Bachelor und Meister sind gleich auf

Steigende Studentenzahlen werden diskutiert, aber der Meister?

Die steigende Zahle an Studenten erregt immer wieder Aufsehen und es wird oft darüber diskutiert, dass es seit einigen Jahren mehr Studenten als Auszubildende gibt, jedoch dass es einen allgemeinen Trend steigender Qualifikation gibt geht meist unter.

Bei der Meisterausbildung ist ein ähnlicher Trend zu beobachten wie bei den Studenten. Immer mehr Berufstätige streben eine höhere berufliche Ausbildung an.

Werden die Anteile der Ausbildungsgrade in der Gesamtbevölkerung betrachtet, so stieg die Zahl der Studierten von 2008 bis 2017 um rund 27%, bei den Meistern stieg der Anteil ebenfalls um rund 27% [1].

Abbildung 1: Studierte und Handwerks/Industriemeister in der Bevölkerung [2]

Meister und Bachelor sind im DQR gleichwertig

Das Bachelor Studium und die Meisterausbildung wurden beide durch den DQR in das Bildungsniveau 6 eingeordnet. Somit wurden diese als gleichwertig eingestuft[3]. Dennoch unterscheiden sich die Lerninhalte einer Meisterausbildung von den Lerninhalten eines Bachelor Studiums, da beide Qualifikationen eine unterschiedliche Zielgruppe ansprechen und auch eine unterschiedliche Zielsetzung verfolgen[4].

Dass beide Abschlüsse dennoch gleichwertig angesehen werden ist auf die breite Definition der Bildungsniveaus zurückzuführen, welche darauf ausgelegt wurden, alle Bildungsabschlüsse abzubilden[5].

Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht über die beiden Abschlüsse. Dabei werden einerseits sowohl die Anforderungen, als auch die Inhalte und der spätere Verwendungszweck aufgezeigt.

 

Inhalt Bachelor-Studium Meisterausbildung
Voraussetzung Hochschulreife, Fachhochschulreife oder berufliche Qualifizierung (Meister) abgelegte Gesellenprüfung der jeweiligen Fachrichtung und Berufspraxis
Dauer 180-240 ETCS-Punkte

4500–7200 Stunden

1200 Stunden + rund 5000-5800 Stunden durch die Lehre und nötige Berufserfahrung

≙ 6200-7000 Stunden

Vergibt die Qualifikationsbescheinigung Hochschule Industrie- und Handelskammer
Ziel fachbezogene Problemlösungen, Teamverantwortung Fach- und Führungsaufgaben in Betrieben, Ausbildung von Lehrlingen
Fachliches Wissen fichtige Theorien, Prinzipien, Methoden, Stand der Fachliteratur fachliche Aufgaben- und Problemstellungen, Führung,
Wissens Anwendung Problemlösungen, relevante Informationen bewerten, interpretieren, fundierte Urteile ableiten Produktions- und Geschäftsprozesse fachlich steuern, bearbeiten, auswerten, Handlungen reflektieren
Anschließendes Selbstständiges Lernen Wissensverbreiterung, Wissensvertiefung Weiterbildungsmaßnahmen selbst ergreifen, Berufslaufbahn gestalten
Soft-Skills Teamverantwortung, kommunikative Kompetenzen selbstständige Leitung eines Betriebes, personelle Führung von Arbeitsgruppen oder Abteilungen
Anschlussmöglichkeit Master, Promotion drittes berufliches Fortbildungsniveau, Studium

Tabelle 1: Vergleich der Anforderungen und des Ziel des Bachelors und der Meisterausbildung, eigene Darstellung [6]

 

Da diese Anforderungen Grundanforderung darstellen, wird dies nun an einem Beispiel erklärt. Als Vergleichsbeispiele werden der Werkmeister/Industriemeister der Papiertechnik und das Wirtschaftspsychologiestudium als Fernstudium an der SRH verwendet, da der Autor vor dem Beginn des Wirtschaftspsychologiestudiums an der SRH Riedlingen dieses am ABZ in Steyrermühl erwarb.

