By Published On: 17. Mai 2023Categories: Gesundheit, Psychologie

Klima, Corona, Kriege, Inflation – Die vergangenen Jahre sind geprägt von einer Menge dicht aufeinanderfolgender Krisen. Viele Menschen verspüren Hilfslosigkeit und ein Gefühl von Ohnmacht. Kaum neigt sich die Corona-Pandemie dem Ende zu, marschiert Russland mit seinen Truppen in die Ukraine ein und damit einhergehend nimmt die Inflation neue Dimensionen an. Zusätzlich ist auch in Bezug auf die Klimakrise eine Verschärfung zu spüren.

Dauerkrise – Klimawandel

Die mit dem Klimawandel einhergehenden Naturkatastrophen haben einen enormen Einfluss auf die psychische Gesundheit. Naturkatastrophen können Depressionen, Angst- und Traumafolgestörungen zur Folge haben. Dies gilt jedoch nicht nur für Menschen, die direkt von Naturkatastrophen betroffen sind. Viele Menschen verspüren in Bezug auf die Umweltzerstörung Schuldgefühle, Wut, Sorgen bis hin zu Angst und Panik. Um diese emotionalen Reaktionen des Klimawandels zu beschreiben, wird der Begriff „eco distress“ verwendet. Um weitere emotionale Reaktionen auf den Klimawandel zu erfassen, wurden neben „eco distress“ Begriffe wie „climate anxiety“ und „Solastalgie“ eingeführt. „Climate Anxiety“ impliziert die Angst und Erwartung in naher Zukunft selbst von den Folgen des Klimawandels betroffen zu sein. Besonders belastend ist hierbei die Ungewissheit wann und in welchem Ausmaß dies stattfindet. Der Begriff „Solastalgie“ beschreibt den Schmerz und die Trauer nach Zerstörung der Heimat durch Umweltkatastrophen (Vgl. Heinz et al., 2023, S. 226-227 & Ärzteblatt, 2022).  

Plötzliche globale Pandemie

Durch die Folgen der Corona-Pandemie hat sich in den letzten Jahren weltweit eine anhaltende gedrückte Stimmung breitgemacht, die sich nur sehr langsam bekämpfen lässt. An den wenigsten Menschen ist die Pandemie spurlos vorbeigegangen. Die letzten Jahre waren für die Gesellschaft ein Ausnahmezustand, worauf sich niemand wirklich vorbereiten konnte. In einer Umfrage aus dem Jahr 2021 gaben rund 70 Prozent der Befragten im Alter von 16 bis 26 Jahren aus Deutschland an, dass sie die Einschränkungen im öffentlichen und sozialen Leben als sehr belastend empfinden. 54 Prozent der Teilnehmer äußerten zudem die Sorge auch in Zukunft den hohen Belastungen ausgesetzt zu sein (Vgl. Statista Research Department, 2022). Die Corona-Pandemie war geprägt von Zukunfts- und Existenzängsten. Die häufigsten psychischen Störungen, die im Zusammenhang mit der Pandemie festgestellt werden konnten, sind Depressionen, Panikstörungen, Angststörungen, Zwangsstörungen im Zusammenhang mit Hygienevorschriften, Klaustrophobische Ängste durch Ausgangsbeschränkungen und Erschöpfungssyndrome als Folge von einem schweren Verlauf der Viruserkrankung. Kinder sind bei Krisen wie der Corona-Pandemie besonders gefährdet. Die Prävalenz für psychische Auffälligkeiten stieg innerhalb der ersten Pandemie-Welle von 17,6 Prozent auf 30,4 Prozent (Vgl. Ravens-Sieberer et al., 2021, S. 1517).

Krieg in Europa

Seit mehr als einem Jahr dauert der Russisch-Ukrainische Krieg mittlerweile an. Täglich fliehen hunderttausende Ukrainer: innen und kämpfen ums Überleben. Dabei lassen sie Familie und Zuhause zurück. Erlebnisse wie die Flucht und ständige Sorge um Angehörige sind extreme Ausnahmesituationen für die Psyche. Angst, Verzweiflung und traumatische Erlebnisse können zu Depressionen und Trauma- oder Angststörungen führen. Die psychische Gesundheit vieler Menschen ist durch die Corona-Pandemie und Sorge um den Klimawandel ohnehin schon geschwächt. Mit dem Krieg in Europa entsteht eine neue Form der Angst, die durch die täglichen schlechten Nachrichten verstärkt wird.

