Zimbardo – Bibel der Psychologiestudierenden

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einer Buch- und Autorvorstellung und richtet sich vor allem an Erstsemestler, die zumindest psychologische Anteile in ihrem Studiengang bearbeiten dürfen. Schnell bekommt man zu hören, dass man sich „den Zimbardo“ unbedingt zulegen solle. Was ist das Besondere an diesem „Buch“, was am Autor?

Dr. Philip George Zimbardo ist emeritierter Professor der Stanford Universität im Fachbereich Psychologie. Er wurde am 23. März 1933 als Sohn italienischer Einwanderer in der südlichen Bronx von New York geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Während der großen Wirtschaftskrise musste er mit seinen Eltern 31 Mal umziehen, er verkaufte Magazine an Haustüren, lieferte Wäsche aus und arbeitete als Schuhputzer. Er beschreibt seine damals beginnende Schulbildung als „ticket out ot the ghetto.“ Während der Highschool-Zeit zogen seine Eltern mit ihm für eine kurze Zeit nach Hollywood, wo er Ablehnung und Missachtung erfuhr, weil er New Yorker und Italiener war: „Everyone thinks you’re in the mafia!

New York – Yale – New York

Philip Zimbardo
Philip Zimbardo (Quelle: http://www.zimbardo.com/photos/zim_color.jpg)

Sein letztes Schuljahr in der Highschool verbrachte er (zurück in New York) zusammen mit Stanley Milgram, welcher später ebenfalls ein weltweit bedeutender Psychologe wurde! Zu dieser Zeit, im Jahre 1950, war der Holocaust im zweiten Weltkrieg noch alltäglich beherrschendes Thema. Während die Mehrheit meinte, dass so etwas nur in Nazideutschland möglich gewesen wäre, vertrat Milgram bereits die Ansicht, dass es die Situation sei, die bestimmender Faktor war. Ein Ansatz, der beide Wissenschaftler lebenslang begleiten würde.

Das College in Brooklyn finanzierte Zimbardo sich durch Schauspielerei, bevor er sein Studium in Yale aufnahm. Diese Erfahrung beschreibt er als herausragende Grundlage für eine gute Lehrtätigkeit, denn seiner Meinung nach ist „entertaining while educating“ wichtig für eine gelungene Stoffvermittlung. In Yale fiel ihm auf, dass die „bessere“ Hälfte der Studenten, welche von Privatschulen kamen, besser ausgebildet und besser vorbereitet das Studium antraten: „The prep school kids […] knew how to ask and answer questions, and their essays were great.“ Die Unterschiede verschwammen jedoch nach dem ersten Semester und alle Studenten hatten letztendlich die gleichen Bildungschancen. Jedoch galt für Zimbardo auch hier wieder die Macht der Situation und der Vorteil einer wirklich guten Bildung.

Durch den kurzfristigen Ausfall eines Professors und der Neugestaltung des Einführungsseminars der Psychologie gelang es Zimbardo, an der Universität in Yale erste Kurse zu geben. Auch nach seinem Wechsel an die New York Universität als Assistenzprofessor gab er noch einzelne Kurse in Yale. Als er allerdings nach 6 Jahren immer noch unbezahlter Assistenzprofessor war, reichte ein einziger (An-)Ruf der Stanford, um fortan dort als (vollwertiger und bezahlter) Professor zu forschen und zu lehren.

Stanford – Professor

In Stanford führte Zimbardo sein legendäres Gefängnis-Experiment durch („Stanford Prison Experiment“), um die Macht der Situation zu erforschen. Erst die Empörung einer befreundeten Studentin machte ihm klar, beim Experiment längst eine Grenze überschritten zu haben. Diese Dame ist heute noch immer Zimbardo’s Ehefrau, eine ebenfalls bekannte Professorin auf dem Gebiet der Burnout-Forschung: Christina Maslach.

Einen anderen Schwerpunkt setzte Zimbardo in der Erforschung der Schüchternheit. Als ein Student ihn 1972 nach einer Vorlesung befragte, wie dieser seine Schüchternheit bekämpfen könne, fanden beide heraus, dass es bis dato keine hinreichenden Forschungsergebnisse gab. So eröffnete Zimbardo ein Seminar über Schüchternheit, es wurden Forschungen betrieben, Bücher veröffentlicht und letztendlich eine öffentliche „Schüchternheits-Klinik“ eröffnet.

Lehrbuch der Psychologie – der Zimbardo

Psychologie - Gerrig/Zimbardo, 18. Auflage 2008
Psychologie – Gerrig/Zimbardo, 18. Auflage 2008

1974 erschien die erste übersetzte Auflage des Lehrbuchs für Psychologie von Zimbardo, welches sich zu DEM Standardwerk der psychologischen Lehre entwickelte. Seit November 2014 ist nun die 20. Auflage im Handel erhältlich.

Zimbardo durchlebte den Aufstieg vom Schuhputzer in der Bronx zum weltweit renommierten Stanford Professor. Er hat gelernt, Publikum zu begeistern; ist sich der Bedeutung von Wissen und Lehre bewusst und macht in seinen Büchern genau das, was er am besten kann und am liebsten tut: Wissen vermitteln! Übersichtlich, leicht verständlich, seit über 40 Jahren stets weiter entwickelt. Grafiken, Bilder, Statistiken und anschauliche Forschungsergebnisse runden die Themenfelder ab. Seit einigen Jahren bearbeitet er das Buch zusammen mit Richard J. Gerrig.

Wer sich für die Einführung in die Psychologie kein aktuelles Werk für etwa 50.- € zulegen möchte, kann auch auf eine Auflage der „jüngeren Vergangenheit“ zurückgreifen. So kostet zum Beispiel eine gebrauchte 18. Auflage noch etwa 30.- €. Verlegt wird das Lehrbuch bei Pearson-Studium (ISBN-10: 3827372755).

 

Literatur:

Gerrig, R. J./Zimbardo, P. G.: Psychologie. 18., aktualisierte Auflage. Pearson Deutschland GmbH. Hallbergmoos 2008

Slavich, G. M.: On 50 Years of Giving Psychology Away: An Interview With Philip Zimbardo.
In: Teaching of Psychology. Jahrg. 36, Nr. 4, S. 278-284. Taylor & Francis Group 2009

 

Internetquellen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/sozialpsychologe-zimbardo-bis-jetzt-war-ich-doktor-evil-a-779855-2.html

https://portal.dnb.de/opac.htm?method=showFullRecord&currentResultId=%22107998653%22+sortBy+jhr%2Fsort.ascending%26any&currentPosition=0

http://www.shyness.com/2013/10/25/introduction/

 

Bildquellen:

Zimbardo: http://www.zimbardo.com/photos/zim_color.jpg (mit freundlicher Genehmigung durch Prof. Philip Zimbardo)

Psychologie, 18. Auflage außen (Titelbild) & innen: Eigene Darstellung