Migräne und Darmbakterien – Eine heiße Spur auf der Suche nach Erklärungen.

Kopfschmerzen, Migräne – jeder kennt das unangenehme Gefühl! Doch was genau steckt dahinter? Die neuesten Forschungen haben jetzt einen Zusammenhang von Migräne und Darmbakterien nachgewiesen. Der Durchbruch?

Was ist überhaupt Migräne?

Die Migräne ist eine stärkere Form der Kopfschmerzen, welche in Episoden auftreten.

Die Internationalen Kopfschmerzgesellschaft IHS hat verschiedene Merkmale zusammengefasst, welche grundlegend für die Diagnostik einer Migräne ohne Aura sind. Das erste Merkmal sind das Vorliegen von mindestens fünf Kopfschmerzattacken des Kriteriums B, welche circa 4-72 Stunden anhalten. Zudem müssen zwei der folgenden Merkmale zutreffen: Der Schmerz muss einseitig lokalisiert sein, einen pulsierenden Charakter und eine mittlere oder starke Schmerzintensität haben sowie sich durch körperliche Routineaktivitäten verstärken lassen. Zudem lassen sich weitere Symptome (wie Übelkeit, Erbrechen, Photophobie oder Phonophobie) bemerken. Zudem zählt, dass Migräne-Kopfschmerzen nicht auf andere Krankheiten zurückzuführen sind.[1]

Abgesehen von der Migräne ohne Aura lassen sich zwei weitere Formen abgrenzen: Die chronische Migräne, welche Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat (über mindestens 3 Monaten hinweg) indiziert[2], sowie die Migräne mit Aura, welche mindestens 2 Kopfschmerzattacken des Kriteriums B umfasst[3].

Inwiefern hängen jetzt die Darmbakterien mit der Migräne zusammen?

Die Ursachen einer Migräne wurden bis heute nicht erforscht – Vermutungen zur Folge spielen die Lebensumstände (Umweltfaktoren, Nahrung, Stress, Menstruation, etc.[4]) bei der Entstehung und Verstärkung der Migräne eine große Rolle. Neueste Forschungsprojekte stellen die Migräne jetzt in einen engen Zusammenhang mit den Darmbakterien. Doch wie kann man sich das vorstellen?

Schon lange ist den Forschern eine Verbindung von Darm und Gehirn bekannt: die sogenannte „Darm-Hirn-Achse“. Diese umfasst alle möglichen, wechselseitigen Kommunikationswege der beiden Organe mittels Nerven, Hormonen und Entzündungsmolekülen[5]. So kennt man zum Beispiel das Bauchgefühl bei Entscheidungen oder das Kribbeln im Bauch, wenn man verliebt ist. Diese Phänomene stellen eine eindeutige Verbindung des Gehirns mit dem Darm dar: Die Darmbakterien haben Einfluss auf das Gehirn (wie zum Beispiel das Potenzial, Emotionen zu verändern), andererseits haben die momentane Stimmung und der situative Stress Auswirkungen auf die Darmbakterien[6].

Bei Störungen des natürlichen Gleichgewichts der Darmbakterien, einer sogenannten Dysbiose, hat man nun Verbindungen zu „Asthma, zu Ekzemen, zu Morbus Crohn, multipler Sklerose, Autismus“[7] und vielen weiteren Krankheiten gefunden. Könnte dieses Ungleichgewicht nun auch eine Migräne auslösen?

Forscher haben dazu erste Vermutungen aufgestellt: Die Beeinflussung der Migräne durch den Darm wird jetzt auf nitrathaltige Nahrungsmittel zurückgeführt. Solche sind zum Beispiel verarbeitete Fleischprodukte, Fischkonserven, manche Käsearten oder Bier[8].

Die Darmflora von Migränepatienten sei nun diesbezüglich unterschiedlich, dass hier mehr Bakterien, welche für die Nitrat-Nitrit-Umwandlung zuständig sind, vorhanden sind. Diese Vielzahl an Bakterien, in Zusammenhang mit dem herrschenden Ungleichgewicht in der Darmflora, können daher eine Migräne auslösen[9].

Fazit

Die Forschungsergebnisse zum Zusammenhang von Migräne und Darmbakterien sind ein ernst zu nehmender Erklärungsversuch eines Phänomens, welches den Alltag vieler Menschen bestimmt.

So könnten Erkenntnisse zu genauen Prozessen hier einen Durchbruch schaffen – und das nicht nur in der Behandlung und Kontrolle der Krankheit, sondern ebenfalls in deren Prävention. So könnte in Zukunft auf Medikamente zur Hemmung von Kopfschmerzen verzichtet werden und stattdessen effizientere Mittel zur Herstellung eines Gleichgewichts der Darmbakterien eingeführt werden.

Erste Ansätze kann man jedoch schon beobachten: So kann man seit einiger Zeit die sogenannten „Aktiv-Jogurts“ erwerben, welche das „Wachstum gesunder Mikroben im Verdauungstrakt vorteilhaft beeinflussen“[10] und somit das Immunsystem stärken und Krankheiten vorbeugen[11].

Jedoch sind hier in Zukunft noch viele genaue Forschungen und Studien notwendig!