Was kommt nach dem Psychologiestudium? / Teil 2

Berufsmöglichkeiten nach dem Psychologiestudium

 

Abschluss in der Tasche – und dann? Dieser Artikel richtet sich an alle angehenden, aktuellen und ehemaligen Studenten eines psychologischen Studiengangs und soll einen informativen Überblick über mögliche Berufsfelder nach dem Studienabschluss darstellen. Nachdem im ersten Beitrag dieser Reihe vor allem klinische sowie wirtschaftspsychologische Karrierewege angeführt wurden, sollen nun im Rahmen einer Fortsetzung weitere beruflichen Optionen knapp geschildert werden.

 

Berufsfelder für Pädagogische Psychologen:

 

Im Kontext der Pädagogischen Psychologie geht es einerseits um die Beschreibung, andererseits um die Erklärung menschlichen Erlebens und Verhaltens in Erziehungs-, Lern- und Unterrichtssituationen. Diesbezüglich geht es sowohl um die Betrachtung institutionalisierter Lern- und Sozialisationsprozesse (z. B. in Schulen oder Kindertagesstätten) als auch nichtinstitutionalisierter Verläufe (beispielsweise im familiären Umfeld). Generell kann gesagt werden, dass die Pädagogische Psychologie eng mit dem Bildungssektor zusammenhängt. Interessante Tätigkeitsgebiete können etwa die Erziehungs- und Familienberatung, die Schulpsychologische Beratung oder die Beratung von öffentlichen und freien Bildungsträgern sein. Falls das Ziel einer beratenden Tätigkeit angestrebt wird, so kann es von Vorteil sein, ergänzend eine systemische Weiterbildung zu absolvieren (Mendius & Werther, 2014, S. 126-128).

 

  • Tätigkeiten im Bereich der Bildungsberatung und -evaluation:

Pädagogische Psychologen können aufgrund ihrer theoretischen Ausbildung auf breites Wissen im Bereich der menschlichen Lern- und Entwicklungsprozesse zurückgreifen. Wie bereits beschrieben geht es dabei nicht ausschließlich um die Beratung von Einrichtungen wie etwa Universitäten, Schulen oder Kindertagesstätten. Weil Bildung als permanenter Vorgang verstanden wird, welcher sich über die gesamte Lebensspanne hinweg vollzieht, wird zunehmend auch der familiäre Bereich mit in die Verantwortung genommen. Die Intention der Bildungsberatung ist es daher, die pädagogische Arbeit in den verschiedensten Einrichtungen zu verbessern. Ferner meint der Begriff Bildungsevaluation die Durchführung von entsprechenden Untersuchungen, mit denen Effektivität und Effizienz verschiedener Bildungsmaßnahmen bewertet werden sollen (Mendius & Werther, 2014, S. 129-132).

 

  • Tätigkeiten der Fort- und Weiterbildungen:

Laut der Definition des Deutschen Bildungsrats wird unter einer Fort- und Weiterbildung das Folgende verstanden: „Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase“. (Reinemann, 2002, S. 26). Aufgrund dessen dass im Psychologiestudium die Gebiete Lernen und Entwicklung von erheblicher Relevanz sind, bietet sich eine Tätigkeit in der Fort- und Weiterbildung an. Im Allgemeinen wird im Zusammenhang mit Fort- und Weiterbildungen das Ziel angestrebt, berufstätige Menschen bei der Entwicklung von berufsrelevanten Fertigkeiten zu unterstützen und sie in diesem Zuge zum Praktizieren ihrer Arbeitstätigkeit zu befähigen. Diese Hauptaufgabe setzt sich wiederum aus einer Reihe unterschiedlicher Nebentätigkeiten zusammen: Beispielsweise muss bevor passende Bildungsveranstaltungen ausgearbeitet, durchgeführt und evaluiert werden können, zunächst der Qualifizierungsbedarf festgestellt werden (Mendius & Werther, 2014, S. 136-137).

