Was regulär Studierende von Fernstundent*Innen in Zeiten der Corona-Pandemie lernen können.

Seit nun fast drei Jahren studiere ich im Fernstudium und bin dabei bereits durch einige Höhen und Tiefen gegangen. Motivation, Disziplin, Selbst- und Zeitmanagement sowie Einsamkeit waren immer wieder Themen im Verlauf meines Studiums. Für meine regulär studierenden Freunde waren diese Herausforderungen zwar von außen greifbar, doch oft nur schwer nachvollziehbar. Doch dann März 2020: Lockdown, die Unis schließen und für viele beginnt, was mich seit Anfang meines Fernstudiums begleitet: Uni von Zuhause, abgeschnitten von Kommiliton*Innen und der ewige Kampf, sich zu motivieren und disziplinieren.  Für viele Student*Innen bedeutete dies eine Erhöhung der allgemeinen Unzufriedenheit im Coronajahr 2020 (statista, 2020) 

Auch in meinem Umfeld konnte ich diese Unzufriedenheit in Bezug auf das Studium einiger Freunde erkennen und beschloss, besonders einer Freundin mit meinen Erfahrungen, die ich während meines Fernstudiums sammeln und erwerben konnte, zu unterstützen. Als wichtig empfand ich hierbei, ihr keine konkreten Aufgaben abzunehmen, sondern sie dazu zu animieren, an ihrem Selbstmanagement zu arbeiten. 

Ziele und ihre Bedeutung

Der erste große Meilenstein war es, ihr die Bedeutung von Zielen nahe zu legen. Konkrete Ziele sind ein wichtiges Element im Selbstmanagement, denn „ohne Ziele sind Handlungen undenkbar. Sie steuern den Einsatz der Fähigkeiten und Fertigkeiten von Menschen bei ihren Handlungen und richten ihre Vorstellungen und ihr Wissen auf die angestrebten Handlungsergebnisse hinaus.“ (Kleinbeck, 2010, S. 255). Es gibt Studien, die besagen, dass ohne ein bestimmtes Ziel nicht die gleiche Leistung erbracht werden kann wie mit einem Ziel (Latham, Yukl, 1975). Es war also wichtig, dass meine Freundin konkrete Ziele für sich definiert, um ihr Handeln auf die Zielerreichung auszurichten, um bestmögliche Leistungen zu erbringen. Die Definition der Ziele erfolgte anhand der SMART- Methode. Hier werden diese möglichst spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert formuliert, um die gewünschten Erfolge zu erreichen. 

Selbstwirksamkeit

Um die eigenen Ziele zu erreichen, ist jedoch nicht nur eine konkrete Definition vonnöten, sondern auch eine hohe Selbstwirksamkeit. Sie wird definiert als „Glaube an die eigenen Fähigkeiten, den Verlauf und die Ausführungen der eigenen Handlungen so zu steuern, dass ein bestimmtes Ergebnis erreicht wird.“ (Bandura, 1997, S. 3). Dafür gab ich meiner Freundin die Aufgabe, sich Gedanken darüber zu machen, worin sie gut ist und welche ihrer positiven Eigenschaften ihr dabei verhelfen werden, motiviert durch ihr Studium zu gehen. Daraus ergab sich, dass sie bisher in ihrem akademischen Werdegang immer eine hohe Zielstrebigkeit aufwies und im Vergleich zu ihren Kommiliton*Innen gut mit Stress umgehen konnte. Für ihre Selbstwirksamkeit war es von großer Bedeutung, sich dieser Kompetenzen bewusst zu werden und in ihren Selbstmanagementplan einzubauen. Sie kann sich also darauf verlassen, dass sie bisherige akademische Ziele immer erreicht hat und ihr der positive Umgang mit Stress dabei geholfen hat. 

