Sport und Psyche – ein Dreamteam

Sport ist Mord, oder doch nicht? Viele Menschen sind körperlich aktiv, da sie Freude an der Bewegung haben. Spazierengehen, Radfahren, Wandern in der Natur, Gartenarbeit, … unzählige Tätigkeiten können dabei helfen das Leben zu genießen. Ist durch die körperliche Aktivität die Energiebilanz ausgeglichen, können sich auch Mahlzeiten richtig schmecken lassen. Natürlich auch aufgrund der Fitness und Figur motivieren sich viele dazu, Sport zu betreiben. Sport trainiert die Muskeln.

Aber Sport kann noch mehr!
Sport ist aufgrund seiner multidimensionalen Wirkung eine zentrale Ressource für Körper und vor allem auch den Geist. Durch sportliche Betätigung wird die Widerstandsfähigkeit des Körpers, gegenüber chronischem Stress und generalisierten stressbedingten negativen Anpassungsreaktionen verbessert und der Geist trainiert (vgl.: Mock, 2017, S.79).

Neurowissenschaftler beobachteten eine Produktion des VGF-Gens im Gehirn, welches den gesamten Stoffwechsel aktiviert und die Verschaltung und Flexibilität der Nervenzellen anregt. Durch das VGF-Gen kann sogar ein Schutz vor krankmachenden psychischen Stress produziert werden. Der Glücklichmacher VGF, der beim Sport produziert wird, könnte laut der Fachzeitschrift Nature Medicine ein Ausgangspunkt für die Entwicklung synthetischer Antidepressiva sein (vgl.: Rossbach, 2018, Kapitel, 11.1). Daher haben körperlich aktive Menschen ein geringere Gefahr depressiv zu werden als inaktive. Leichte Depressionen lassen sich sogar mit regelmäßigen Sporteinheiten ähnlich gut behandeln, wie mit einer Medikamentösen Therapie (vgl.: Reimers/Staube/Völker, 2018, S.67).

Auch verändert sich durch Sport der Mix an Botenstoffen im Körper. Besonders zu beachten ist der sinkende Cortisolspiegel, welcher zu mehr Ausgeglichenheit führt (vgl.: Rossbach, 2018, Kapitel 11.1). Ein chronisch erhöhter Cortisolspiegel kann für Abbau von Muskelgewebe, Wachstumshemmung, Diabetes, Bluthochdruck, Hemmung von Immunreaktionen oder Entzündungsreaktionen mitverantwortlich gemacht werden. Schädliche Wirkungen im Hippocampus mussten in Versuchen mit Tieren aber auch bei Menschen festgestellt werden. Ein Zelluntergang des Hippocampus sowie Lern- und Gedächtnisstörungen wurden im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung belegt. Welches weiters auch zu Angst und depressiver Stimmung führen kann (vgl.: Schandry, 2016 in: Herbert, 2017, S. 22). Durch Sport können die schädlichen Auswirkungen auf den Hippocampus minimiert werden (vgl.: Yesil, 2019, Kapitel 6). Sport bildet im Hirnstamm Dopamin, ein Hormon, welches für die Motivation und Belohnung verantwortlich ist (vgl.: Rossbach, 2019, Kapitel 11.1)

Kinder und Jugendliche, die körperlich aktiv sind, bringen im Schnitt besser schulische Leistungen als inaktive. Studien belegen, dass Bewegung die geistige Leistungsfähigkeit verbessert, welches sich auch im Erwachsenenalter beobachten lässt. Das Risiko, später eine Demenz zu entwickeln kann durch sportliche Aktivität reduziert werden (vgl.: Reimers/Staube/Völker, 2018, S.39).

Was ist Sport
Der Begriff „Sport“ kann sehr unterschiedlich verwendet werden. Jegliche Art von Bewegung, welche eine substanzielle Erhöhung des Energieverbrauches induziert, wird der körperlichen Aktivität zugeordnet. Sportaktivitäten werden freiwillig ausgeübt und haben meist persönliche, soziale oder gesundheitliche Gründe (vgl.: Gerber/Fuchs, 2017, Kapitel 2). Aus der Sicht des Leistungssportes präsentiert sich sportliches Training als planmäßig und sachorientierte Entwicklung der Leistungsfähigkeit um im Wettkampf Bestleistungen zu erbringen (vgl.: Weinek, 2010, S. 21).

