FOMO – Was Freizeitstress mit uns macht & wieso das Ende des Lockdowns ein Auslöser ist

Gestern war der Tag, auf den alle Österreicherinnen und Österreicher lange gewartet haben – das Ende des Corona-Lockdowns, was bedeutet, dass Gastronomie, Hotellerie und auch der Kultureinrichtungen wieder ihre Türen öffneten. Nach monatelangem Bangen um das fehlende Einkommen und den Verlust von Arbeitskräften kann wieder aufgeatmet werden. Auch wenn der Anblick der vollen Cafés, Bars, Restaurants etc. nach einer so langen Zeit des Verzichts und des „Social Distancings“ gewöhnungsbedürftig ist, geben die ÖsterreicherInnen an, sich am meisten auf ein normales Treffen mit Freunden zu freuen und ebenso wieder die Lieblingslokale besuchen zu können und halten sich an die Auflagen der 3 G’s, die für getestet, geimpft oder genesen stehen. (DerStandard, 2021) So erfreulich diese langersehnte Wendung auch ist, wird sie für einige auch als Rückkehr des Privatstress empfunden. Die Angst etwas verpassen zu können, die auch unter dem Begriff „FOMO (fear of missing out)“ bekannt ist, schleicht sich durch die erneute Möglichkeit der Freizeitaktivitäten in die Köpfe vieler Jugendlichen und auch Erwachsenen, was das Ende des Lockdowns zum Stressfaktor macht.

Was bedeutet FOMO?

FOMO ist ein Akronym, welches für die „fear of missing out“, also für die Angst etwas zu verpassen, steht. Beschrieben wird damit die zwanghafte Sorge eine soziale Interaktion, eine ungewöhnliche Erfahrung oder ein anderes positives Ereignis zu verpassen und dadurch nicht mehr auf dem Laufenden zu bleiben. (Stangl, 2021) Wieso dieser Gedanke gerade jetzt mit dem Ende des Lockdowns wieder verstärkt auftauchen könnte, liegt daran, dass die Auswahl der Gestaltungsmöglichkeiten des Alltags plötzlich wieder ins Unermessliche steigen, wodurch sich die Menschen, die von FOMO betroffen sind, das Gefühl haben unter Druck zu stehen, da man sich ausschließlich falsch entscheiden könnte. (Stangl, 2021)

Wer ist davon betroffen?

Die Angst zu haben, etwas zu verpassen kann natürlich jeder empfinden, weshalb Menschen jeden Alters und Geschlechts davon betroffen sein können. Besonders verbreitet ist FOMO jedoch bei jungen Erwachsenen, was hauptsächlich an der verstärkten Nutzung der sozialen Netzwerke (Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter) liegt. (IONOS, 2021) Statistiken zeigen, dass Instagram, beispielsweise hauptsächlich von 18-34 Jährigen genutzt wird. (NapoleonCat, 2021) Ob ein Besuch im Lieblingsrestaurant, ein Nachmittagskaffee oder ein Ausflug in die Berge – fast alles wird in sozialen Netzwerken in Echtzeit geteilt, was uns einen Einblick in das Leben anderer Personen gewährt. Durch das ständige Verfolgen der Aktivitäten anderer wird man zum Vergleich verführt, weshalb die Sorge entsteht, andere könnten mehr Spaß haben, Interessanteres erleben und Neueres erfahren als man selbst (Stangl, 2021). Durch amerikanische Studien wurde belegt, dass das negative Gefühl sich insbesondere später am Tag und später in der Woche während der Erledigung unverzichtbarer Aufgaben wie Lernen oder Arbeiten empfunden wird. (Milyavskaya, Saffran, Hope, Koestner, 2018, S. 737) Die Folgen dessen sind auf keinen Fall zu unterschätzen, denn FOMO kann neben Stress zu Schlafproblemen, Konzentrationsstörungen, innerer Unruhe sowie depressiven Verstimmungen und psychosomatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schweißausbrüchen führen. (IONOS, 2021)

Welche Rolle das Ende des Lockdowns spielt

Sieben Monate war die Gastronomie in Österreich aufgrund des Lockdowns geschlossen, was Treffen mit Freunden in Restaurants, Bars, Cafes, Aufenthalte in Hotels oder auch den Besuch von kulturellen Veranstaltungen unmöglich machte. (Kurier, 2021) Die Auswahl der Möglichkeiten, wie man seine freie Zeit gestaltet wurde demnach sehr eingeschränkt, wodurch zweifellos viele Menschen Langeweile und Einsamkeit empfunden haben. Zu erwähnen ist jedoch, dass man dadurch mehr Zeit für die Dinge schaffen konnte, die sonst zu kurz kommen. Die Work-Life-Balance war plötzlich einfacher zu organisieren, da man nahezu gezwungen war seine Zeit sinnvoll zu investieren und kaum das Gefühl hatte, etwas verpassen zu können.

Tipps, um die FOMO zu überwinden

  1. Offline-Zeiten – Mediennutzung bewusst reduzieren
  2. Vergleiche vermeiden – Dankbar sein für das was man schon hat
  3. Erlebnisse bewusster genießen – alles zu etwas Besonderen machen
  4. Qualität > Quantität – setze auf echte enge Freundschaften statt auf viele Bekanntschaften
  5. Lernen nein zu sagen – bewusst Zeit für sich selbst einplanen (Selfapy, 2021)

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass FOMO ein neues Belastungsphänomen ist, was durch den ständigen Vergleich mit anderen zu einer tatsächlichen psychischen oder sogar physischen Belastung werden kann. (Stangl, 2021) Zu erwähnen ist jedoch, dass Zeit ein begrenztes Mittel ist und es deshalb normal ist, das beste daraus machen zu wollen. Sobald man jedoch krankhaft empfindet seine Zeit zu vergeuden, sollte man sich jedoch anderen anvertrauen oder sich an die oben genannten Tipps halten, um die neuen Möglichkeiten des beendeten Lockdowns genießen zu können, anstatt sich den Kopf darüber zu zerbrechen.

Literatur

Der Standard (2021) „Große Öffnungsschritte und viel Kleingedrucktes“
WWW: https://www.derstandard.at/story/2000126747259/groesse-oeffnungsschritte-und-viel-kleingedrucktes-was-ab-heute-gilt

Ionos (2021) „Fear of missing out (FOMO): Definition, Ursache und Ausweg”
WWW: https://www.ionos.de/digitalguide/online-marketing/social-media/fomo-fear-of-missing-out/

Stangl, W. (2021). Stichwort: ‚Fear Of Missing Out – FOMO – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/17010/fear-of-missing-out-fomo/ (2021-05-20)

NapoleonCat (2021) „Social Media Users in Austria“
WWW: https://www.napoleoncat.com

KURIER (2021) „So war der Morgen am Öffnungstag in Österreich“
WWW: https://kurier.at/chronik/oesterreich/so-laeuft-der-grosse-oeffnungstag-in-oesterreich/401385399

Milyavskaya, Saffran, Hope, Koestner (2018) „Fear of missing out: prevalence, dynamics, and consequences of experiencing FOMO” Springer Science+Business Media, LLC, part of Springer Nature 2018

Selfapy (2021) „FOMO – Wie überwindest Du die Angst, etwas zu verpassen?“
WWW: https://www.selfapy.com/de/magazin/wohlbefinden/fomo-wie-ueberwindest-du-die-angst-etwas-zu-verpassen

Beitragsbild: Pixabay
WWW: https://pixabay.com/de/photos/personen-frau-selbstgespr%C3%A4ch-2923048/