Zeitfresser

Nachdem die positiven Eigenschaften aufgedeckt wurden, ging es darum, die Zeitfresser ans Licht zu bringen. Zeitfresser sind Aktivitäten, die Zeit kosten und nicht essentiell für die Bearbeitung von Uni-Aufgaben sind. In diesem Fall waren es zu lange Telefonate mit Kommiliton*Innen, mit denen sie sich täglich über dieanstehenden Aufgaben, Vorlesungen, aber auch alle möglichen anderen Dinge unterhielt. Sicherlich ist es essentiell, sich mit Kommiliton*Innen gegenseitig zu auszutauschen, um sich nicht einsam oder sozial isoliert zu fühlen, allerdings wurde hier doch oft die Zeit vergessen und somit blieb nur wenig Zeit für das Bearbeiten der Anforderungen. Mit dem einfachen Festsetzen einer maximalen Telefonatsdauer ließ sich dieser Zeitdieb beheben. 

Zeitmanagement

Anschließend ging es daran, ihr eine Methode zu zeigen, mit der sie sich täglich strukturieren kann. Ein geeignete Möglichkeit stellt die sogenannten ALPEN-Methode dar. Diese Zeitmanagement-Methode eignet sich besonders für Tagesplanung, da die schriftliche Erstellung lediglich wenige Minuten beansprucht. 

Das Akronym steht für: 

A – Aufgaben aufschreiben 

Hier ist beispielsweise die Erstellung einer To-Do Liste sinnvoll. 

L – Länge der einzelnen Aufgaben schätzen 

Anschließend sollte die Gesamtzeit berechnet werden, die für die Vollendung aller Aufgaben benötigt wird. 

P- Puffer einplanen 

Die Berechnung der gesamten Aufgabenzeit ist für die Einplanung von Puffern von Wichtigkeit, da je nach Empfehlung nur 50 bis 60% der zur Verfügung stehenden Zeit für die Aufgabenerledigung verplant werden sollte. Die restliche Zeit gilt als Pufferzeit und wird benötigt für unvorhergesehene und spontane Tätigkeiten. 

E- Entscheidungen über Prioritäten fällen

Die Aufgaben sollten priorisiert werden. 

N- Nachkontrolle 

Dies verschafft einen Überblick darüber, welche Aufgaben erledigt wurden und welche auf den folgenden Tag verlegt und neu geplant werden müssen. 

Zu guter Letzt ist es wichtig, dass auch ausgleichende Tätigkeiten zum normalen Unialltag gefunden werden, die das Wohlbefinden steigern und damit die Lebensqualität zu erhöhen. Auch wenn es sich während Lockdown, Kontaktbeschränkungen und Corona-Pandemie so anfühlt, als ob uns dies weitestgehend verwehrt bleiben würde, so kann ein Spaziergang in der Natur, ein gemütlicher Kochabend oder ein online Treffen mit Freunden doch Wunder bewirken. 

Fazit

Meine Freundin war jeden falls sehr dankbar über die Unterstützung und sprach über mehr Motivation, bessere Aufgabenerfüllung und ein höheres Wohlbefinden. Auch für mich war es schön, endlich mehr Verständnis für die Schwierigkeiten, die das „Fernbleiben“ von einer physischen Universität mit sich bringt, zu bekommen und meine Freunde an meinen Erfahrungen teilhaben lassen zu können. 

Literaturnachweise

Bandura, A(1997). Self-efficacy: the exercise of control. New York: Freeman 

Kleinbeck, U. (2010). Handlungsziele. In J. Heckenhausen (Hrsg.), Motivation und Handeln (Springer-Lehrbuch, 4. Überarb. Und erweiterte Aufl.). Heidelberg: Springer 

Latham, G. P. & Yukl, G. A. (1975). A Review of Research on the Application of Goal Setting in Organizations. Academy of Management Journal, 18 (4), 824- 845 

Internetquellen

Pixabay (2020). Verfügbar unter: https://pixabay.com/de/photos/hände-unterstützung-solidarität-4859114/abgerufen: 01.06.2021