschiedene Emotionen verbindet. Seit März steht die Welt Kopf und es hat sich einiges verändert. Der Alltag für Kinder und Jugendliche hat sich durch Home-Schooling, abgesagte Sportkurse, Schließungen von Tages- und Freizeiteinrichtungen komplett umstrukturiert. Die Stimmen und Meldungen werden lauter, dass Kinder und Jugendliche stärker psychisch belastet sind als andere Altersgruppen – aber wie hat sich Corona tatsächlich auf unsere Kinder ausgewirkt? Was sagen aktuelle Studien und was können Eltern machen, um ihre Kinder zu unterstützen? Hat die Pandemie vielleicht sogar zum stärkeren Zusammenhalt innerhalb der Familien geführt? Diese Fragen sollen im nachfolgenden Beitrag geklärt werden und einen Überblick über die psychischen Auswirkungen für Kinder und Jugendliche geben.

Wie wird die aktuelle Situation von Kindern und Jugendlichen empfunden?

Eine Studie vom Deutschen Jugendinstitut fand heraus, dass rund 30 % der befragten Kinder eher schlecht bis sehr schlecht, die derzeitige Situation aushalten. Rund 45% der Kinder und Jugendlichen gaben an, dass sie unter psychischer Belastung stehen. Dazu kommt, dass sich die Befragten oftmals nicht ernst genommen fühlen, was oftmals in Frustration und Wut seitens der Kinder und Jugendlichen endet.[1]

Die Pandemie wirkt sich vor allem in Form von Stress, negativ auf den Gemütszustand der Kinder und Jugendlichen aus. Dieser Stress wird durch die fehlende Routine, die sich bspw. durch den täglichen Weg zu Schule und das Heimkehren einstellt, fehlende Sportaktivitäten, fehlende Entfaltungsmöglichkeiten durch zu enge Räume, fehlender Kontakt zu Gleichaltrigen und große Zukunftsängste begünstigt. Durch das Home-Schooling kommt der Sport oft zu kurz und für manche Kinder ist es herausfordernd den Bewegungsmangel auszugleichen, wodurch sie übergewichtig werden.[2]

Wichtige und einprägsame Ereignisse, wie die Abschlussfeier, der 18-Geburtstag und die Übergänge zum Erwachsenwerden, konnten nicht unbeschwert gefeiert werden, sondern waren von dem grauen Schatten der Pandemie begleitet. Eine Studie aus der Schweiz aus dem Jahr 2021 zeigte, dass Kinder und Jugendliche verschiedene negative Folgen auf ihr Leben befürchten. So befürchten rund 62 %, dass sie wichtige Reise- und Austausch Erfahrungen in der Corona-Zeit verpassen. Rund 54 % ist besorgt darüber, wichtige Jugendjahre und die damit verbundenen Erfahrungen verpasst zu haben. Diese und weitere Folgen geben nur einen kleinen Einblick darauf, mit welchen herausfordernden Umständen die Kinder und Jugendlichen schon in so frühen Jahren umgehen müssen.[3a]

Bei einer im Juli 2021 in der Schweiz vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie durchgeführten Umfrage unter 15- bis 29-Jährigen gaben 62 Prozent der Befragten an, dass sie negative Auswirkungen auf die Erfahrungen in ihrer Jugendzeit befürchten.

Die bisher dokumentierten Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendlichen sind vielfältig. Einerseits empfindet eine Großzahl eine innere Leere und Hoffnungslosigkeit. Zudem beklagt jeder fünfte, dass ihm die Energie fehle etwas zu unternehmen und irgendwas zu machen. Diese Lethargie ist meist ein Anzeichen für eine depressive Phase und kann sich bis hin zur Depression ziehen.[3] Anderseits ziehen sich viele Kinder und Jugendliche zurück, empfinden Traurigkeit und zeigen Interessensverlust. Zudem kann durch mangelnde Bewegung und eine ungesunde Ernährung das Gewicht der Kinder und Jugendlichen ansteigen. Des Weiteren zeigen viele Kinder und Jugendliche Probleme beim Ein- und Durchschlafen.[4] Eine weitere Studie von Unicef aus dem Frühjahr konnte zeigen, dass Kinder und Jugendliche vermehrt Probleme bei der Sprachentwicklung zeigen. Vor allem Kinder und Jugendliche, die aus Familien mit Migrationshintergrund stammen, haben in der Pandemie, durch das Home Schooling weniger Möglichkeiten, sich mit Muttersprachler:innen auszutauschen. Des Weiteren stellte Unicef fest, dass Corona eine weltweite Bildungskrise verursache, da vor allem Familien aus prekären Verhältnissen oftmals nicht das nötige Geld haben, ihren Kindern das nötige technische Equipment und Internet zur Verfügung zu stellen.[5]

Für Eltern hat sich die Pandemie ebenfalls als eine große und neue Herausforderung gezeigt. Allerdings sind diese für das Wohl ihrer Kinder verantwortlich.

