Die Depression – eine jedermanns Krankheit

Der „harmlose Schnupfen“ der depressiven Erkrankungen nennt sich Depression und veranschaulicht mit diesem Vergleich, wie weit verbreitet sie ist. Jedoch kann sie mit der Schwere der Folgen, dem Schnupfen keinesfalls gerecht werden. Obwohl Phobien weitaus verbreiteter sind, sind Depressionen hauptsächlich dafür verantwortlich, dass Menschen psychiatrische und psychologische Einrichtungen besuchen (vgl.: Meyers, 2014, S. 671f.).

Welche Symptome weisen auf eine Depression
Die meisten Menschen erleben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Zeiten im Leben, in denen sie schrecklich niedergeschlagen oder überaus glücklich sind. Wenn jedoch extremen Stimmungen zu einer Beeinträchtigung ihres normalen Lebens führen, kann eine affektive Störung der Grund dazu sein (Vgl.: Gerrig, 2018, S. 569). Treten Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, physische Unruhe, Gefühle der Schuld und Wertlosigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme, sozialer Rückzug sowie Interessensverlust und Motivationsverlust an alltäglichen Aktivitäten, deutliche Gewichtszunahme oder -abnahme auf, weist dies meinst auf eine Depression (vgl.: Davison/Neale/Hautzinger, 2016, S. 307). Nach ICD-10 wird bereits von einer depressiven Episode gesprochen, wenn die Symptome über eine Zeitspanne von 14 Tagen an der Mehrzahl der Tage vorhanden waren (vgl.: ICD-10, 2019).

Theorien zur Entstehung einer Depression
Zahlreiche Theorien versuchen zu beantworten welche Faktoren an der Entwicklung von Depressionen beteiligt sind. All diese lassen sich natürlich nicht an jedem einzelnen Fall anwenden, dennoch ist es hilfreich, unterschiedliche Ansätze zu kennen die Hinweise für Interventionen liefern können (vgl.: Gerrig, 2018, S.571).

In der psychodynamischen Theorie sind frühe Verluste oder die frühe Störung der Mutter-Kind-Beziehung Auslöser für die Entstehung einer Depression. Welches die Folge der Sehnsucht nach dieser Beziehung, aber auch die damit Verbundene Wut, die nach innen genommen wurde und damit gegen das eigene Selbst Aggressionen, Schuld- und Unzulänglichkeitsgefühle auslösen. In der Folge entstehen übermäßige Liebeswünsche und Idealisierungen die oft von daraus resultierenden Enttäuschungen geprägt sind. Darauf folgen innerer Rückzug, Enttäuschung, Selbstentwendung und ein dauernder Trauerprozess, der eine Weiterentwicklung verhindert (vgl.: Banck/Völkl/Grabenstedt/Will, 2008, S. 88ff.).

In der kognitiven Theorie sind verzerrte und betont negative Bewertungs- und Wahrnehmungsprozesse die verantwortliche aber auch aufrechterhaltend für eine Depression. Die bekannteste kognitive Theorie ist Aaron Becks zentrale These, welche besagt, dass Menschen aufgrund negativ verzerrter Gedanken und Schlussfolgerungen depressiv werden. Sie haben nach seiner Forschung in ihrer Kindheit und Jugend negative Schemata durch Verlusterlebnisse, Schicksalsschläge, Zurückweisung oder depressive Haltung einer Bezugsperson erworben. Erinnert eine Situation entfernt an die Erlebte werden diese Schemata aktiviert, welche dann zu Fehlschlüssen führen, die seine bereits vorhandene negativen Schemata festigen. Die Realität wird verzerrt, Versagenserwartungen und schlechte Selbstbewertungen werden verstärkt (vgl.: Davison et al., 2016, S.316ff.). Die kognitive Verzerrung findet auf drei Arten statt, welches Beck als die kognitive Triade der Depression bezeichnete welches zu einem negativen Selbstkonzept, einer negativen Ansicht ihrer aktuellen persönlichen Erfahrungen und einer negativen Zukunftsansicht führt. Diese Denkmuster überschatten alle positiven Erlebnisse und bringen die charakteristischen Kennzeichen einer Depression (vgl.: Gerrig, 2018, S.572).

