Diskriminierung, Mobbing, Gewalt gegenüber LGBTQ – Personen – Weiterhin keine offene Gesellschaft?

Durch eine Steigerung der gesellschaftlichen Akzeptanz von sexuellen Präferenzen sowie Identitäten außerhalb der Norm sind LGBTQ-Personen mehr akzeptiert und gesellschaftlich integriert wie noch nie. Sie werden medial präsenter und finden deutlich mehr Beachtung wie zum Beispiel durch diverse Coming-Outs verschiedenster Prominenten. Diese verstärkte Akzeptanz kann jedoch nicht verallgemeinert werden, denn immer noch werden viele LGBTQ-Personen mit Vorurteilen oder negativen Einstellungen konfrontiert (Oezdemir & Hellenschmidt, S. 141)

Die sexuelle Orientierung

In der Kindheit und insbesondere in der Adoleszenz gehört zur Identität eines Individuums auch die sexuelle Identität. Diese sexuelle Identität umfasst die sexuelle Orientierung, also die romantische oder erotische Anziehungskraft eines Menschen auf Menschen des anderen Geschlechts, desselben Geschlechts oder aber auch auf keins beziehungsweise beide Geschlechter. Es kann innerhalb dieser sexuellen Identität unterschieden werden, welche Genderidentität das Bewusstsein eines Individuums sich selbst also zum Beispiel männlich, weiblich oder transgender sieht. Eine Vielzahl von unterschiedlichen Studien haben zum Ergebnis, dass die sexuelle Orientierung zumindest zum Teil erblich ist. Es wurde hier zum Beispiel festgestellt, dass einiige Zwillinge häufiger die gleiche sexuelle Orientierung haben als zweiige Zwillinge (Gershoff & Eisenberg, 2011, S. 477).

Wie auch in der Welt der Erwachsenen ist es auch bei Jugendlichen so, dass die Mehrheit sich zum anderen biologischen Geschlecht hingezogen fühlt. Inwiefern dieser Minderheitsstatus nun Einfluss auf das Wohlergehen hat, soll im Folgenden genauer betrachtet werden  (Gershoff & Eisenberg, 2011, S. 477).

Die gesundheitliche Lage von lesbischen, schwulen, bisexuellen sowie trans- und intergeschlechtlichen Menschen

Jugendliche aber auch Erwachsene einer sexuellen Minderheit werden sowohl in der Gesetzgebung wie in der Praxis diskriminiert und sind oftmals Ziel von Belästigung sowie Gewalt. Diese negative Einstellung zu LGBTQ wird als Homophobie bezeichnet (Marin, 2021). Im Jahr 2016 machten 16% der Hasskriminalitätsfälle gegen Jugendliche einer sexuellen Minderheit aus. Dies lässt Kinder und Jugendlich meist fühlen als wären sie „anders“. Bei manchen zeigt sich das Verhalten bereits bei Vorlieben für Spielzeug, Kleidung oder auch Freizeitaktivitäten (Drummond et al. 2008). Bis der Prozess des Erkennens jedoch eintritt dauert es meist etwas länger. Die ersten Anzeichen, dass man anders ist, lösen oft ein Gefühl der Entfremdung von sich selbst und anderen gegenüber aus.

Die Teilnehmer einer Studie zur Erinnerung an Meilensteine der sexuellen Identität und des Verhaltens gaben an, dass sie unabhängig von Geschlecht, sexueller Identität und Alter sich zum ersten Mal zwischen zehn und 15 Jahren einem Menschen desselben Geschlechts angezogen gefühlt haben, jedoch sich selbst erst nach dem Alter von 15 Jahren als lesbisch, schwul oder bisexuell identifiziert. Durchschnittlich gaben sie ihre sexuelle Orientierung erst nach dem 20.Lebensjahr öffentlich bekannt (Gershoff & Eisenberg, 2011, S. 478). 

In der Studie von Carver, Yunger & Perry (2003) gaben überwiegend männliche Jugendliche von negativen Reaktionen ihrer Peers und Familienmitglieder in Bezug auf die Geschlechtsstereotypen an.

