Was sind eigentlich…. YIN und YANG?

Yin und Yang, jeder kennt sie! Besonders das Taiji-Symbol findet man in der letzten Zeit immer häufiger. Doch was bedeuten Yin und Yang wirklich und welche Philosophie steckt dahinter? Diesen Fragen werde ich mich in diesem Artikel widmen. Lassen Sie sich von diesem Ausflug in die Traditionelle Chinesische Medizin inspirieren!

Definition

Yin und Yang – die zwei Gegensätze, die einander bedingen. Nach ihrer Philosophie des ganzheitlichen Denkens kann man die komplette Welt nach ihnen einteilen – deshalb gibt es unendlich viele Begriffe, die ihnen zugeordnet werden können.

Yin ist die weibliche, passive Energie[1] und wird übersetzt als die „Schattenseite des Berges“[2]. Damit werden unter anderem die Begriffe Erde, Mond, Ruhe, Nacht, Dunkelheit, Stille, Trübheit, Kälte, Wasser und eine nach innen gerichtete Energie[3] verbunden.

Ihr Gegensatz, Yang, ist die männliche, aktive Energie[4] und bedeutet die „Sonnenseite des Berges“[5]. Es steht für die Begriffe Himmel, Sonne, Tag, Helligkeit, Bewegung, Feuer, Wärme und ist ein Impulse gebendes Prinzip[6].

Ihr Ursprung, die Traditionelle Chinesische Medizin

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eine Erfahrungsheilkunde, welche seit mehreren Jahrtausenden existiert. Diese basiert auf medizinischen Entdeckungen, welche über die lange Zeitspanne bis zur heutigen Zeit mitveränderten und erweiterten Erkenntnissen ergänzt wurden[7].

Die Traditionelle Chinesische Medizin umfasst verschiedene Diagnose- und Therapiesysteme, welche sich in fünf Säulen begründen: die Akupunktur, die Moxibustion, chinesische Arzneimittel, die chinesische Diätetik sowie die Bewegungstherapie[8]. Auch die Philosophie von Yin und Yang hat hier ihren Ursprung.

Die Philosophie

Yin und Yang sind zwei Energien, welche Mensch und Natur durchdringen[9]. Sie bilden zwei Gegensätze, stehen jedoch miteinander in Beziehung. Im optimalen Fall bilden sie ein harmonisches Gleichgewicht, welches einen Energiefluss ermöglicht und Gesundheit symbolisiert. Kommt es nun zu einem Ungleichgewicht jeglicher Art, treten körperliche Symptome auf, die den Körper dazu auffordern, wieder ins Gleichgewicht zurückzukehren.

Die Philosophie betont hier besonders das zugrundeliegende Konzept der Ganzheitlichkeit: denn ohne Yin gibt es kein Yang, und umgekehrt.

Diagnose und Therapie nach Yin und Yang

Im medizinischen Kontext kann man alle Krankheiten einem Ungleichgewicht von Yin und Yang zuordnen. Yin-Organe sind Herz, Lunge, Leber und Niere; Yang-Organe sind Magen, Darm und Blase[10].

Im Krankheitsfall wird der Mensch für eine Diagnose im Sinne der Philosophie ganzheitlich untersucht und somit Faktoren ausfindig gemacht, welche ein Ungleichgewicht im Körper herstellen. Hier steht die genaue Beobachtung im Vordergrund, wie zum Beispiel die der Zunge, welche als „Spiegel der Organe“[11] gesehen wird. Die anschließende Therapie wird dann nicht nur auf ein Organ, sondern auf den ganzen Organismus ausgerichtet[12].

Dies möchte ich gerne an einem simplen Beispiel verdeutlichen. Ernährt man sich zum Beispiel nicht ausgeglichen (viel Fleisch, Zucker, Alkohol und verarbeitete Lebensmittel – wenig Obst und Gemüse) reagiert der Körper darauf: Es kommt zu Magenverstimmungen, Bauchschmerzen und sogar Sodbrennen. Der Körper heizt sich sozusagen von innen auf – Kälte hilft und beruhigt die Symptome. Betrachtet man dieses Krankheitsbild mit der Yin und Yang-Philosophie, so findet man schnell eine Diagnose. So kann man die Symptome auf eine überschüssige Yang-Energie zurückleiten![13] Eine Therapie zur Regulierung des Ungleichgewichts kann dann im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin zum Beispiel Akupunktur oder die Gabe von Heilkräutern bedeuten[14].

Akzeptanz in der heutigen Zeit

In der modernen Zeit wurden uns immer wieder neue Philosophien zu Gesundheit und Medizin aus fremden Ländern herangetragen. Diese werden meist als alternative Gesundheitspraktiken, also als eine Ergänzung unserer westlichen Medizin, dargestellt. Von vielen Menschen werden diese alternativen Praktiken jedoch belächelt, da die Philosophie vom Herstellen eines Gleichgewichts und Fließen von Energien in erster Linie unglaubwürdig erscheint – Elemente, wessen Wirken man nicht direkt mit Gerätschaften nachweisen kann. Zudem fällt es in Bezug auf die uns bekannte somatische Medizin schwer zu glauben, dass sich alle Krankheiten auf ein Energieungleichgewicht zurückleiten lassen. Jedoch ist die Traditionelle Chinesische Medizin sehr umfangreich und bietet verschiedene Therapien an, welche individuell auf das Krankheitsbild und das herrschende Ungleichgewicht zugeschnitten werden. So können nicht nur die Symptome einer Krankheit, sondern zugleich auch ihre Ursachen gefunden und behoben werden.

Grundsätzlich schließen sich die Philosophie von Yin und Yang und die westliche Medizin also nicht gegenseitig aus, sondern geben vielleicht nur den Blickwinkel auf einiges frei, was in der somatischen Medizin nicht von Grund auf beachtet wird. Denn innere Prozesse bestimmen auch, wie sich unser Körper fühlt. Nicht umsonst werden heutzutage psychische, soziale und demographische Umstände als Auslöser für viele Krankheiten in Betracht bezogen – Umstände, welche die Traditionelle Chinesische Medizin in ihrer Ganzheitlichkeit erkennt und in Diagnose und Therapie mit einbezieht.

Ausblick

„Das chinesische Zeichen von Yin und Yang ist inzwischen auch bei uns zum Symbol für ein „ganzheitliches Denken“ geworden, das die Gegensätze von Geist und Körper, von Kultur und Natur, von Vernunft und Gefühl überwindet.“[15]

Yin und Yang stecken also voller Potenzial und sind trotz ihres verjährten Ursprungs noch längst nicht veraltet! Lässt man sich auf diese alternative Medizin ein, so kann man den ein oder anderen Nutzen daraus ziehen. Das Ergebnis: ein körperliches und geistiges Gleichgewicht.