Wie wirkt sich ein „Bürohund“ auf das Arbeitsklima aus?

Die heutige Arbeitswelt ist ständig im Wandel. Sie ist komplex, unsicher und unbeständig. Dadurch müssen sich Mitarbeiter immer wieder mit neuen Rahmenbedingungen und Entscheidungen der Führungs-Etage auseinandersetzen.[1] Neue Abteilungen oder Standorte entstehen, schließen, werden zusammengelegt oder ziehen um. Arbeitnehmer müssen neue Dienstwege in Kauf nehmen und sich neuen Gegebenheiten anpassen. Gleichzeitig haben Arbeitgeber Schwierigkeiten, gut ausgebildetes Personal zu finden. Die wertvollste Ressource der Unternehmen ist der Mensch. Bisher wurde es als unerlässlich angesehen, sich in der Wertschöpfung und im Erfolg von anderen Unternehmen abzuheben. Dazu gehören allerdings auch eine professionelle Mitarbeiterführung und die Herstellung eines produktiven Arbeitsklimas.[2]
Laut einer Umfrage im Auftrag von XING im Oktober 2014 gab ein Drittel der Befragten an, dass es den Arbeitgeber attraktiver machen würde, wenn dieser ein Haustier am Arbeitsplatz erlaube. 53 % der Arbeitgeber würden das auch nicht grundsätzlich ablehnen.[3]Hunde haben eine besondere Bindungsbereitschaft gegenüber dem Menschen. Diese Bindungsbereitschaft, als auch seine Anpassungs- und Lernbereitschaft machen es möglich, dass der Hund den Menschen im Alltag begleiten kann.[4] Hunde geben den Menschen Sicherheit und Geborgenheit. Mit ihrer fast immer guten Laune wirken sie als Stimmungsaufheller. Sie zwingen den Menschen bei jedem Wetter nach draußen und sorgen somit für mehr Bewegung und eine Verbesserung des Immunsystems. Ihre Anwesenheit senkt die Herzfrequenz und den Blutdruck. Außerdem sind sie die besten Seelsorger.[5] Aber was bedeutet die Anwesenheit des Hundes für die Arbeit im Büro und wie wirkt sie sich auf das Arbeitsklima aus?

Diverse Studien belegen die positiven Aspekte, die Bürohunde mit sich bringen. Mitarbeiter sind weniger gestresst, fallen weniger krankheitsbedingt aus und fühlen sich stärker an das Unternehmen gebunden, in das sie ihren Hund mitbringen dürfen. Somit stellt die Anwesenheit einen echten Gewinn für das Unternehmen dar.[6]
Viele Fehltage wegen Krankheit, schlechtes Betriebsklima, die innere Kündigung und die Zunahme von Burn-out wirken sich negativ auf die Produktivität und den Erfolg von Unternehmen aus.[7]
Unter anderem ist es Aufgabe der Unternehmensleitung und der Führungskräfte, auf gesunde Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter zu achten.[8] Mittlerweile bieten viele Unternehmen zudem Möglichkeiten zur Work-Life-Balance an. Das kann Home Office sein, Natur in der Arbeitsumgebung, Vertrauensarbeitszeit, Kaffeemaschinen, gesundheitsorientierte Kurse, wie Yoga und Tai Chi oder eben auch, die Erlaubnis, den Hund mit ins Büro zu nehmen.[9]

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ut eines Artikels der Ärzte Zeitung gelten Hunde als das beste Mittel gegen Bürostress. Durch das Streicheln des Hundes senkt sich der Blutdruck und es werden Glückshormone ausgeschüttet. Nach Meinung von Dr. Roger Henderson leiden Mitarbeiter, deren Hund mit ins Büro darf, weniger unter Kopfschmerzen, Husten, Müdigkeit und Verdauungsproblemen.[10]
Tiere haben also physiologische Wirkungen. Neben der Senkung des Blutdrucks kann die Anwesenheit eines Hundes zur Muskelentspannung und zur Schmerzlinderung führen. Der Kontakt zu Hunden hat außerdem Auswirkungen auf die Wahrnehmung. Die Abstimmung zwischen Menschen und Tieren erfordert Konzentration und Aufmerksamkeit. Durch die Beobachtung der Körpersprache des Hundes wird diese besser wahrgenommen. Hunde fördern zudem die soziale und auch die emotionale Kompetenz. Tierkontakt unterstützt eine realistische Selbsteinschätzung, Selbstvertrauen und eine soziale Sensibilität.[11]
Für Arbeitgeber ergeben sich somit nur Vorteile: Hunde erhöhen die Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer. Hundehalter, die kein Betreuungsproblem haben, wenn sie ihren Hund mit ins Büro nehmen dürfen, schauen nicht ständig auf die Uhr und müssen pünktlich Feierabend machen um ihren Hund Gassi zu führen. Die Produktivität und der Unternehmenserfolg werden gestärkt durch die Senkung des Herzinfarkt- und Schlaganfall- Risikos, durch die geringere Burn-out-Gefahr, die Senkung von psychischen Erkrankungen, durch die Abnahme von Fehltagen und die Einsparung von Krankenkosten bedingt durch kranke Mitarbeiter. Die Hunde regen die Produktion des Glückshormons Oxytocin an und sorgen damit für eine deutliche Verbesserung des Arbeitsklimas. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter wirkt sich positiv auf die Kommunikation aus, motiviert und verbessert das Engagement. Menschen mit einer hohen Ausschüttung an Glückshormonen sind fröhlicher und leistungsfähiger´, was zu einer guten Kollegialität und dem Zusammenwachsen von Teams führt.[12]
Arbeitnehmer haben allerdings keinen Rechtsanspruch darauf, den Hund mitnehmen zu dürfen. Sollte die Unternehmensführung den Hund erlauben, muss der Halter eine Haftpflichtversicherung vorweisen. Zudem ist ein schriftlicher Vertrag von Nutzen, in dem die Regeln und Pflichten des Hundehalters festgehalten werden.[13]