Was können nun Eltern machen, um ihre Kinder in dieser herausfordernden Zeit zu unterstützen?

In dieser besonderen Zeit ist es wichtig den Zusammenhalt zu stärken. Dafür ist es vor allem von Seiten der Eltern wichtig, ihren Kindern die laufende Situation zu erklären und sich Zeit zu nehmen Fragen zu klären. Kinder übernehmen die Ängste und Sorgen der Eltern, da diese als Vorbilder fungieren und die Unsicherheiten auf die Kinder und Jugendlichen überträgt. Eine Routine in den Home-Schooling Alltag zu implementieren und weitere Routinen, wie bspw. gemeinsame Spieleabende oder Spaziergänge, können schon sehr effektiv wirken. Zudem können Eltern Skype-Gespräche mit anderen Eltern organisieren, damit die Kinder untereinander den Kontakt nicht verlieren.[6] Allerdings hat eine Studie von YouGov gezeigt, dass rund 23 % der befragten Familie sich weiter voneinander entfernt haben. Allerdings geben rund 53 % der Familien an, dass die Pandemie keine Auswirkungen auf den Zusammenhalt innerhalb der Familie hatte.[7]

Allerdings hat das Zuhause immer noch den größten Einfluss auf Kinder und Jugendliche, vor allem in Zeiten der Pandemie. Gemeinsame Spiele, das Erledigen der Hausaufgaben und Skype-Gespräche mit Freunden können eine große Unterstützung für die Kinder und Jugendlichen sein und ihnen helfen die Zeit zu überbrücken. Wichtig ist auch, immer wieder Hoffnung zu versprühen und keine Endzeit-Stimmung zu verbreiten, da dies die Kinder noch weiter in eine Abwärtsspirale bringen könnte.

Ausblick – Können sich die Kinder davon erholen?

Einen Blick in die Zukunft traut man sich schon gar nicht mehr zu versuchen. Hat Corona doch die eine oder andere Überraschung noch im Gepäck. Geht es um die Auswirkungen der Kinder und Jugendlichen lässt sich festhalten, dass die Symptome wohl erst verzögert auftreten werden und sich viele Krankheitsbilder erst später entwickeln. Ängstliche und depressive Verhaltensweisen könnten sich durch Vermeidungsverhalten, also aktiver sozialer Rückzug, verstärken. Bei zukünftigen belastenden und stressigen Situationen könnte es sein, dass Kinder und Jugendlichen vor allem dann Symptome zeigen. An dieser Stelle wird sich die individuelle Resilienz eines jeden einzelnen zeigen. Vor allem Schule und Eltern sind dazu angehalten zukünftig Schulpsychologen und Konzepte zu entwickeln, um die Kinder zu entlasten und auch aktiv Maßnahmen zu vereinbaren, damit die Kinder ihre Resilienz stärken können[8]. Dies könnte bspw. durch Achtsamkeitsübungen oder gemeinsame Supervisionen umgesetzt werden.

Fazit:  

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass vor allem Kinder und Jugendliche, die aus prekären Verhältnissen stammen, besonders von der Krise betroffen sind. Geringer Wohnraum, fehlendes Equipment und meist auch eine angespannte familiäre Situation erschweren den Kindern und Jugendlichen sich zu entwickeln und sich auf die Schule und die neue Situation zu konzentrieren. Die Eltern und auch die Schule müssen in Zusammenarbeit, Konzepte entwickeln, um der kommenden Bildungskrise sowie den ansteigenden psychischen Erkrankungen entgegenzuwirken. Schulen sind daher angehalten vermehrt Schulpsychologen anzustellen, um den Kindern und auch Eltern eine Möglichkeit zu geben sich Hilfe zu suchen. Die tatsächlichen (psychischen) Auswirkungen von Corona auf die Kinder und Jugendlichen wird sich vermutlich erst in Zukunft zeigen. Wichtig jedoch an dieser Stelle zu sagen ist, dass die psychische und physische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung ist.

[1] Vgl. Statista Research Department 12.05.2021

[2] Vgl. Libuda (2021)  Unicef Report

[3a] Vgl. Somoto (20.07.2021)

[3] Vgl. KVSJ (2021) S. 2

[4] Vgl. Dr. Narwark-Pietzsch (2021)

[5] Vgl. Bantel. Buitkamp und Wünsch (28.10.2021) S. 1542

[6] Vgl. Sammet (2021) S.222-223

[7] Vgl. YouGov (11.05.2021)

[8] Vgl. Sammet (2021) S. 223


Literatur– und Quellenverzeichnis