Rassismus ist kein Vorurteil

Rassismus ist ein umstrittenes und viel diskutiertes Thema. Menschen werden wegen ihrer Abstammung, ihrer Hautfarbe oder anderen äusserlichen Beschreibungen diskriminiert oder gar ausgegrenzt. Doch was genau steckt hinter Rassismus, wie kommt es zu ihm und lässt er sich ausschalten?

In der Literatur variiert die Definition von Rassismus zwischen Engführungen und weiten Fassungen in einer schier unübersichtlichen Vielfalt. In diesem Blogeintrag wird der Rassismus als eine Lehre definiert, die hierarchische Unterscheidungen von Menschen vornimmt. Diese Unterscheidungen basieren auf biologischen Merkmalen, die als für das soziale Zusammenleben und gesellschaftlichen Fortschritt wesentliche Voraussetzungen missverstanden werden. Durch diese Gedankenkonstruktion werden Trennungen an einer Beteiligungsachse vorgenommen, sodass sich auf der einen Seite eine «überlegene» und somit «herrschende» Gesellschaft bildet; auf der anderen Seite steht die als «unterlegen» dargestellte Gesellschaft. (Auma, 2018, S. 1-2) Alltägliche Wahrnehmungsfilter sind dafür verantwortlich, wie eine soziale Situation eingeschätzt und auf zwischenmenschlicher Ebene verarbeitet wird. Diese Filter beruhen auf sozial Erlerntem und bilden somit tief verankerte strukturelle Ungleichheiten und Denkmuster ab, welche meist unhinterfragt und auch unbewusst über Generationen weitergegeben werden. (Beck, 2021, S. V) Die hierarchische Unterscheidung in «über- und unterlegene» Gesellschaft findet also statt – unabhängig davon, ob diese gesellschaftlichen Gruppen existieren oder nicht. (Auma, 2018, S. 2)

Es gibt nicht nur die eine Art von Rassismus. Der Rassismus kennt viele verschiedene Gesichter und kann sich gut tarnen. Er äussert sich also nicht zwingend in Form von eklatanten Übergriffen oder Erniedrigungen. Rassismus erscheint auch subtil; er kann diskursiv verschleiert oder sprachlich relativiert werden, sodass er von den Betroffenen fälschlicherweise bagatellisiert wird. Besonders tückisch wird es, wenn der Rassismus schmeichlerisch vorkommt. Wenn einer Gesellschaftsgruppe vermeintlich besonders positive Eigenschaften zugeschrieben werden, wird von positivem Rassismus gesprochen. Positiver Rassismus, weil besonders positive Eigenschaften im Umkehrschluss durchaus auch schnell ins Negative kippen können. (Peterlini, 2020, S. VI-VIII) In dieser Aufzählung darf der umgekehrte Rassismus nicht ausser Acht gelassen werden. Der umgekehrte Rassismus kommt hauptsächlich innerhalb der Minderheiten vor und zielt gegen die Mehrheit. Auch wenn Rassismus in unterschiedlichen Erscheinungsformen auftritt, hat er immer die gleiche Basis. Durch Rassismus wird versucht, eine Differenz herzustellen, diese zu markieren und sie schliesslich zu hierarchisieren. Die eigentliche und wesentliche Funktion ist es also, soziale Grenzen zu ziehen. (Auma, 2018, S. 11)

Um die häufig komplexe Umwelt möglichst einfach zu strukturieren, werden Personen verschiedenen Gruppen mit entsprechenden Merkmalszuschreibungen zugeordnet. Diese Stereotypen dienen als Hilfe zur sozialen Orientierung und vereinfachen es, Verhalten und Einstellungen von Personen einer Gruppe auf subjektive Art und Weise zu beschreiben und vorherzusagen. Stereotype sind besonders in Situationen, in denen kaum Ressourcen vorhanden sind, von grossem Nutzen. Stereotypen werden vorschnell gebildet und entsprechen meist nicht der Realität. Sie können sowohl positiver, neutraler oder negativer Valenz sein. Bei Vorurteilen stehen hingegen negative Komponente im Vordergrund und der emotionale Aspekt ist stark ausschlaggebend. Vorurteile sind negative Haltungen gegenüber Menschen aufgrund einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit. Sobald Vorurteile auf feindselige oder abwertende Weise geäussert werden, schwängen sie in Rassismus über. (Fischer, Jander & Krueger, 2018, S. 116-118)

Der Gedanke, Rassismus von heute auf morgen beenden zu können wäre vermessen. Hierfür werden Menschen weltweit viel zu lange schon aufgrund ihrer Abstammung, ihrer Hautfarbe oder anderen äusserlichen Beschreibungen diskriminiert und ausgegrenzt. Dafür kann aber jede einzelne Person seinen Teil dazu beitragen, gegen den Rassismus anzukämpfen. Sei es indem eingegriffen wird, wenn eine andere Person Diskriminierung erfährt oder indem gegen seine eigens gebildeten Stereotypen und Vorurteile angekämpft wird und Fremden gegenüber offen ist und auf sie zu geht, anstatt sie zu meiden.

Literaturverzeichnis

Auma, M.M. (2018). Rassismus: Eine Definition für die Alltagspraxis. Berlin: Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V.

Beck, C. (2021). Soziale Arbeit und Antiziganismus – Dethematisierung und Deproblematisierung gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Wiesbaden: Springer VS.

Fischer, P., Jander, K. & Krueger, J. (2018). Sozialpsychologie für Bachelor (2. Auflage). Berlin Heidelberg: Springer.

Peterlini, H.K. (2020). Geleitwort. In: Hill, M. (2020). Migrationsfamilien und Rassismus – Zwischen Ausschliessungspraxen und Neuorientierung. Wiesbaden: Springer VS.

Bildquelle

TheVisualsYouNeed, 1270777789, https://www.shutterstock.com/image-photo/multiracial-group-black-african-american-caucasian-1270777789