 

Berufsfelder für Forscher und Dozenten:

 

  • Tätigkeiten an Universitäten:

Auch wenn sich die Tätigkeiten an einer Universität abhängig vom psychologischen Fachbereich deutlich unterscheiden, so bestehen dennoch grundlegende Gemeinsamkeiten: In aller Regel sind die wissenschaftlichen Mitarbeiter bezüglich ihrer Tätigkeit sowohl für die Planung, Organisation und Durchführung als auch für die anschließende Auswertung von empirischen Studien verantwortlich. Typischerweise geht es zu Beginn darum, einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zusammenzutragen, damit im Nachhinein bisher unbeantwortete Forschungsfragen erstellt und darüber hinaus ein adäquates Untersuchungsdesign entworfen werden kann. Weitere mögliche Aufgaben könnten ansonsten etwa die Vorbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltungen, die Erstellung und Korrektur von Prüfungen oder die fachliche Betreuung von Studenten bei Abschlussarbeiten sein (Mendius & Werther, 2014, S. 152-154).

 

  • Tätigkeiten an Hochschulen:

Während bei Tätigkeiten an Universitäten die Forschung im Fokus steht, besteht für Psychologen an Hochschulen hauptsächlich ein Tätigkeitsbereich: die Professur. Zu den charakteristischen Aufgaben eines Hochschulprofessors zählen daher zum einen die Lehre, welche an Hochschulen hauptsächlich praxis- und anwendungsorientiert ist. Zum anderen können Aufgaben in den Bereichen der angewandten Forschung sowie in der Hochschulorganisation übernommen werden (Mendius & Werther, 2014, S. 159-161).

 

  • Tätigkeiten an Forschungseinrichtungen:

Generell meint die Bezeichnung Forschungseinrichtung eine in der Regel öffentliche Institution, wobei es darum geht, zu einem oder mehreren konkreten Themengebieten wissenschaftliche Forschung zu betreiben. Allein innerhalb Deutschlands existieren eine Vielzahl verschiedener Forschungsinstitute sowie Einrichtungen mit einem breiten Spektrum an Schwerpunkten. Bekannte Beispiele stellen in diesem Zusammenhang etwa die Max-Planck-Gesellschaft oder die Leibnitz-Gesellschaft dar. Dabei kann zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung differenziert werden. Im Rahmen grundlegender Forschung könnte die Untersuchung menschlichen Erlebens und Verhaltens in unterschiedlichen Kontexten unter Berücksichtigung der entsprechenden neuronalen Prozesse zu den typischen Aufgaben eines Psychologen gehören. Angewandte Forschung verfolgt dagegen das Ziel, der Bevölkerung einen direkten Nutzen bereitstellen zu können, also beispielsweise Behandlungsmöglichkeiten für bestimmte Erkrankungen herauszuarbeiten (Mendius & Werther, 2014, S. 165).

 

Sonstige Berufsfelder:

 

  • Rechtspsychologie:

Hier geht es grundsätzlich um das Zusammenspiel rechtlicher sowie psychologischer Problemstellungen. Die Rechtspsychologie umfasst mehrere Bereiche, beispielsweise die forensische Psychologie, wo etwa die Überprüfung der Glaubwürdigkeit von Zeugen oder die Frage nach der Schuldfähigkeit einer Person eine große Rolle spielen. Eine weitere Sparte bildet die Kriminalpsychologie, wo es zum Beispiel um die Entstehung von Verbrechen geht. Ferner stellt die Psychologie im Strafvollzug ein interessantes Aufgabengebiet dar. Darüber hinaus ist auch die Polizeipsychologie von erheblicher Bedeutung, ein Beispiel hierfür könnten Verhandlungen bei Geiselnahmen darstellen. Zuletzt ist es wichtig zu erwähnen, dass es im Rahmen der Rechtspsychologie zudem auch um eine kritische Anschauung der Rechtsanwendung unter psychologischer Sichtweise geht (Nolting & Paulus, 2009, S. 147).