Der Papiermachermeister

Die Meisterausbildung zielt auf die Qualifikation von Meistern als Führungskräfte im Produktionsbetrieb. Dabei werden soziale Kompetenzen zur Mitarbeiterführung und fachliche Qualifikationen in der Papier- und Zellstofftechnik vermittelt.

Eine Meisterausbildung dauert 1 bis 3 Jahre, abhängig davon ob dieser in Teilzeit oder Vollzeit absolviert wird[7]. Der Papiermachermeister benötigt 33 Wochen und ist in Module aufgeteilt, mit einer Dauer je Modul von 2 bis 4 Wochen. Diese werden nur in Grundmodule welche zuerst absolviert werden müssen und fortführende Module, welche im Nachgang besucht werden müssen, unterteilt. Ansonsten ist die Kurseinteilung frei wählbar. Des Weiteren beinhaltet die Ausbildung auch ein e-Modul, welches als Fernlehrmodul aufbereitet ist[8]. Bei diesem müssen nur die Prüfungen im ABZ geschrieben werden. Die Aneignung der Lerninhalte hingegen ist jedem Schüler selbst überlassen, da bei diesem Modul das aufbereitete Lernmaterial und online-Kurse und Fragebögen zur Verfügung stehen, zudem findet auch ein Präsenzunterricht hierzu im ABZ statt, der jedoch nicht verpflichtend ist[9].

Im fachlichen Bereich sind die Lehrinhalte in den Fachmodulen enthalten. Hierbei werden maschinelle Grundlagen, Arbeitssicherheit, Chemie gelehrt, aber auch fachbezogene Themen wie die Rohstoffaufbereitung, Blattbildung und die Papierverarbeitung[10].

In den Meistermodulen werden hingegen Betriebsorganisation, Mitarbeiterführung, Präsentationstechnik, Projektarbeiten und EDV-Kenntnisse Vermittelt[11].

Das Wirtschaftspsychologiestudium als Fernstudium

Das Wirtschaftspsychologiestudium der SRH Riedlingen ist als Fernstudium aufgebaut. Dabei zielt das Studium auf eine wissenschaftliche Ausbildung ab. Dabei werden sowohl psychologische, managementbezogene und betriebswirtschaftliche, als auch persönliche Kompetenzen durch die Module aufgebaut[12].

Die Gesamtstudienzeit beträgt 180 ETCS-Punkte. Dies Entspricht 4500 bis 5400 Stunden. In Wochen bei einer 38 Stunden Woche entspricht dies rund 140 Wochen.

Das Studium selbst ist als Fernstudium aufgebaut. Das bedeutet, die Studieninhalte werden als Studienbriefe zur Verfügung gestellt und müssen in Eigenarbeit bearbeitet werden. Zusätzlich zu diesen werden Online- und Präsenzveranstaltungen, aber auch Podcasts und E-Lerneinheiten angeboten. Die Studieninhalte sind als Module aufbereitet, wobei ein Modul mit 6 ETCS Punkten bewertet wird, wodurch sich 30 Module ergeben.

Das Lernziel der einzelnen Module wird teilweise durch eine klassische Prüfung erreicht, jedoch nehmen diese nur rund 35% der Prüfungsleistungen ein. Für den Rest der Module sind Einsendeaufgaben, Hausarbeiten und Präsentationen als Prüfungsform vorgesehen, wobei hier selbstständig ein Thema in einem rund 20 seitigen Text wissenschaftlich mit Quellen bearbeitet werden muss.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Die Ähnlichkeiten beider Ausbildungen finden sich hauptsächlich im Bereich des Fernlernanteils, den Persönlichkeitskompetenzen, welche aufgebaut werden sowie der Vermittlung von Grundlegenden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, wobei das Wirtschaftspsychologiestudium hierbei weit über den Meister hinausgeht.

Bei der Vermittlung der Lerninhalte wiederum ist beim Studium der Fokus auf eine breite Vielfalt von Theorien, die dazugehörigen Quellen und deren Anwendung gelegt.  Bei der Meisterausbildung hingegen wird die praktische Anwendung des erlangten Wissens fokussiert und hierfür einzelne Theorien behandelt, die diese praktische Anwendung unterstützen.

