Schizophrenie-Diagnostik, Ursachen, Behandlung

Das Störungsbild weist zahlreiche und auf den ersten Blick nicht zusammenpassende Symptome auf, deshalb dauerte es sehr lange bis schließlich im 19. Jahrhundert erkannt wurde, dass es sich dabei um eine Krankheitseinheit handelt.[1] Diese Krankheit kann eine gravierende psychische Erkrankung sein, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt wird. Schizophrenie gehört zu den endogenen Psychosen, da die Krankheit ein vielsichtiges Erscheinungsbild hat. Unter Psychosen werden alle Krankheiten zusammengefasst, welche mit Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, Störungen des Denkens, der Sprache und der Gefühlswelt einhergehen. Bei endogenen Erkrankungen spricht man von Erkrankungen, welche von innen heraus entstehen, ohne eine erkennbare körperliche Ursache. Im Allgemeinen ist die Krankheit gegenzeichnet durch charakteristische Störungen von Denken und Wahrnehmung, sowie durch inadäquate oder verflachte Affekte. Fälschlicherweise wird Schizophrenie mit einer Persönlichkeitsstörung in Verbindung gebracht, dem ist aber nicht so, denn die Krankheit ist geprägt von Fehlwahrnehmungen und Fehlinterpretation der Umwelt.

 

Ursachen

Wie die Krankheit tatsächlich entsteht ist bis heute nicht ausschließlich geklärt. Man geht von einem Zusammenspiel von unterschiedlichen Faktoren aus, dazu zählen unteranderem die Genetik, Umweltfaktoren und biographische Faktoren. Erkrankte sind viel empfindsamer gegenüber Innen- und Außenreizen. Die Betroffenen leiden unter Schlaf- und Antriebsstörungen und Lustlosigkeit. Eine angespannte und gedrückte Stimmung, Nervosität, Ruhelosigkeit und eine schlecht Konzentration sind frühe Symptome der Krankheit. Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen, sowie eine leichte Reizbarkeit sind ebenfalls beginnende Anzeichen. Außerdem sind die Betroffenen vermehrt in Konflikte verwickelt, aufgrund ihrem Misstrauen gegenüber anderen. Zu dem beziehen sie alles auf sich und leiden an Trugwahrnehmungen. Häufig ziehen sich die Erkrankten aus ihrem sozialen Umfeld zurück, vernachlässigen ihr Äußeres, engagieren sich weniger in der Schule/Arbeit und wirken launisch und uninteressiert.

 

Krankheitsbild

Bei dem Krankheitsbild unterscheidet man zwischen akuten und chronischen Krankheitsphasen. Bei einer akuten Schizophrenie stehen Phänomene im Vordergrund, zu dieser Positiv-Symptomatik zum Beispiel gehören Stimmenhören und Verfolgungswahn. In der chronischen Phase hingegen überwiegt die Einschränkung bestimmter psychischer Funktionen und Emotionalität. Diese Negativ-Symptomatik ist gegenzeichnet durch sozialen Rückzug, abnehmende Interessen, Verarmung des Sprechens, Mangel an Gefühlen, Antriebsstörungen und Vernachlässigung des Äußeren. Zum einen kann eine Ich-Störung auftreten, bei welcher die Grenze zwischen der Umwelt und dem Ich verschwimmt. Die Betroffenen erleben sich Selbst und die Umwelt als unwirklich und fremd. Außerdem ist die Unterscheidung zwischen Eigenem und Fremden gestört. Dadurch fühlen sich die Betroffenen von außen manipuliert, ferngesteuert oder sogar hypnotisiert. Ein weiteres Krankheitszeichen ist eine gestörte Affektivität, hierbei ist die Gemütslage häufig von Schwankungen gekennzeichnet. Zudem kommt es zu kognitiven Störungen sowie Denk- und Sprachstörungen. Ebenso sind Wahnvorstellungen und Halluzinationen Krankheitsanzeichen. Dabei entwickeln die Betroffenen falsche Vorstellungen, welche von der Realität abweichen und nehmen Dinge wahr, welche in der Wirklichkeit nicht vorhanden sind. Zum letzten Krankheitsanzeichen zählen Auffälligkeiten in der Psychomotorik, wobei eine Antriebminderung hinsichtlich der Aktivität, Spontanität und Initiative besteht.

