Foto von Menschen während des Holi-Fests

Was Menschen glücklich macht

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“, „Jeder ist seines Glückes Schmied“, „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“ und noch viele weitere Redensarten und Sprüche zum Thema Glück existieren. Glück beschäftigt den Menschen. Das Angebot an Self-Help-Büchern zum Thema ist unüberschaubar und das Streben nach Glück ist sogar in der Verfassung der USA verankert1.

Doch was ist dieses „Glück“ und wie können Menschen glücklich werden? Können sie aktiv daran arbeiten? Kommen Sie mit auf eine Schnupperreise zu einem Thema, mit dem sich die Psychologie bereits seit ihren Anfängen auseinander setzt2, und erfahren Sie die Antworten der Glücksforschung. Am Ende nehmen Sie sicherlich ein paar Ideen für Ihr eigenes Glück mit.

Was ist Glück?

Bei näherer Betrachtung der drei Redensarten vom Anfang zeigt sich, dass die Bedeutung hinter dem Wort „Glück“ unterschiedlich sein kann:

  • Das Glück der Erde … “: Freude an einer Aktivität
  • Jeder ist seines … “: lang anhaltende Zufriedenheit
  • Pech im Spiel … “: erfreulicher Zufall

Fragt man Menschen, was Glück für sie sei, zeigen sich nicht nur Unterschiede von Mensch zu Mensch, sonder auch von Kultur zu Kultur.3 Je nach Sprache kann „Glück“ anders verstanden werden: Beispielsweise ist das englische „happiness“ weniger persönlichkeitsbezogen und tief greifend als das deutsche „Glück“.4 Qualitative Studien belegen neben diesen kulturspezifischen Komponenten auch universale Komponenten des Glücksbegriffs5 und einige Forscher nennen Freude/Glück eine Basisemotion des Menschen6. Des Weiteren wird Glück vielgestaltig kognitiv und körperlich erlebt: erregt oder ruhig, allein oder gemeinsam, aktiv oder passiv.7 Glück kann zeitlich verstanden werden als positiver Zustand der Gegenwart8 oder als Dimension von Lebensqualität9. Oder – wie in der angelsächsischen sozialwissenschaftlichen Literatur – als subjektives Wohlbefinden.10

Verschiedene andere Disziplinen beschäftigen sich ebenfalls mit Glück, haben jedoch zum Teil sehr unterschiedliche Glücksdefinitionen.11 Ob eine einheitliche Definition überhaupt möglich ist, bezweifelt die Philosophie, denn sie sagt: Das subjektive Verständnis von Glück ändert sich stets im historischen und kulturellen Kontext.12

In der psychologischen Glücksforschung gibt es verschiedene Ansätze zur Erklärung von Glück. Hier reicht die Bandbreite unter anderem von genetischen Ansätzen, nach denen Glück durch die Gene beeinflusst wird,13 über die Erklärung von Glück durch die Handlungen und Aktivitäten eines Menschen14, bis zur jeweiligen subjektiven Einschätzung eines Menschen im Vergleich mit anderen15.

Zum Weiterlesen und für eine Vertiefung dieser Ansätze eignen sich die Zweifaktorentheorie von Bradburn, die Flow-Theorie von Csikszentmihalyi und die Multiple Discrepancies Theory von Michalos.

Die durch populärwissenschaftliche Literatur bekannte Positive Psychologie ist als Sonderfall zu nennen. Es ist kein neuer theoretischer Ansatz, sondern ein Wissenschaftsprogramm.16 Sie wird von Glücksforschern kritisiert und in die Nähe von einer Ideologie gestellt.17

Glück und das Fehlen dessen können verschiedene Auswirkungen haben. Zum Beispiel:

  • Glück und häufigeres Glücksempfinden verlängert das Leben eines Menschen18 und der Mensch hat eine meist bessere Gesundheit19.
  • Glück erhöht die Aufmerksamkeit, das Mitgefühl und das interpersonelle Vertrauen sowie die Fähigkeit zur Bewältigung traumatischer Ereignisse.20
  • Glückliche scheinen jedoch leichtgläubiger und eventuell risikobereiter zu sein.21

Was macht Menschen nun glücklich?