Das Studium stellt auch Anforderungen an die wissenschaftliche Arbeitsweise, welche zu einem großen Teil auf einer Quellenrecherche basiert. Diese ist auch im Weiteren für die Bachelorarbeit nötig, bei der Meisterausbildung spielt das wissenschaftliche Arbeiten hingegen nur eine stark untergeordnete Rolle.

Der größte Unterschied ist in der Methodik der Wissensvermittlung festzustellen. Hierbei ist in der Meisterausbildung der größte Teil mit 29 Wochen als Präsenzunterricht mit angeleiteter Lernsituation gestaltet, der Selbstlernanteil nimmt nur 4 bis 4,5 Wochen ein[13]. Beim Fernstudium sind zwar auch Präsenzveranstaltungen möglich, aber selbst deren Buchung muss selbst initiiert werden. Des Weiteren sind bei der SRH Riedlingen die Prüfungstermine nahezu wählbar[14].

Aufgrund dieses methodischen Unterschieds fordert das Fernstudium ein höheres Maß an Selbstkontrolle um das Aufschieben auch als Prokrastination bekannt zu vermeiden[15]. Jedoch können auch gerade hierrüber Selbstmanagementkompetenzen aufgebaut werden[16].

Der Abschluss

Zwar werden beide Abschlüsse oft von späteren Führungskräften absolviert, jedoch ist der Meister traditionell in der Schicht- oder Gruppenleiterebene[17], also dem unteren Management angesiedelt[18]. Bachelorstudenten sind in der Regel im mittleren Management angesiedelt.

Auch wird in vielen Berufen ein Meister benötigt um ein selbstständiges Gewerbe zu betreiben[19]. Hierfür kann ein Studium nicht verwendet werden. Für die Genehmigung Auszubildende einzustellen und auszubilden, ist zwar ein Meister nötig, jedoch können Ausnahmebewilligung erteilt werden[20], die auch Studierende erhalten können.

Andererseits war in der Vergangenheit bei den Führungskräften in einem Unternehmen der berufliche Bildungsweg häufiger anzutreffen als der akademische, jedoch hat der akademische Bildungsweg die berufliche Ausbildung überholt[21].

Obwohl der Meister und der Bachelor im DQR gleich bewertet werden ist der Lohnunterschied zwischen Studierten und Meistern sehr hoch. Der Bruttojahreslohn eines Industriemeisters lag 2016 bei rund 53.250€, der eines Bachelor Studenten bei rund 61.950€. Dies ist ein hoher Unterschied, welcher zeigt, dass sich ein Bachelorstudium lohnt[22]. Der Vorteil des Meisters ist, wie bereits zuvor erwähnt, dass dieser nur rund 1 Jahr in Anspruch nimmt, ein Bachelor Studium 3 Jahre. Aber vor allem dieser Einkommensunterschied rechtfertigt diese Investition für das Studium. Des Weiteren wird auch die Wahrscheinlichkeit ein geringes Einkommen zu erhalten, durch ein Studium stark reduziert[23].

 

Fußnoten

[1] Statistisches Bundesamt 2018.

[2] Statistisches Bundesamt 2018.

[3] DQR.

[4] DQR.

[5] DQR.

[6] DQR; DQR.

[7] Bosch 2018, S. 13.

[8] Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie.

[9] Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie.

[10] Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie; Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie.

[11] Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie.

[12] SRH Fernhochschule – The Mobile University 2018.

[13] Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie.

[14] SRH Fernhochschule – The Mobile University 2019.

[15] Ariely 2008, S. 141–145.

[16] Ariely 2008, S. 161–164.

[17] Hummel und Zander 2008, 31, 102.

[18] Hummel und Zander 2008, S. 8.

[19] Deutscher Bundestag.

[20] Deutscher Bundestag, §22b.

[21] Franz und Voss-Dahm 2011, S. 4–5.

[22] StepStone 2017.

[23] IW Köln.

Abbildungen

Titelbild: Eigene Darstellung

Abbildung 1: Eigene Darstellung

Literaturverzeichnis

Ariely, Dan (2008): Predictably irrational. The hidden forces that shape our decisions. 1. Auflage. New York: Harper Collins.

