Hypnose – Definition, Abgrenzung, Möglichkeiten

Wenn man von Hypnose hört, dann fallen einem allerlei Dinge dazu ein. Die meisten denken dabei an einen Mann mit Pendel, der Leute auf einer Bühne in einen plötzlichen Schlaf versetzt und sie alle möglichen Dinge tun lässt, die ein normaler Mensch in der Öffentlichkeit nie machen würde. Jedoch zeigt allein dies, wie viele Fehlinformationen und Vorurteile über Hypnose in der Gesellschaft kursieren.

In diesem Beitrag sollen diese Vorurteile aufgeklärt werden und die Hypnose als Therapieform gegenüber anderen Arten abgegrenzt werden.

1. Definition

Die Frage, die sich eingangs stellt ist: Was ist überhaupt Hypnose? Myers definiert Hypnose als „soziale Interaktion, in der eine Person (der Hypnotiseur) einer anderen (dem Hypnotisierten) suggeriert, dass bestimmte Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken oder Verhaltensweisen spontan auftreten.“[1] Etwas genauer handelt es sich um die Beeinflussung des Verhaltens und verschiedener Erkrankungen durch posthypnotische Aufträge, die hier Suggestionen genannt werden.[2] Das Wort Hypnose kommt aus dem griechischen und stammt von dem Wort Hypnos ab. Dieses bezeichnete den Gott des Schlafs. Trotz dieser Bedeutung hat Hypnose wenig mit Schlaf zu tun. Sie wird lediglich so bezeichnet, da hypnotisierte Personen meist aussehen als wären sie in einem schlafähnlichem Zustand. Die von Myers benannten Aspekte, die spontan während der Hypnose auftreten, kommen aus einem veränderten Bewusstseinszustand, der durch spezielle Fähigkeiten charakterisiert ist. Eine davon ist die Reaktion auf Suggestionen meist mit Veränderungen wie Myers es bereits eingangs erläutert hat. Wird eine eben hypnotisierte Person gefragt, wie sie die Hypnose wahrgenommen hat, so antworten die meisten, dass sie während der Hypnose ohne bewusste Steuerung sind.[3] Es ist wichtig zu beachten, dass hypnotisiert sein nicht gleich Kontrollverlust bedeutet. So wird davon ausgegangen, dass der hypnotische Zustand eher hilft, Kontrolle über den Körper und den Verstand zu erlernen. Der Hypnotiseur ist dabei weniger ein Beeinflusser und mehr ein Coach oder Begleiter.[4] Es ist wichtig zu erwähnen, dass eine Suggestion einen niemals dazu bringen könnte etwas zu tun, was man nicht will. Die Suggestionen werden vom Bewusstsein geprüft und mit dem aktuellen und idealen Ich abgeglichen, stimmt dies nicht überein, wirkt die Suggestion nicht.[5]

 

Ein wichtiger Aspekt bei der Hypnose ist die Hypnotisierbarkeit der Person. Dabei handelt es sich um das Maß, nach welchem ein Individuum auf Suggestionen reagiert und / oder hypnotische Reaktionen während einer Hypnose zeigt.[6] Es wird davon ausgegangen, dass 50-60% aller Menschen sich auf Anhieb hypnotisieren lassen. Die restlichen 40-50% benötigen ein gewisses Training bevor der hypnotische Zustand hergestellt werden kann.[7] Die Stärkte der hypnotischen Reaktion kann dabei stark von Person zu Person variieren.[8] Hypnotisierbarkeit wird als normale Eigenschaft eines gesunden Menschen betrachtet. Es konnte festgestellt werden, dass Hypnotisierbarkeit durch Aspekte wie Neurotizismus oder eine positive Therapeuten-Beziehung begünstigt werden kann.[9] Die stärkste Verbindung konnte zwischen Absorption und Hypnotisierbarkeit gefunden werden. Bei Absorption handelt es sich um die „Fähigkeit eines Menschen, sich in imaginären oder sensorischen Erfahrungen zu verlieren“.[10] Die Hypnotisierbarkeit kann durch die „Stanford Hypnotic Susceotibility Scale“ gemessen werden.[11]

