Work-Life-Balance statt Burn-Out-Syndrom: Balance zwischen Arbeit und Freizeit

Wir alle kennen sie, wir alle wollen sie, doch immer weniger Menschen haben sie: eine „gesunde“ Work-Life-Balance. In unserer Arbeitsgesellschaft, die gekennzeichnet ist von technischem Fortschritt und rasanter Veränderung, wird der arbeitende Mensch zunehmend an seine Belastungsgrenze gebracht. Stress im Beruf und daraus resultierende Erkrankungen wie das Burn-Out-Syndrom zählen zu den größten Gefahren des 21. Jahrhunderts (Arenberg, P., 2018, S. 13-14 ; Paulus, S., 2020, S. 280).

Work-Life-Balance: Was ist das eigentlich?

Der Begriff Work-Life-Balance steht für einen Zustand, in dem Arbeits- und Privatleben miteinander in Einklang stehen. Die Begriffsbildung Work-Life-Balance stammt aus dem Englischen: Arbeit (work), Leben (life), Gleichgewicht (balance)“ (Wikipedia, 2021).

Gibt man den Begriff „Work-Life-Balance“ in der Suchleiste auf Google ein, ist diese Definition von Wikipedia der erste Treffer – der erste von über 160 Millionen Treffern. Bestimmt haben auch Sie sich schon einmal mit diesem Begriff beschäftigt, denn gerade in unserer postmodernen und dynamischen Arbeitswelt gewinnt diese Thematik immer mehr an Bedeutung. In Zeiten der Digitalisierung und des demographischen Wandels, in Verbindung mit flexibler Arbeitsplatzgestaltung, wird eine Trennung zwischen Beruf und Freizeit zunehmend schwerer. Durch die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag für den Arbeitgeber erreichbar zu sein und seine Mails jederzeit am Smartphone abrufen zu können, nehmen viele Menschen ihre Arbeit mit nach Hause – die Linie zwischen Arbeit und Privatem verschwimmt dadurch immer mehr (Arenberg, P., 2018, S. 23 & 112; Paulus, S., 2020, S. 277-28). Wer es in unserer Arbeitsgesellschaft zu etwas bringen will, nimmt gerne Überstunden in Kauf und vernachlässigt dafür andere Lebensbereiche wie Freizeitaktivitäten, Freunde oder Familie. Gerade Personen in Führungspositionen verzichten zugunsten des beruflichen Erfolgs auf ein erfülltes Privatleben. Wenn jedoch die Arbeit auf Dauer zum wichtigsten und einzigen Lebensinhalt wird, kann nicht mehr von einer „gesunden“ Work-Life-Balance die Rede sein – Arbeitssucht stellt einen zentralen Risikofaktor für arbeitsbedingte Stresserkrankungen wie das Burn-Out-Syndrom dar (Lohmer, M., 2013, S. 118).

Burn-Out-Syndrom: Macht uns Arbeit krank?  

Die moderne Arbeitswelt ist gekennzeichnet von hohen Leistungsansprüchen, einer unscharfen Linie zwischen Arbeit und Freizeit sowie unermüdlichem Arbeitseinsatz und steigender Arbeitsbelastung. Das Burn-Out-Syndrom wird längst nicht mehr als Modeerscheinung abgetan, denn es entwickelt sich zunehmend zu einem gravierenden Problem in unserer Arbeitsgesellschaft (Berger, M., Schneller, C. & Maier, W., 2012, S. 1366). Das Burn-Out-Syndrom wird als arbeitsbezogene Stresserkrankung definiert, welche auf eine andauernde Überlastung am Arbeitsplatz zurückzuführen ist. Jeder kennt das Gefühl, einmal gestresst zu sein, doch nicht jeder kann auch mit Stress umgehen. Bei unzureichenden Bewältigungsstrategien kann es zu seelischen und körperlichen Überlastungen kommen, die hohe gesundheitliche Risiken mit sich bringen und im schlimmsten Fall eben in einem Burn-Out-Syndrom enden können (Beer, A.-M., 2013, S. 24; Korczak, D. & Huber, B., 2012, S. 164). Erstmals eingeführt wurde das Konzept der chronischen Erschöpfung im Jahre 1974 von Herbert Freudenberger, welcher die drei Dimensionen Erschöpfung, Depersonalisierung sowie Ineffektivität ins Zentrum der Erkrankung stellte. Menschen, die an einem Burn-Out erkranken, fühlen sich ausgelaugt, kraftlos, erschöpft. Es kostet sie teils große Überwindung, sich zur Arbeit zu schleppen und es fällt ihnen dort angekommen schwer, selbst die einfachsten Aufgaben zu lösen. Bei vielen Erkrankten machen sich Frust, Resignation und Verzweiflung breit und in vielen Fällen können Begleiterkrankungen wie Depressionen die Folge sein (Lohmer, M., 2013, S. 118).