Hummel, Thomas R.; Zander, Ernst (2008): Unternehmensführung. Lehrbuch für Studium und Praxis. 2. Aufl. München: Hampp (Schriften zum Internationalen Management, 19). Online verfügbar unter http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?id=3119785&prov=M&dok_var=1&dok_ext=htm.

 

Internetquellen

Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie: e-Modul. Fernlehre in der Meisterausbildung. Online verfügbar unter http://www.papiermacherschule.at/ausbildungsprogramm/papiertechnik/meisterklasse/e-modul.html, zuletzt geprüft am 06.06.2019.

Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie: Papiermaschine. Grundmodul, Fachmodul 1 + Fachmodul 2, Fernlehre „e-Modul“. Online verfügbar unter http://www.papiermacherschule.at/kontakt-und-service/downloads/finish/14/295.html, zuletzt geprüft am 06.06.2019.

Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie: Stoffaufbereitung. Grundmodul, Fachmodul 1 + Fachmodul 2, Fernlehre „e-Modul“. Online verfügbar unter http://www.papiermacherschule.at/kontakt-und-service/downloads/finish/14/302.html, zuletzt geprüft am 06.06.2019.

Ausbildungszentrum der Österreichischen Papierindustrie: Werkmeister/Industriemeister der Papiertechnik. Online verfügbar unter http://www.papiermacherschule.at/ausbildungsprogramm/papiertechnik/meisterklasse.html, zuletzt geprüft am 06.06.2019.

Bosch, Gerhard (2018): IAQ-Report 2018-05. Aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Institut Arbeit und Qualifikation. Institut Arbeit und Qualifikation. Duisburg. Online verfügbar unter https://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2018/report2018-05.pdf, zuletzt geprüft am 17.06.2019.

Deutscher Bundestag: Anlage A Verzeichnis der Gewerbe, die als zulassungspflichtige Handwerke betrieben werden können (§ 1 Abs. 2). HWO, vom 2003. Online verfügbar unter https://www.gesetze-im-internet.de/hwo/anlage_a.html, zuletzt geprüft am 17.06.2019.

Deutscher Bundestag: Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung). HWO, vom 2017. Online verfügbar unter https://www.gesetze-im-internet.de/hwo/BJNR014110953.html#BJNR014110953BJNG001401308, zuletzt geprüft am 17.06.2019.

DQR: FAQ. Online verfügbar unter https://www.dqr.de/content/2360.php#, zuletzt geprüft am 05.06.2019.

DQR: Qualifikation: Bachelor of Science (B.Sc.). Qualifikationstyp: Bachelor und gleichgestellte Hochschulabschlüsse. Online verfügbar unter https://www.dqr.de/content/2316.php?LANG=DEU&PID=5&QT1=8&SQ=751, zuletzt geprüft am 05.06.2019.

DQR: Qualifikation: Industriemeister (Geprüfter) Fachrichtung Papier- und Kunststoffverarbeitung/Industriemeisterin (Geprüfte) Fachrichtung Papier- und Kunststoffverarbeitung. Qualifikationstyp: Meister/in. Online verfügbar unter https://www.dqr.de/content/2316.php?LANG=DEU&PID=5&QT1=12&SQ=1076, zuletzt geprüft am 05.06.2019.

Franz, Christine; Voss-Dahm, Dorothea (2011): IAQ-Report 2011-02. Ohne Studium (k)eine Führungsposition? Institut Arbeit und Qualifikation. Duisburg. Online verfügbar unter http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2011/report2011-02.pdf, zuletzt geprüft am 17.06.2019.

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StepStone (2017): Gehaltsreport 2017. Durchschnittliche Bruttojahresgehälter* von in Vollzeit arbeitenden Fach- und Führungskräften in Deutschland nach Bildungsabschlüssen im Jahr 2016. StepStone. Online verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/603655/umfrage/bruttojahresgehaelter-in-deutschland-nach-bildungsabschluessen/, zuletzt geprüft am 23.06.2019.