Viele, sich als schwul identifizierten Jugendlichen leiden unter Einsamkeit und sehen die Schule als einen problematischen Ort an um offen mit der sexuellen Orientierung umgehen zu können. Ein problematisch anzusehender Punkt ist, dass es LGBTQ-Jugendlichen oftmals schwer fällt sich professionelle Hilfe zu suchen, stattdessen suchen sie Zuspruch von anderen Jugendlichen (Oezdemir & Hellenschmidt).

Suizidalität und ihre Risikofaktoren

Verschiedenste Studien haben zum Ergebnis, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen einer gleichgeschlechtlichen sexuellen Orientierung von Männern und ihrer Suizidalität besteht. Innerhalb einer systematischen Review konnte berechnet werden, dass über die Lebenspanne die Prävalenz von suizidalem Verhalten bei Männern mit einer gleichgeschlechtlichen sexuellen Orientierung vier Mal höher eingestuft werden kann als bei Männern mit einer gegengeschlechtlichen Orientierung. Diese erhöhte Suizidrate konnte in diversen anderen Studien auch für LGBTQ-Jugendliche festgestellt werden (Oezdemir & Hellenschmidt, S. 142-143).

Neuere Studien fokussieren sich aufgrund dieser Problematik auf mögliche Risikofaktoren für Suizidalität bei gleichgeschlechtlich orientierten Jugendlichen. D‘ Augelli et al. (2005) fanden einen Zusammenhang zwischen dem suizidalen Verhalten und dem Coming-Out bei den Eltern. Innerhalb einer prospektiven Longitudinalstudie wurden insgesamt 237 Jugendliche im Alter von 16-20 Jahren von Mustanski & Liu (2013) befragt. Zum Ergebnis hatte diese, dass folgende Risikofaktoren eine genauere Betrachtung würdig sind: Hoffnungslosigkeit, depressive Symptome, Störungen des Sozialverhaltens, Impulsivität, Opfererfahrungen, geringe familiäre Unterstützung, sowie das Alter zu dem sie sich zum ersten Mal zu einem gegengeschlechtlichen Partner hingezogen gefühlt habe (Oezdemir & Hellenschmidt, S. 142-143).

Fazit

Obwohl sich die Situation der LGBTQ-Personen heutzutage schon deutlich verbessert hat, erleben viele auch jetzt noch Distress. Ein Coming-Out ist auch im 21.Jahrhundert noch nicht selbstverständlich. Ängste vor der Äußerung einer sozialen Minderheit anzugehören, Opfer von physischen und psychischen Übergriffen und die Schule als negativer Ort. All diese Faktoren machen klar, warum eine ernstzunehmende Zahl von LGBTQ-Personen von Suizidgedanken und -verhalten betroffen ist (Oezdemir & Hellenschmidt, S. 145). Klinisch tätigem Fachpersonal sollten sich dieser Risiken bewusst sein. Eine Vielzahl von Risikofaktoren muss anamnestisch erfasst und psychotherapeutisch bearbeitet werden, um das Risiko der Suizidalität möglichst entgegenzuwirken (Oezdemir & Hellenschmidt, S. 145).

Es ist notwendig, dass sich die Akzeptanz steigert und die Diskriminierung verringert, um dem Problem nachhaltig ein Ende setzen zu können.

Literaturverzeichnis

Gershoff, E., & Eisenberg, N. (2011). Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter. Berlin: Springer.

Marin, G. (2021). Psychische Gesundheit von LGBT bei Homophobie. Stuttgart, Aufgerufen am: 20.09.2022 Verfügbar unter: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1528-8717: Thieme.

Oezdemir, U., & Hellenschmidt, T. Suizidalität und psychiatrische Erkrankungen von LGbt-Jugendlichen. Berlin: Freie Universität und Humbildt-Universität zu Berlin.

Bildquelle:

cuttingtool, https://www.shutterstock.com/de/image-vector/public-pressure-on-nonbinary-people-social-2150633221