Verschiedene Studienergebnisse geben an, was mit Glück in Beziehung steht. Es gibt vier Hauptbeziehungen, die sich aus verschiedenen Einzelfaktoren zusammensetzen: der sozioökonomische Status, die subjektive Gesundheit, die soziale Integration und die positiven Lebensereignisse des Menschen.22

Hier sind ein paar interessante Einzelergebnisse der Glücksforschung:

  • Zu maximal fünfzig Prozent haben die Gene Einfluss auf Glück.23
  • Frauen sind nur geringfügig glücklicher als Männer.24
  • Im Laufe des Lebens eines Menschen scheint ihr Glück konstant zu sein, vermutlich weil die Glücksvorstellungen an die jeweilige Lebensphase angepasst werden.25
  • Individualismus begünstigt Glück in individualistischen Kulturen und mindert es in kollektivistischen.26
  • Demokratie und Vertrauenswürdigkeit von staatlichen Institutionen und Mitmenschen haben einen positiven Effekt auf Glück.27
  • Materialismus28 macht unglücklich, jedoch sind Mehrverdiener glücklicher.29
  • Neugierde scheint Glück zu begünstigen.30
  • Bildung scheint einen uneinheitlichen Einfluss zu haben.31
  • Natur macht glücklicher während Umweltverschmutzung und stetiger Lärm Glück mindert.32
  • Spende an Nahestehende macht glücklicher als eine Spende an eine Wohltätigkeitsorganisation.33
  • Es gibt Studien, in denen Eltern unglücklicher als Kinderlose sind, sowie Studien, in denen Eltern glücklicher als Kinderlose sind.34
  • Gute Freundschaften35 und Freizeitaktivitäten, außer Fernsehen, sowie (intrinsisch motivierte) ehrenamtliche Tätigkeiten machen glücklich.36
  • Die Bereitschaft zum Vergeben – anderen und sich selbst – sowie Dankbarkeit erhöht Glück.37
  • Regelmäßige Meditation kann das Glücksempfinden stärken.38

Fazit

Auch wenn eine einheitliche Definition fehlt, ist bekannt, dass Glück viele Auswirkungen auf die Menschen hat und dass es viele Zusammenhänge gibt. Zurzeit noch offen ist hierbei, wie die Richtung der Beeinflussung ist. Ist beispielsweise ein Mensch durch zufriedenstellende Arbeit glücklich oder ist er glücklich und die Arbeit ist dadurch zufriedenstellend? Ist er altruistisch, weil er glücklich ist, oder ist er glücklich, weil er altruistisch gehandelt hat?

Zusammenfassend kann gesagt werde, dass Glück von sehr vielen Faktoren abhängt. An einigen, wie den Genen, kann ein Mensch nichts ändern. An vielen anderen jedoch, wie den guten zwischenmenschlichen Beziehungen, der Dankbarkeit, kann jeder Mensch arbeiten und diese verbessern. Bitte beachten Sie, liebe Leser*innen, hierbei, dass Glück stets eine subjektive Erfahrung ist und nur Sie selbst angeben können, ob Sie sich glücklich fühlen. Denn auch bei Anwesenheit aller oben aufgezählten beglückenden Situationen kann ein Mensch unglücklich sein, da diese Situationen genau diesen einen Menschen eben nicht glücklich machen. Mein Tipp an Sie: Beobachten Sie sich selbst und testen Sie aus, was Sie auf Dauer glücklich macht. Ein paar Ideen zum Ausprobieren hat Ihnen diese Schnupperreise gegeben.

Bei all dem Streben nach Glück sei am Ende noch angemerkt, dass ein selbstauferlegter Zwang nach Glück und Glücklich sein jedoch auch unglücklich machen kann.39 Atmen Sie also tief durch und entspannen Sie, bevor Sie Ihre persönliche Reise zum Glück antreten, und nehmen Sie die Häfen wie sie kommen.