 

Diagnose

Eine Diagnose ist der vor allem in der Anfangszeit besonders schwer aufgrund der unterschiedlichen Erscheinungsformen. Die Diagnose erfolgt durch einen Arzt und es müssen verschiedene der Kriterien hinsichtlich der Art und Dauer der Symptome erfüllt sein.[2] Die Diagnose erfolgt nach den folgenden ICD-10 Kriterien:

F20 Schizophrenie

Entweder mindestens ein Symptom aus den Symptomgruppen Ich-Störung (Gedankeneingebung, Gedankenentzug, etc.), inhaltliche Denkstörung (Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, etc.), kommentierende oder dialogische Stimmen oder bizarrer Wahn, oder mindestens zwei Symptome aus der Gruppen anhaltende Halluzinationen, formale Denkstörungen (Gedankenabreißen, etc.), katatone Symptome 8handlungsstereotypien, etc.), negative Symptome (Anhedonie, Affektverflachung, etc.) über einen Zeitraum von mindestens einem Monat. Zur kategorialen Diagnostik von Schizophrenie und anderen psychotischen Störungen werden strukturierte Verfahren wie beispielsweise das SKID-I empfohlen, um auch komorbide Störungen verlässlich zu diagnostizieren. Zur  dimensionalen Diagnostik bieten sich Verfahren wie die Brief Psychiatric Rating Scale (BPRS) oder die Positive and Negative Syndrom Scale (PANSS) an.[3]

 

Therapie

Eine Schizophrenie ist heute gut behandelbar, aber nicht heilbar. Es ist wichtig im Umgang mit Betroffenen eine Über- und Unterforderung zu vermeiden. Der Krankheitsverlauf kann positiv beeinflusst werden durch eine individuelle und stufenweise Förderung mit wachsenden Anforderungen. Die Therapie ist eine Kombination aus medikamentöser Therapie, Psychotherapie und anderen therapeutischen verfahren. Anfänglich werden die meisten Patienten stationär behandelt und später dann ambulant betreut. Bei der Therapie handelt es sich meistens um eine Kombination aus medikamentöser Therapie und Behandlung kognitiver Störungen. Die Behandlung kognitiver Störungen wird unter dem Begriff kognitive Remediation geführt. Das Ziel ist es basierend auf systemischen Verhaltenstrainings, kognitive Prozesse dauerhaft zu verbessern. Bei dieser Therapie strebt man eine möglichst breite Generalisierung der Trainingseffekte auf Alltagssituationen an. Im Rahmen der Therapie werden meist computergestützte Trainings zur Verbesserung klassischer neuropsychologischer Funktionsbereiche eingesetzt. Die Integrierte Neurokognitive Therapie ist eine andere Therapieform, welche hingegen soziokognitive Funktionen in den Blickpunkt nimmt. Ergänzend gibt es auch das Metakognitive Training, welches auf die metakognitive Veränderung des Denkstils abzielt, die für die für die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Wahn prädisponiert.[4] Diese Therapieformen sind natürlich nicht die einzigen Behandlungsmöglichkeiten. Es gibt noch einige weiter Behandlungsmöglichkeiten, aber tatsächlich können diese nur zu einer Verhaltensänderung betragen, damit die Betroffenen ihren Alltag besser meistern können, denn eine vollständige Heilung ist bisher ausgeschlossen.

 

Fußnoten

[1] Vgl. Wirtz/Antonius/Dorsch (2017), S. 1478

[2] Vgl. Neurologen und Psychiater

[3] Vgl. Casper/Pjanic/Westermann (2018), S. 85

[4] Vgl. Thoma (2019), S. 30-35

 

Literaturverzeichnis

Caspar, Franz; Regli, Daniel (Hg.) (2018): Klinische Psychologie. 1. Auflage 2018. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden (Basiswissen Psychologie).

Neurologen und Psychiater Schizophrenie: Diagnose – www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org. Online verfügbar unter https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/schizophrenie/diagnose/, zuletzt geprüft am 06.02.2020.

THOMA, PATRIZIA (2019a): Neuropsychologie der Schizophrenie: Springer Fachmedien Wiesbaden.

Wirtz, Markus Antonius; Dorsch, Friedrich (Hg.) (2017): Dorsch – Lexikon der Psychologie. Unter Mitarbeit von Janina Strohmer. 18., überarbeitete Auflage. Bern: Hogrefe.

Bildquelle

Bild von geralt auf Pixabay

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