Fazit

Viele wünschen sich, ihren Hund mit zur Arbeit nehmen zu können und auch für den Arbeitgeber liegen die Vorteile auf der Hand. Hunde sind soziale Wesen, die darunter leiden, wenn sie zurückgelassen werden. Möchte jemand seinen Hund mit zur Arbeit nehmen, setzt das einen gut verträglichen und gut erzogenen Hund voraus. Zudem muss der Halter sich seine Zeit anders einteilen. In der Mittagspause muss ein Spaziergang mit Hund eingeplant werden. Es muss die Frage geklärt werden, ob auch die Kollegen mit dem Hund einverstanden sind und es keinen unter ihnen gibt, der Angst oder eine Tierhaarallergie hat. Der Arbeitsplatz sollte hundegerecht gestaltet sein. Es muss genug Platz für den Vierbeiner geben, an dem er sich in Ruhe zurückziehen kann, an dem es weder zu warm, noch zu kalt oder zu zugig ist. Sind die Rahmenbedingungen erfüllt, profitieren alle Seiten davon. Durch den Hund und die Notwendigkeit von Spaziergängen wird die körperliche Fitness, aber auch die psychische Gesundheit verbessert. Ein Hund ist Seelentröster, Gesellschafter und Fitnesspartner. Die Vierbeiner sorgen für Stressabbau, eine höhere Leistungsbereitschaft, mehr Motivation und Engagement. Er regt die Produktion von Glückshormonen an und fördert somit die Kommunikation und Zusammenarbeit. Auch der Hund selber leidet weniger unter Stress, wenn er seinen Menschen begleiten darf.

Fußnoten

[1]Mierke und van Amern 2019, S. 4.
[2] Sterling MacGregor 2007, S. 8.
[3]Wittig und Hares 2019, S. 6.
[4]Schlegl-Kofler 2012, S. 6.
[5] Blümel 2017, S. 36–37.
[6]Sarah Gerlach 2017, S. 20.
[7] Buchenau 2018, S. 7.
[8]Braun und Hillebrecht 2016, S. 40.
[9] Braun und Hillebrecht 2016, S. 50.
[10] Ein Hund im Büro macht die Mitarbeiter gelassener 2001, S. 15.
[11] Friesenhahn, S. 39–40.
[12] Wittig und Hares 2019, S. 45–46.
[13] Sarah Gerlach 2017, S. 20.

Literaturverzeichnis

Blümel, Mariella (2017): Beste Freunde. Beziehungsbuch für Mensch und Hund. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags-Gmbh & Co KG.
Braun, Ellen; Hillebrecht, Steffen (2016): Arbeitsbuch Burnout für Unternehmensberater, Führungskräfte und Betriebsräte. Praktische Hilfen für die Prävention und das Wiedereingliederungsmanagement auf der Basis der Würzburger Burnout-Studie. 1. Auflage, 4 Abb. Mering: Rainer Hampp Verlag. Online verfügbar unter https://www.wiso-net.de/document/EBOK,AEBO__9783957101709112.
Buchenau, Peter (Hg.) (2018): Chefsache Gesundheit I. Der Führungsratgeber fürs 21. Jahrhundert. 2. Auflage. Wiesbaden: Springer Gabler. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-658-16580-2.
Friesenhahn, Johanna: Kommunikation als Basis wirkungsvollen Führungskräfte-Coachings. Dissertation. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-658-16273-3.
Mierke, Katja; van Amern, Elsa (2019): Klare Ziele, klare Grenzen. Teamorientiert Nein-sagen und Delegieren in der Arbeitswelt 4.0. Berlin, Germany: Springer. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-662-56826-2.
Schlegl-Kofler, Katharina (2012): Welpen-Erziehung. Der 8-Wochen-Trainingsplan für Welpen ; plus: Junghund-Training vom 5. bis 12. Monat. 6. Aufl. München: Gräfe und Unzer.
Sterling MacGregor (2007): 111 Tipps für besseres Arbeitsklima. Seien Sie inspirierend! ; ein Ratgeber für Mitarbeiter, Chefs und Menschen. Norderstedt: Books on Demand GmbH.
Wittig, Christiane; Hares, Michaela (2019): Kollege Hund.
Internetquellen
Ein Hund im Büro macht die Mitarbeiter gelassener (2001). In: Ärzte Zeitung 2001, 01.08.2001 (142), S. 15. Online verfügbar unter https://www.wiso-net.de/document/AEZT_000172334.
Sarah Gerlach (2017): Vier Pfoten für ein besseres Klima. In: Personalwirtschaft 2017, 10/2017 (10/2017), S. 20–21. Online verfügbar unter https://www.wiso-net/document/PWI_22B8B2672AD3117BE3A908FABB4A25D.

Beitragsbild: eig. Quelle