Um eine Hypnose zu beginnen muss diese vorerst induziert werden. Bei einer Induktion handelt es sich um vorbereitende Aktivitäten, um den Patienten auf die kommende Hypnose zu fokussieren und seine Aufmerksamkeit zu erhalten.[12] Durch Methoden wie das Fixieren eines Punktes oder die Konzentration auf den Atem werden Ablenkungen ausgeblendet und die Person in einen s.g. Trancezustand versetzt.[13] Dabei handelt es sich um verschiedene Merkmale, die auch die Tiefe des hypnotischen Zustandes anzeigen können. Die Tiefe wird in drei Stufen geteilt:

  1. Somnolenz (Schläfrigkeit): Eine leichte Trance, die sich durch eine beruhigte Atmung und einen Entspannungszustand auszeichnet.
  2. Hypotaxie: Eine mittlere Trance. Hierbei kommt es zur Bewegungsunfähigkeit des Patienten.
  3. Smonambulismus: Eine tiefe Trance. Dieser Zustand wird auch als Schlafwandeln bezeichnet. Es handelt sich also um einen schlafenden Wachzustand.[14]

Barber konnte bei seinen Untersuchungen der Hypnose vier Phänomene feststellen, die währenddessen auftreten. Diese sind:

  • Erhöhte Reaktionsbereitschaft auf Suggestionen
  • tranceartiges Erleben und Gefühl
  • Änderung des Körpergefühls
  • subjektive Aussage, hypnotisiert worden zu sein

Er konnte diese vier Aspekte auf neun Variablen zurückführen, welche sich zwei unterschiedlichen Gruppen zuordnen lassen. Diese Gruppen sind zum einen die positive Einstellung, Motivation und Erwartung des Patienten und zum anderen das aktive Mitdenken und die lebendige Vorstellung des gesagten durch den Patienten. Dem zugeordnet wurden neun Variablen, die auftreten, wenn eine Person diese vier Phänomene erlebt:

  • Definition der Situation als Hypnose
  • Abbau von Angst und Fehlvorstellungen durch den Therapeuten
  • Sicherung der Kooperationsbereitschaft durch den Therapeuten
  • Schließen der Augen
  • Suggerieren von Entspannung und Schlaf
  • maximieren der sprachlichen und stimmlichen Charakteristik der Suggestion
  • Paaren der Suggestionen mit real auftretenden Ereignissen
  • Anregung zielgerichteter Vorstellung
  • Vermeiden oder Neuinterpretation von mangelndem Suggestionserfolg[15]

2. Funktion

Die Hypnose kann in verschiedenen Situationen angewendet werden. Am häufigsten wird sie allerdings bei der Schmerztherapie angewandt. Ganz oft ist sie auch in Verbindung mit verschiedenen anderen Therapieformen, wie der EMDR zu finden.[16] Da die Hypnose Angst und Antizipation lindern kann wird oft eine hypnotische Analgesie angewandt. Dabei handelt es sich um eine Schmerzlinderung durch den hypnotischen Zustand. Oftmals wird auch während der Hypnose eine Schmerzkontrolle erlernt, welche ebenfalls zur Linderung eingesetzt werden kann.[17]

Wird die Hypnose angewandt, um ein Leiden zu verbessern so wird von der Hypnotherapie gesprochen. Dabei soll durch konzentrierte Aufmerksamkeit bei dem Patienten ein Suchprozess in seinem eigenen Körper und seinem Bewusstsein angeregt werden. Mögliche Ziele der Therapie sind z.B. Veränderung des Zeiterlebens, Regression und Progression oder Dissoziation. Diese Therapieform wird meist in einem großen Behandlungsplan als Kurztherapie integriert und kann sowohl von Heilpraktikern als auch von Psychotherapeuten mit entsprechender Ausbildung durchgeführt werden. Die Wirksamkeit ist nicht eingehend untersucht, jedoch konnte bereits eine gute Wirksamkeit bei der Behandlung von Schmerzen, Schlafstörungen und psychosomatischen Beschwerden gefunden werden.[18]

