Achtsamkeit – Leben im Hier und Jetzt

Für Menschen, die von Zeitdruck, Stress und Terminen umgeben sind, ist es wichtig, den Augenblick bewusst wahrzunehmen, damit das Leben nicht an einem vorbeirauscht. Doch wie führt man ein Leben im Hier und Jetzt?

Diese Frage versucht das Prinzip der Achtsamkeit zu beantworten.

 

Das Prinzip der Achtsamkeit

Der Begriff Achtsamkeit wird als das bewusste Wahrnehmen des Moments, ohne dessen Sinn und Zweck zu hinterfragen, bezeichnet.[1] Philosophisch betrachtet versinnbildlicht Achtsamkeit das Leben im Hier und Jetzt, ohne dabei auf vergangene oder zukünftige Geschehnisse zu achten.

Vielmehr soll der Augenblick wertgeschätzt werden und die andauernde Gedankenspirale, bestehend aus Vergleichen mit anderen Menschen bezüglich neuer materieller Gegenstände und dem Vorausplanen des Tages- oder gar Wochenplans, unterbrochen werden.[2]

Im Buddhismus ist Achtsamkeit ein verbreitetes Prinzip – meditative Methoden jeglicher buddhistischen Traditionen sind wesentlicher Bestandteil. Darüber hinaus hat Buddha in seinen Lehrreden das Prinzip der Achtsamkeit ausgeführt und dessen Kultivierung vermittelt. [3]

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Es ist schon länger bekannt, dass eine ausgeprägte Achtsamkeit unter anderem Ausgeglichenheit und Stressreduktion fördert. Einige Studien weisen sogar auf schmerz- und angstlindernde Effekte hin,[4] weshalb es vermehrt als Behandlungsmethode für psychische Störungen angewendet wird. Durch die Aufmerksamkeitsumlenkung auf den Augenblick, ohne dass dabei eine wertende Haltung eingenommen wird, sollen unerwünschte Angewohnheiten und Verhaltensmuster modifiziert werden.[5]

Doch was ist nun erforderlich, um achtsam zu sein? Kann man Achtsamkeit trainieren oder ist das eher Charaktersache und von Individuum zu Individuum unterschiedlich?

 

Mindful Based Stress Reduction

Es haben sich in den letzten Jahrzehnten verschiedene Techniken etabliert, die die Achtsamkeit lehren. Eine dieser Trainingsmethoden ist die „Mindful Based Stress Reduction“ (MBSR), welche im Folgenden vorgestellt wird.

Das Programm „Mindful Based Stress Reduction“ wurde in den 70er Jahren von dem Mediziner Jon Kabat-Zinn entworfen und zielt darauf ab, den Stress von unter Anderem Schmerzpatienten und chronisch Kranken zu mindern. Dabei soll der Wunschzustand nach Abschluss des Programms das Gegenstück zum im Alltag vieler gewöhnlichen Autopilot-Modus sein, bei dem Gedankenspiralen und Tagträume überwiegen.[6]

Einer Metaanalyse aus dem Jahr 2015 zufolge, welche insgesamt 29 Studien inkludiert, konnten überdies Effekte für gesunde Personen nachgewiesen werden. Die Ergebnisse dieser Metastudie weisen auf moderate positive Auswirkungen auf Stress, Angst, Schmerz, Lebensqualität und Depressionen hin. Es wird jedoch betont, dass weitere Forschung zu dem Thema nötig ist.[7]

 

Das acht Wochen andauernde Training ist zusammengesetzt aus einer einmal wöchentlich stattfindenden, mehrstündig dauernden Sitzung und einem halben Tag Meditation an einem Rückzugsort. Zudem werden die Teilnehmer angewiesen, die gelernten Techniken zu Hause zu trainieren und täglich einen Selbsteinschätzungsbogen auszufüllen, um so eine langfristige Integration in den Alltag zu ermöglichen. Im Rahmen der Sitzungen werden den Teilnehmern neben diversen Meditationstechniken beispielsweise auch Techniken zur körperscanbasierenden Aufmerksamkeit,[8] und der auf die Atmung fokussierenden Aufmerksamkeit vermittelt. Diese wird häufig für eine in der Vipassana Tradition angewandte Praxis zur Aufmerksamkeitsschulung trainiert.[9] Dabei wird „die Aufmerksamkeit auf die Empfindungen gerichtet, die im Bereich des Naseneingangs und oberhalb der Oberlippe entstehen.“[10]

 

Quellenverzeichnis

[1] Vgl. Lexikon Stangl (23. Februar 2017), http://lexikon.stangl.eu/.

[2] Vgl. Spiegel Online (23. Februar 2017), http://www.spiegel.de/.

[3] Vgl. Semantic Scholar (23. Februar 207), https://www.semanticscholar.org/, S.8.

[4] Vgl. Apotheken Umschau (24. Februar 2017), http://www.apotheken-umschau.de/.

[5] Vgl. Psychomeda (24. Februar 2017), https://www.psychomeda.de/.

[6] Vgl. Chang-Gusko, Y.-S./Kottysch, S./Schulte-Meßtorff, C.: 2015, S.69-71.

[7] Vgl. Khoury, B./ Sharma, M./ Rush, S.E./Fournier, C.: 2015, S.519-528.

[8] Vgl. Goldin, P.R./Gross, J.J.: 2010, S.83-91.

[9] Vgl. Semantic Scholar (23. Februar 207), https://www.semanticscholar.org/, S.8.

[10] Semantic Scholar (23. Februar 207), https://www.semanticscholar.org/, S.8

 

Abbildungsverzeichnis

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Literatur

  • Chang-Gusko, Y.-S./Kottysch, S./Schulte-Meßtorff, C. (2015), Achtsam dem Stress begegnen, Personalwirtschaft, Nr. 12, S.69-71.
  • Goldin, P. R./Gross, J. J. (2010), Effects of mindfulness-based stress reduction (MBSR) on emotion regulation in social anxiety disorder, Emotion (Washington, D.C.), 10. Jg., Nr. 1, S. 83–91.
  • Khoury, B./Sharma, M./Rush, S. E./Fournier, C. (2015), Mindfulness-based stress reduction for healthy individuals: A meta-analysis, Journal of psychosomatic research, 78. Jg., Nr. 6, S. 519–528.

 

Internetquellen

  • Hölzel, B. K. (2007), Achtsamkeitsmeditation. Aktivierungsmuster und morphologische Veränderungen im Gerhin von Meditierenden, in: https://​pdfs.semanticscholar.org​/​9bb1/​c259446ac24c14b3048b0d520db99dd91ec6.pdf, abgerufen am 23. 2. 2017.
  • Schormann, T. (2015), Achtsamkeit: Entspannt im Hier und Jetzt – SPIEGEL ONLINE – Gesundheit, in: http://​www.spiegel.de​/​gesundheit/​psychologie/​achtsamkeit-was-ist-das-a-1046882.html, abgerufen am 23. 2. 2017.
  • Schuhmacher, A. (2016), Achtsamkeit: So funktionieren die Übungen, in: http://​www.apotheken-umschau.de​/​Entspannung/​Achtsamkeit-So-funktionieren-die-Uebungen-494995.html, abgerufen am 24. 2. 2017.
  • Stangl, W. [1]o.J., Achtsamkeit, in: http://​lexikon.stangl.eu​/​2277/​achtsamkeit/​, abgerufen am 23. 2. 2017.
  • (o.A.) (2016), Achtsamkeit – Lexikon der Psychologie | Psychomeda, in: https://​www.psychomeda.de​/​lexikon/​achtsamkeit.html, abgerufen am 24. 2. 2017.

References

1 o.J.