Wieviel Sport ist nötig
Es genügt ein regelmäßiger, moderater, aber nicht zu langer Ausdauersport um die Signalleitungen zwischen den Nervenzellen zu verbessern. Neurowissenschaftler beobachteten eine Bildung neuer Gehirnzellen im Stirnhirn, so wie eine Förderung der Synapsenbildung im Hippocampus durch regelmäßige sportliche Bewegung (vgl. Rossbach, 2019, Kapitel 11.2). Wieviel Sport benötigt wird, um stressassoziierte Erkrankungen vorzubeugen oder weniger Stress zu fühlen ist noch nicht weitreichend erforscht. Studien über Bewegungsempfehlungen beziehen sich meist darauf, Herz- Kreislauferkrankungen vorzubeugen, jedoch weniger auf eine Stressprävention. Dennoch existieren Studien, die zeigen, dass ein präventiver und therapeutischer Effekt von Sport und Bewegung bereits nach wenigen kleinen Einheiten auftritt. Sie sollten mindestens 30 Minuten lang sein und den Körper außer Atem bringen (vgl.: Gerber/Fuchs, 2017, Kapitel 5.5).

Fazit
Aus praxisbezogener Sichtweise weiß man, dass eine einzige Trainingseinheit eine stressmildernde Wirkung von etwa 4 Stunden nach sich zieht. Auch das Potenzial von Sport und Bewegung für die Behandlung von stressbezogenen Krankheiten ist anerkannt. Leider wird es in der Praxis noch nicht ausreichend genutzt. Die Erfassung körperlicher Aktivität und der Fitness sollte ein Standardverfahren bei der Stressbehandlung darstellen. Ebenso wie die Berücksichtigung, dass gestresste Personen besonders viel Überwindungskraft einsetzten müssen, um Sport in den Alltag zu integrieren.

Mithilfe motivational-volitionaler Bewegungsberatungsangeboten bei stressgeplagten Menschen könnten Fertigkeiten aufgebaut werden, die auch in stressreiche Lebenssituationen körperliche Aktivität zulassen. Diese können durch formulieren von spezifischen Trainingsplänen, die Festlegung persönlicher Ziele, beziehungsweise durch die Identifikation persönlicher Bewegungsbarrieren und Gegenstrategien ausgearbeitet werden (vgl.: Gerber/Fuchs, 2017, Kapitel 6). Durch die körperliche Bewegung sinkt der Stress dadurch sind Körper und Geist vorbereitet für neue Herausforderungen. Auch präventiv ist es sinnvoll Sport zu betreiben, um Stress und damit verursachte Krankheiten gar nicht aufkommen lassen zu können.

Literaturverzeichnis
Gerber, M., & Fuchs, R. (2017). Handbuch Stressregulation und Sport. Berlin Heidelberg: Springer Link.
Herbert, B. M. (2017). Spezialgebieter der Biologischen Psychologie. Riedlingen: SRH Hochschulen The Mobile University.
Mock, T. (2017). Gesundheitsmanagement für Unternehmensberatung. Wiesbaden: Springer Fachmedien.
Reimers, C. D., Staube, A., & Völker, K. (2018). Patienteninformationen Sport in der Neurologie – Empfehlungen für Ärzte; Mit den häufigsten Begleiterkrankungne. Berlin Heidelberg: Springer.
Rossbach, G. (2019). Glücksorgan Gehirn. Berlin, Heidelberg: Springer Link.
Schandry, R. (2016). Biologische Psychologie (4., überarbeitete Auflage). Weinheim: Beltz.
Weinek, J. (2010). Optimales Training, Leistungsphysiologische Trainingslehre unter besonderer Berücksichtigung des Kinder- und Jugendtrainings. Balingen: Spitta Verlag.
Yesil, N. A. (2019). Knach dein Gehirn für Deinen Erfolg! Berlin Heidelberg: Springer Link.

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