Doch wie funktioniert Hypnose überhaupt? Wissenschaftler sagen, dass ein Hypnotisierter vergleichbar mit einem Kind ist, welches sich von seinen Eltern führen lässt. Der Hypnotiseur stellt in diesem Fall einen strengen Vater oder eine liebevolle Mutter dar.[19] Es gibt mehrere Theorien, wie die Hypnose funktioniert. Dabei stehen oftmals Aspekte wie die erhöhte Motivation und der Placebo-Effekt im Vordergrund.[20] Es konnte bisher nur festgestellt werden, dass Menschen mit einer hohen Hypnotisierbarkeit ein größeres Areal des Corpus Callosum aufwiesen. Dieses Areal ist für Aufmerksamkeit zuständig und hemmt störende Reize.[21]

4. Abgrenzung

Es gibt viele verschiedene Arten von Entspannungszuständen, die oftmals der Hypnose zugeordnet werden, aber keine sind. Dazu gehört die Show-Hypnose, die eingangs bereits erwähnt worden ist, die Meditation, Autogenes Training und die Selbsthypnose.

 

Die Show-Hypnose bezeichnet eine Art der Hypnose, die lediglich auf die Unterhaltung eines Publikums ausgerichtet ist. Der Hypnotiseur lebt dabei von dem Unterhaltungsfaktor. Der medizinische Faktor ist dabei vollkommen außen vor. Hypnotisierte sind meist exhibitionistische Menschen, welche von Hypnotiseuren gezielt aus der Menge herausgesucht werden. Auf der Bühne werden sie dann durch die Induktion eines schnellen und tiefen Trancezustandes zu Dingen gebracht, die sie normalerweise in der Öffentlichkeit nicht tun würden. Zu beachten ist, dass auch hier die Menschen nichts gegen ihren Willen tun könnten.[22]

In der Hypnose kann theoretisch jeder behandelt werden, der sich hypnotisieren lässt, bei der Show-Hypnose braucht der Hypnotiseur ganz spezielle Leute, welche sich schnell und sehr leicht hypnotisieren lassen, um den Unterhaltungsfaktor aufrecht zu erhalten.

 

Die Meditation ist von außen betrachtet der Hypnose sehr ähnlich. Aspekte sind z.B. Schweigen, Entspannung und ein s.g. inneres Lauschen.[23] Es wird dabei zwischen einer konzentrativen und einer achtsamen Meditation unterschieden. In der konzentrativen Meditation ist das Ziel, den Geist von allen Gedanken zu befreien (Steuerung mentaler Prozesse) und das Konzentrieren auf die eigene Atmung. Bei der achtsamen Meditation sollen Gedanken kommen und gehen können, Ziel ist die reine Beobachtung des Körpers und der eigenen Gedanken. Bei beiden Methoden soll Selbsterkenntnis erlangt werden und das Wohlbefinden gesteigert werden.[24] Es wird oft bei Angst-, Spannungs- und Stresszuständen induziert und kann auch bei Bluthochdruck helfen.[25]

Die größte Unterscheidung zwischen Hypnose und Meditation ist die Anwesenheit eines Hypnotiseurs. Dieser wird bei der Meditation nicht benötigt. Dazu kommt, dass die Mediation eine andere Intention und Induktion besitzt als die Hypnose. Sie wird eher bei Stress angewandt und soll helfen den Körper zu entspannen und runter zu fahren, während bei der Hypnose aktiv an verschiedenen Aspekten gearbeitet werden soll.

Der Meditation sehr ähnlich ist das autogene Training. Dies ist, ebenso wie die Meditation, ein Verfahren von konzentrierter Selbstentspannung. Es soll durch verschiedene Übungen eine Sensibilisierung für körperliche und mentale Prozesse erlernt werden. Das Lernen erfolgt dabei durch gezielte Beeinflussung bestimmter Bereiche im Körper. Ähnlich wie die Hypnose wird das autogene Training bei Schlafstörungen, psychosomatischen und psychovegetativen Störungen induziert.[26]

Das autogene Training funktioniert ähnliche wie die Meditation, jedoch ist hier die Intention der Hypnose ähnlich. Das Ziel etwas zu lernen besteht auch bei der Hypnose.