In der biologischen Theorie werden genetische Einflüsse als Auslöser von Depressionen genannt. Die Wahrscheinlichkeit eine Depression zu erleiden ist Studien zufolge höher, wenn ein Elternteil oder Geschwister auch depressiv sind und an einer Depression leiden. Gene arbeiten zusammen und entwickeln ein Geflecht aus kleinen Einflüssen, die mit weiteren Faktoren zusammenarbeiten und so zu erhöhten Anfälligkeit führen. Weiters werden auch unterschiedliche Gehirnaktivitäten und Gehirnstrukturen als Auslöser genannt. So wie die Ausschüttungsbereitschaft von Neurotransmitter. Zum Beispiel ist Noradrenalin bei einer Manie im Überschuss aber bei einer Depression nur spärlich vorhanden (vgl.: Myers, 2014, S.676).

In der behavioristischen Theorie wird das Ausmaß positiver Verstärkung und Bestrafung als Ursache von Depressionen herangezogen. Wenn ein Mensch nach einem großen Verlust oder einer starken Veränderung keine dem gerechten Maß positive Verstärkung erhält lässt dies depressive Gefühle entstehen. Darauf ziehen sie sich zurück was dazu führt, dass sie kein positives Feedback mehr erhalten können (vgl.: Gerrig, 2018, S.572).

Interventionsmöglichkeiten
Medikamentöse Therapie und Antidepressiva erhöhen im Regelfall die Noradrenalin- oder Serotoninversorgung. Es wird damit entweder die Wiederaufnahme blockiert oder ihr Abbau verhindert, was zu eine Antriebssteigerung und Stimmungsaufhellung führt. Zu beachten ist jedoch, dass die Antriebssteigerung vor der Stimmungsaufhellung geschieht und dies zu einem Suizid führen kann.

Die Psychotherapie ist bei Depressionen sehr wirksam. Verschiedene Theorien sollten als Behandlungsansatz herangezogen werden. Die Arbeit am negativen Schemata in einer kognitiven Verhaltenstherapie, der Blick auf intra- oder interpersonellen Konflikten in einer psychodynamischen Therapie, die Aufarbeitung jugendspezifischer Probleme in einer interpersonalen Therapie, aber auch Arbeiten an sozialen Fertigkeiten bringen eine Verbesserung (vgl.: Heinrichs/Lohaus, 2011, S. 175f.).

Leichte Depressionen können mit regelmäßigen körperlichen Trainingseinheiten minimiert werden oder sogar verschwinden. Bei schweren Depressionen fällt es den Betroffenen oft schwer sich zum Sport zu motivieren und ein regelmäßiges Training aufzubauen. Jedoch sollten sie davon überzeugt werden, dass ein körperliches Training hilfreich ist, auch längerfristig, depressive Phasen zu überwinden (vgl.: Reimers, Staube, Völker, 2018, S.67).

Fazit
Depressionen werden häufig durch stressreiche Erfahrungen hervorgerufen. Arbeitsverlust, Scheidung, körperliche Beschwerden oder Zurückweisung führen zum Nachdenken, was negative Gefühle verstärkt. Die Ausrichtung auf sich selbst kann Ablehnung gegen die eigene Person hervorrufen (vgl.: Myers, 2014, S.681). Bereits im jungen Alter sollten Belastungen in vertrauensvollen Beziehungen angesprochen werden können, um Depressionen das Fundament zu nehmen. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, öffentliches Verhalten und nicht der Rückzug reduzieren depressive Stimmungen. Sport kann als Wunderwaffe gegen leichte Depressionen eingesetzt werden.

Literaturverzeichnis
Banck, G., Völkl, G., Grabenstedt, Y., & Will, H. (2008). Depression. Psychodynnamik und Therapie. Stuttgart: Kohlhammer.
Davison, G. C., Neale, J. M., & Hautzinger, M. (2016). Klinische Psychologie. Ein Lehrbuch; mit Online-Materialien (Bde. 8., neu ausgestattete Auflage). Weinheim: Beltz.
Gerrig, R. J. (2018). Psychologie (Bde. 20., aktualisierte und erweiterte Auflage). Hallbergmoos: Pearson.
Heinrichs, N., & Lohaus, A. (2011). Klinische Entwicklungspsychologie kompakt. Psychische Störungen in Kindes- und Jugendalter; Mit Add-on (Bde. Anwendung Psychologie, 1. Auflage). Weinheim: Beltz.
Kroller, B. (2019). ICD – Code. German: Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation. Abgerufen am Oktober 2019 von https://www.icd-code.de/icd/code/F32.-.html
Myers, D. G. (2014). Psychologie, (Bd. 3. Auflage). Berlin, Heidelberg: Springer – Verlag.
Reimers, C. D., Staube, A., & Völker, K. (2018). Patienteninformationen Sport in der Neurologie – Empfehlungen für Ärzte; Mit den häufigsten Begleiterkrankungne. Berlin Heidelberg: Springer.

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