Allgemeiner Preisanstieg – Inflation

Seit letztem Jahr ist die Inflation in Deutschland so hoch wie schon lange nicht mehr. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Eine Ursache für erhöhte Preise sind zum Beispiel die pandemiebedingten Lieferengpässe. Hinzu kommt die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und letztendlich Russlands Krieg gegen die Ukraine (Vgl. Ifo Institut, 2022). Durch die Inflation sinkt der Wert des Geldes und zugleich steigen die Preise enorm. Bei vielen Bürgern und Bürgerinnen löst die Inflation Existenz- und Zukunftsängste aus. Die Inflation lässt sich auch im Supermarkt bei den Lebensmitteln beobachten, sodass viele Menschen sich die erhöhten Preise auf Dauer auf keinen Fall leisten können. Damit stellt die Inflation eine enorme Bedrohung da, mit der die Menschen umgehen müssen.

Die Rolle von Social Media

Wenn man die sozialen Netzwerke öffnet, kommen den Nutzer: innen Massen an negativen Nachrichten entgegengeströmt. Durch die Globalisierung und konkret das Internet und Fernsehen gibt es unzählige Möglichkeiten um sich über die Geschehnisse der Welt zu informieren. Doch Informationen im Übermaß bringen nicht selten Überforderung mit sich. Um den eigenen Nachrichtenkonsum besser regulieren zu können, gibt es einige Handlungsmaßnahmen. So kann man zum Beispiel die Zeit, in der man sich über Nachrichten informiert bewusst auf eine viertel Stunde begrenzen. In der restlichen Zeit des Tages sollte darauf geachtet werden den Konsum weitestgehend einzustellen.  Da die sozialen Medien darauf ausgelegt sind, die Nutzer: innen zu exzessiven Medienkonsum zu verleiten, bietet es sich an auf Printmedien umzusteigen. Generell sollten die Informationsquellen bewusst ausgewählt werden um zusätzliche Fake-News zu vermeiden.

Resilienz aufbauen

Die Menge solcher einschneidenden Ereignisse sorgt für ein hohes Potenzial eine psychische Krankheit zu entwickeln. Einige Menschen sind in Bezug auf Krisen widerstandsfähiger und weniger gefährdet eine psychische Störung zu entwickeln als andere. Deshalb stellt sich die Frage was man zum eigenen Schutz tun kann.  Man sollte zunächst versuchen den Fokus auf positive Dinge zu legen. Die Akzeptanz auf manche Dinge keinen Einfluss zu haben hilft dabei mit schwierigen Situationen umzugehen. Ein weiterer Teil der Resilienz ist die Lösungsorientierung und die Übernahme von Eigenverantwortung. Ein starkes soziales Umfeld erhöht das eigene Selbstvertrauen und stärkt damit auch die Resilienz. Die Selbstreflexion in Bezug auf die eigenen Qualitäten ist wichtig für den Umgang mit Krisen. Alle Fähigkeiten die einen resilienten Menschen ausmachen, lassen sich mit der Zeit erlernen.

Fazit

Permanente Belastungen wie der Klimawandel und die Pandemie haben einen enormen Einfluss auf die Psyche. Bei jungen Menschen ist die Gefahr besonders hoch eine psychische Störung zu entwickeln. Social Media und ständige Berichte über schlechte Nachrichten aus der ganzen Welt führen zu Überforderung und Zukunftsängsten. Einige Menschen sind gegenüber den Dauerkrisen resilienter als andere. Wichtig zu wissen ist, dass man Resilienz erlernen kann.

Literaturverzeichnis

Ärzteblatt (2022). Ruf nach Maßnahmen zum Schutz psychischer Gesundheit. Zugriff am 7.4.2023. Verfügbar unter https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/138892/Ruf-nach-Maßnahmen-zum-Schutz-psychischer-Gesundheit  

Heinz, A., Meyer-Lindenberg, A. & DGPPN-Task-Force „Klima und Psyche“. Klimawandel und psychische Gesundheit. Positionspapier einer Task-Force der DGPPN. Nervenarzt 94, 225-233(2023). https://doi.org/10.1007/s00115-023-01457-9

Ifo Institut (2022). Der Ukrainekrieg und die Inflation. Zugriff am 9.4.2023. Verfügbar unter https://www.ifo.de/medienbeitrag/2022-05-09/der-ukrainekrieg-und-die-inflation

Ravens-Sieberer, U., Kaman, A., Otto, C. et al. Seelische Gesundheit und psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen in der ersten Welle der COVID-19-Pandemie-Ergebnisse der COPSY-Studie. Bundesgesundheitsbl 64, 1512-1521 (2021). https://doi.org/10.1007/s00103-021-03291-3

Statista Research Department (2022). Belastungen und Zukunftssorgen aufgrund der Corona-Pandemie von jungen Menschen 2021. Zugriff am 8.4.2023. Verfügbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1311481/umfrage/belastungen-und-zukunftssorgen-aufgrund-der-corona-pandemie-von-jungen-menschen/#statisticContainer

Bildquelle

Titelbild: https://pixabay.com/de/illustrations/umweltschutz-umwelt-natur-544198/

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