 

Als letztes lässt sich noch die Selbsthypnose, oder auch Autohypnose von der gängigen Hypnose unterscheiden. Ähnlich wie bei den beiden vorherigen Unterscheidungen, handelt es sich auch hier um einen Selbst induzierten Prozess. Es wird kein Hypnotiseur benötigt um die Person in einen Trancezustand zu versetzten. Ansonsten unterscheidet sich die Selbsthypnose in Ziel und Ablauf kaum von der regulären Hypnose.[27] Ablauf und Abwesenheit des Hypnotiseurs lassen Selbsthypnose wie eine Meditation wirken. Der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Arten könnte aber auf die Zielsetzung zurückgeführt werden. Die Selbsthypnose zielt auf Veränderungen der Persönlichkeit oder Verhaltensweisen ab, während die Meditation als Stressreduktion und Selbstbeobachtung betrachtet werden kann.

 

5. Fazit

Aus der aufgeführten Erklärung lässt sich erkennen, dass es sich bei der Hypnose um ein legitime Methode der Psychotherapie handelt, welches immer mehr an Zuspruch, auch von Seiten der Psychotherapeuten, gewinnt. Dies kommt primär durch die gute Evidenz im Bereich der Schmerztherapie. Es gibt allerdings auch andere Therapien, bzw. Methoden, die der Hypnose sehr nahekommen und meist keinen Mediator benötigen. Es sind hilfreiche Methoden, die heute viele Menschen in ihren Alltag eingebaut haben, um Zustände wie Stress oder Spannung zu bekämpfen und daher auch in vielen Bereichen der Gesundheitspsychologie und im Patientencoaching Anklang finden.

 

Fußnoten:

[1] Myers, 2014, S. 115

[2] Stapf & Häcker, 2009, S. 444–445

[3] Gerrig, 2016, S. 184

[4] Gerrig, 2016, S. 186

[5] Stapf & Häcker, 2009, S. 444

[6] Gerrig, 2016, S. 185

[7] Stapf & Häcker, 2009, S. 444–445

[8] Gerrig, 2016, S. 185

[9] Stapf & Häcker, 2009, S. 444–445

[10] Gerrig, 2016, S. 185

[11] Myers, 2014, S. 116

[12] Gerrig, 2016, S. 185

[13] Stapf & Häcker, 2009, S. 444–445

[14] Stapf & Häcker, 2009, S. 445

[15] Stapf & Häcker, 2009, S. 445

[16] Stapf & Häcker, 2009, S. 445

[17] Gerrig, 2016, S. 185

[18] Stapf & Häcker, 2009, S. 446

[19] Stapf & Häcker, 2009, S. 445

[20] Gerrig, 2016, S. 184

[21] Gerrig, 2016, S. 185

[22] Gerrig, 2016, S. 186

[23] Stapf & Häcker, 2009, S. 602

[24] Gerrig, 2016, S. 187

[25] Stapf & Häcker, 2009, S. 625

[26] Stapf & Häcker, 2009, S. 100

[27] Stapf & Häcker, 2009, S. 100

 

Quellenverzeichnis:

Gerrig, R. J. (2016). Psychologie (20. Auflage). Hallbergmoos: Pearson Verlag.

 

K.A. (2019). Autosuggestion. Abgerufen 15.11.2019, von https://de.wikipedia.org/wiki/Autosuggestion

 

Myers, D. G. (2014). Psychologie (3. Auflage). Berlin, Heidelberg: Springer Verlag.

 

Stapf, K.-H., & Häcker, H. O. (Hrsg.). (2009). Dorsch Psychologisches Wörterbuch (15. Auflage). Bern: Hans Huber Verlag.

 

Quelle Titelbild:

https://pixabay.com/de/photos/hypnose-selbsthypnose-suggestiv-75615/