 

  • Sportpsychologie:

Die Sportpsychologie ist ein Bereich, in dem es um jegliche psychologische Merkmale der Bewegung, um die Analyse motorischer Lernprozesse, um psychomotorische Funktionsstörungen sowie um die Unterstützung sportlicher Leistungen geht. Zu den konkreten Tätigkeiten zählen etwa die Entwicklung spezieller psychologischer Trainingsmethoden (mentales Training) oder die konkrete Untersuchung psychischer Belastungen in Wettkampfsituationen (Alfermann & Stoll, 2007, S. 12-20.

 

  • Verkehrspsychologie:

In der Verkehrspsychologie tätige Psychologen setzen sich unter anderem mit Gefahrensituationen im Straßenverkehr oder den Auswirkungen der Konstruktionsmerkmale von Fahrzeugen auf das Erleben und Verhalten der Verkehrsteilnehmer auseinander. Dabei geht es im Speziellen beispielsweise um die Wahrnehmbarkeit von Verkehrszeichen etc. Ein weiteres Themengebiet stellt die Untersuchung der Fahrtüchtigkeit und Fahreignung dar (Nolting & Paulus, 2009, S. 147-148).

 

  • Tourismuspsychologie:

Die Tourismuspsychologie stellt eine Nische psychologischer Tätigkeiten dar. Zu den charakteristischen Aufgabengebieten eines Psychologen in der Tourismusbranche zählen beispielsweise die Erstellung von Urlaubstypologien, die Analyse von Urlaubsmotiven oder die Erhebung von Einstellungen bezüglich verschiedener Urlaubsregionen (Berge, Meer), Reiseformen (Bahn, Auto, Flugzeug)  sowie Reistypen (Hotelurlaub, Campingplatz, Kreuzfahrt etc.) (Nolting & Paulus, 2009, S. 148).

 

Fazit

 

Wie bereits im ersten Beitrag dieser Reihe, konnten auch in der Fortsetzung eine Vielzahl verschiedener Berufswege, welche sich im Anschluss an ein psychologisches Studium anbieten, überblicksartig dargestellt werden. Während Teil 1 vorwiegend Karrierewege für Wirtschafts- sowie Klinische Psychologen beschreibt, wurden an dieser Stelle zunächst Berufsfelder für Pädagogische Psychologen und daraufhin Tätigkeiten für Forscher und Dozenten erläutert. Im abschließenden Teil dieses Blogbeitrags sind hauptsächlich solche Berufsmöglichkeiten zu finden, welche vermutlich nicht direkt mit einem Psychologiestudium in Verbindung gebracht werden, beispielsweise die Verkehrs- oder Tourismuspsychologie. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ein Bachelor bzw. Master in Psychologie (oder einem psychologienahen Studiengang) in jedem Fall vielfältige Berufsmöglichkeiten bereithält. Des Weiteren soll nun nochmals betont werden, dass die beschriebene Berufsübersicht keinesfalls dem Anspruch der Vollständigkeit gerecht werden kann – nicht alle potenziellen psychologischen Karrierewege konnten im Zuge dieses Artikels hinreichend beschrieben werden.

 

Literatur

 

Alfermann, Dorothee; Stoll, Oliver (2007): Sportpsychologie. Ein Lehrbuch in 12 Lektionen. 2. Aufl. Aachen: Meyer & Meyer (Sportwissenschaft studieren, 4).

Mendius, Maximilian; Werther, Simon (Hg.) (2014): Faszination Psychologie – Berufsfelder und Karrierewege. Unter Mitarbeit von Marcella Ammerschläger. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg (Springer Lehrbuch).

Nolting, Hans-Peter; Paulus, Peter (2009): Psychologie lernen. Eine Einführung und Anleitung. 11. Aufl. [Erscheinungsort nicht ermittelbar]: Beltz (Psychologie 2012).

Reinemann, Holger (2002): Betriebliche Weiterbildung in mittelständischen Unternehmen. Münster, Hamburg, London: Lit (Trierer Schriften zur Mittelstandsökonomie, Bd. 5).

Beitragsbild:

Photo by Clark Tibbs on Unsplash, https://unsplash.com/photos/oqStl2L5oxI