Die Datendiktatur – Wie Wahlen manipuliert werden

Das Buch „Die Datendiktatur – Wie Wahlen manipuliert werden“ ist am 31.01.2020 auf dem deutschen Markt erschienen und wurde von Brittany Kaiser geschrieben, die von 2014 bis 2018 als Director of Business Development für Cambridge Analytica arbeitete.

 

Der Inhalt

 

Brittany Kaiser beschreibt auf 479 Seiten ihren persönlichen Werdegang bei Cambridge Analytica und die Projekte, die sie dabei betreut und im Unternehmen erlebt hat. In den 20 Kapiteln geht sie hierbei zeitlich chronologisch vor. Zunächst werden die Beweggründe genannt, die dazu geführt haben, wie sie als leidenschaftliche Anhängerin der demokratischen Partei zu Cambridge Analytica gekommen ist, wo sie später an republikanischen Wahlkampagnen sowie an der Brexit- und Trump-Kampagne mitgearbeitet hat. Verteilt über die erste Hälfte des Buches werden dabei zentrale Arbeitsmethoden zur Wählerbeeinflussung aufgezeigt, wovon das Micro-Targeting auf Grundlage psychometrischer Modellierungen eine zentrale Rolle einnimmt. Brittany Kaiser zeigt hierbei anhand vielen Beispielen auf, wie Datenwissenschaftler mit gezielter psychometrischer Ansprache in den sozialen Netzwerken dazu maßgeblich beigetragen haben, Wähler auf Basis des OCEAN-Modells zu identifizieren, Wähler der gegnerischen Partei zu demotivieren und potenzielle Wähler der eigenen Partei zu motivieren. Dabei wurden regelmäßig Grenzen des Rechts überschritten, sei es beim Datenschutz, der Parteienfinanzierung, den Grundsätzen freier demokratischer Wahlen oder von Persönlichkeitsrechten. Brittany Kaiser zeigt in diesem Buch auch entscheidende Verantwortliche und Geldgeber diverser Kampagnen auf. So war z. B. Stephen Bannon CEO der Muttergesellschaft von Cambridge Analytica und Strippenzieher der Trump-Kampagne, die wiederum von der ultrakonservativen Familie Mercer mit Millionenbeträgen finanziert wurde.

 

Einen entscheidenden Wendepunkt im Buch stellt das mediale Echo auf den Cambridge Analytica Skandals dar, womit der Niedergang des Unternehmens eingeläutet wird. Brittany Kaiser entschließt sich daraufhin zu einer Whistleblowerin zu werden und die Öffentlichkeit über die gesetzwidrigen und moralisch fragwürdigen Methoden der psychologischen Wahlbeeinflussung zu informieren. Das Buch schließt mit einer Mahnung ab, die dem Leser eindrücklich vor den Gefahren datengetriebener Verfahrensbeeinflussung warnt und dazu aufruft, seine Daten zu schützen und auf die Politik einzuwirken, entsprechende Gesetze zum Schutz zu erlassen.[1]

 

Fazit

 

Das Buch gewährt einen spannenden Einblick in die Arbeitswelt und die Arbeitsmethoden von Cambridge Analytica. Anders als das Buch von Chris Weylie (Mindf*ck) beschreibt Brittany Kaiser das Unternehmen aus der ihrer Perspektive des Director of Business Development von Cambridge Analytica, die einen nahen Kontakt zum Gründer Alexander Nix hat. Dadurch können interessante Eindrücke in die Arbeitsweise und die dahinterstehende Arbeitskultur des Unternehmens und der verschwiegenen Politikberatungsbranche gewonnen werden.

 

Dennoch wirkt das Buch stelleweise sehr langatmig. Die entsprechenden Arbeitsmethoden und -mittel zum psychometrischen Microtargeting werden nur kurz vorgestellt, wogegen persönliche Geschichten und Erlebnisse oft äußerst detailliert wiedergegeben werden, die jedoch teils mit der eigentlichen Thematik der „Datenmanipulation“ nichts mehr zu tun haben.

 

Wie beim Buch von Chris Weyle muss auch hier kritisch beachtet werden, dass die im Buch enthaltenen Informationen und Erzählungen subjektiv durch die Autorin wiedergegeben werden, wobei durch den Whistleblower-Status eine objektive Überprüfung nicht möglich ist. Für den aufmerksamen Leser erscheint des Weiteren auch das Moralempfinden sowie die Motivation von Brittany Kaiser fragwürdig: Im Buch beteuert sie mehrfach, wie leid ihre Mitarbeit bei Cambridge Analytica ihr tut, wobei dies dann immer wieder relativiert wird. Auch stellt sich Brittany Kaiser als „Opfer“ der Reporterin Carole Cadwalladr (The Guardian) dar, die maßgeblich an der Veröffentlichung des Cambridge Analytica Skandals mitgewirkt hat. Diese kritischen Punkte erwecken jedoch den Eindruck, dass Brittany Kaiser eine Opportunistin mit fragwürdigen Moralempfinden ist, die wiederum durch die Veröffentlichung des Buches ihren Namen in der Öffentlichkeit „reinwaschen“ möchte.

 

Trotzdem bleibt das Buch (in Kombination mit dem Buch von Chris Weyle) eine Empfehlung für alle, die wissen möchten, welche Macht die Kombination aus Social Media, Big Data und Psychologie in der modernen digitalen Gesellschaft besitzt.

[1] Kaiser und Schmid (2020).

 

Literaturverzeichnis

Kaiser, B. & Schmid, B. (2020). Die Datendiktatur. Wie Wahlen manipuliert werden (1. Auflage, deutsche Erstausgabe)