Risikofaktoren für ein Burn-Out-Syndrom

Faktoren, welche die Entstehung eines Burn-Out-Syndroms begünstigen, können sowohl arbeitsbedingt als auch individueller Natur sein. Zu den Risikofaktoren innerhalb der Arbeitswelt zählen beispielsweise eine hohe Arbeitsbelastung verbunden mit geringem Handlungsspielraum, mangelnde Anerkennung, fehlender Teamgeist und Fairness sowie unterschiedliche Wertevorstellungen. Zusätzliche psychische Belastungen können sich aus Konflikten am Arbeitsplatz sowie aus einer ungeklärten Rollenverteilung ergeben. Individuelle Risiken für ein Burn-Out-Syndrom sind vor allem durch persönliche Eigenschaften und Einstellungen gekennzeichnet: eine hohe Bereitschaft, sich für die Arbeit zu verausgaben, fehlende Flexibilität, Perfektionismus sowie ein geringes Selbstwertgefühl stellen hierbei kritische Faktoren dar. Auch die subjektive Wahrnehmung von Stress und die damit verbundenen Bewältigungsmechanismen spielen in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle (Hochstrasser, B., 2016, S. 27).

Präventionsmaßnahmen – Ressourcenmanagement und eine „gesunde“ Work-Life-Balance als Schlüssel

Die Maßnahmen zur Prävention erfolgen einerseits auf institutioneller Ebene, indem Organisationen dazu angehalten werden, angemessene Arbeitsstrukturen zu erarbeiten, die Autonomie ihrer Mitarbeiter zu fördern sowie Unterstützung und Wertschätzung durch Führungskräfte zu gewährleisten. Die individuelle Prävention baut auf ressourcenorientiertem Zeit- & Stressmanagement auf, ferner auf der bereits erwähnten Work-Life-Balance. Das Bewusstmachen und die Pflege der eigenen Ressourcen ist bei der Prävention der erste und vielleicht wichtigste Schritt: Wer seine persönlichen Stärken und Schwächen kennt, dem wird es deutlich leichter fallen, Herausforderungen und Belastungen zu bewältigen. Bezogen auf die Work-Life-Balance gilt es, sich durch ein diszipliniertes Zeitmanagement bewusst Zeiträume für Privates zu schaffen, in denen keine Gedanken an die Arbeit verschwendet werden sollen (Hochstrasser, B., 2016, S. 28-30; Siegrist, J., 2013, S. 115).

Was heißt das für die Praxis?

Für die Praxis heißt das: Selbst wenn es verlockend ist, im Urlaub schnell ein paar Mails zu beantworten oder zwischendurch die Umsätze zu checken, so sollten Sie trotzdem fixe Phasen der Freizeit einplanen, in denen Arbeitsinhalte nichts zu suchen haben. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, auch private „Termine“ im Kalender einzutragen und für diese Zeit das Smartphone bewusst beiseitezulegen. Ein sogenanntes „Offine-Gehen“ kann dabei helfen, abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen. Und last but not least sind auch ausreichend Schlaf, körperliche Betätigung (am besten an der frischen Luft) und eine ausgewogene Ernährung wesentliche Faktoren für eine gesunde Work-Life-Balance, – denn nur dann hat der Körper auch genügend Energie, um den hektischen Alltag zu meistern und Arbeit sowie Freizeit unter einen Hut zu bringen! (Demant, C., 2020, S. 389-392).

Literatur

Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/stress-burnout-mann-person-termine-3853148/

Arenberg, P. (2018), Selbst- und Zeitmanagement, Titel Nr. 1410-01, 1. Aufl., Studienbrief der SRH Fernhochschule, Riedlingen.

Wikipedia (2021). Work-Life-Balance. Zugriff am 6.4.2021. Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Work-Life-Balance

Paulus, S. (2020). Work-Life-Balance 4.0 – Zentrale Herausforderungen. In S. Wörwag & A. Cloots (Hrsg)., Human Digital Work – Eine Utopie. Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zur digitalen Transformation der Arbeitswelt. (S. 269-283). Wiesbaden: Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-658-26798-8_15

Lohmer, M. (2013). Burn-Out im Spannungsfeld von Persönlichkeit und Organisationskultur. Psychotherapeut, 58, S. 117-124. https://doi.org/10.1007/s00278-013-0966-8

Berger, M., Schneller, C. & Maier, W. (2012). Arbeit, psychische Erkrankungen und Burn-out. Der Nervenarzt, 83, S. 1364-1372.  https://doi.org/10.1007/s00115-012-3582-x

Beer, A.-M. (2013). Stress­­-Burn-out-Depressionen: Können hier Kräuter helfen? MMW-Fortschritte der Medizin,155, S. 24. https://doi.org/10.1007/s15006-013-2156-6

Korczak, D. & Huber, B. (2012). Burn-out. Kann man es messen? Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, 55, S. 164-171. https://doi.org/10.1007/s00103-011-1404-0

Hochstrasser, B. (2016). Wege aus dem Burn-out und Möglichkeiten der Prävention. Uro-News, 15, S. 26-30. https://doi.org/10.1007/BF03369835

Siegrist, J. (2013). Burn-out und Arbeitswelt. Psychotherapeut, 58, S. 110-116. https://doi.org/10.1007/s00278-013-0963-y

Demant, C. (2020). Erfolgreich ein Software-Startup gründen. Tipps und Erfahrungen eines Tech-Unternehmers (2. Aufl.). Heidelberg, Berlin: Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-662-60954-5