Fußnoten

1Vgl. Jefferson (1776)

2Vgl. Mayring (2009), S. 585; Mayring/Rath (2013), S. 52

3Vgl. Bucher (2018), S. 22-26

4Vgl. Mayring/Rath (2013), S. 53

5Vgl. Bucher (2018), S. 22-26

6Vgl. Mayring (2009), S. 585; Schmidt-Atzert/Peper/Stemmler (2014), S. 33

7Vgl. Bucher (2018), S. 23

8Vgl. Mayring (2009), S. 586; Mayring/Rath (2013), S. 54-55; Bucher (2018), S. 30-32

9Vgl. Mayring/Rath (2013), S. 54-55

10Vgl. Bucher (2018), S. 31

11Vgl. Mayring (1991), S. 63

12Vgl. Mayring/Rath (2013), S. 56; Mayring/Rath (2013), S. 120-122

13Vgl. Mayring/Rath (2013), S. 79-80

14Vgl. Mayring (2009), S. 590; Mayring/Rath (2013), S. 76

15Vgl. Mayring (1991), S. 81; Mayring (2009), S. 591; Mayring/Rath (2013), S. 75-76

16Vgl. Mayring (2009), S. 586; Mayring/Rath (2013), S. 94; Myers (2014), S. 584

17Vgl. Mayring/Rath (2013), S. 94-102; Bucher (2018), S. 213

18Vgl. Myers (2014), S. 536; Bucher (2018), S. 154-157

19Vgl. Myers (2014), S. 531; Bucher (2018), S. 154-157

20Vgl. Bucher (2018), S. 158-160

21Vgl. Bucher (2018), S. 168

22Vgl. Mayring (2009), S. 592; Mayring/Rath (2013), S. 88-90

23Vgl. Mayring/Rath (2013), S. 79; Aronson/Wilson/Akert (2014), S. 533; Myers (2014), S. 522; Bucher (2018), S. 66

24Vgl. Myers (2014), S. 524; Bucher (2018), S. 87-95

25Vgl. Myers (2014), S. 524; Bucher (2018), S. 87-95

26Vgl. Bucher (2018), S. 83-109

27Vgl. Bucher (2018), S. 83-109

28Vgl. Aronson/Wilson/Akert (2014), S. 535-536

29Vgl. Bucher (2018), S. 83-109

30Vgl. Bucher (2018), S. 83-109

31Vgl. Bucher (2018), S. 83-109

32Vgl. Bucher (2018), S. 83-109

33Vgl. Bucher (2018), S. 83-109

34Vgl. Bucher (2018), S. 113-136

35Vgl. Aronson/Wilson/Akert (2014), S. 533; Myers (2014), S. 524

36Vgl. Myers (2014), S. 524; Bucher (2018), S. 113-136

37Vgl. Bucher (2018), S. 137-150

38Vgl. Bucher (2018), S. 137-150

39Vgl. Bucher (2018), S. 207-214

Literaturverzeichnis

Aronson, E./Wilson, T./Akert, R. (2014), Sozialpsychologie, 8., aktualisierte Auflage, Pearson. Hallbergmoos.

Bucher, A. A. (2018), Psychologie des Glücks, 2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Beltz. Weinheim.

Jefferson, T. (1776), The Declaration of Independence.

Mayring, P. (1991), Psychologie des Glücks, Kohlhammer. Stuttgart.

Mayring, P. (2009), Freude und Glück. In: Brandstätter, V./Otto, J. H. (Hrsg.), Handbuch der Allgemeinen Psychologie – Motivation und Emotion, Hogrefe. Göttingen, Band 11, S. 585-595.

Mayring, P./Rath, N. (2013), Glück – aber worin liegt es?, Vadenhoeck & Ruprecht. Göttingen.

Myers, D. G. (2014), Psychologie, 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Springer. Berlin.

Schmidt-Atzert, L./Peper, M./Stemmler, G. (2014), Emotionspsychologie, 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Kohlhammer. Stuttgart.

Beitragsbild: Foto von Raghuvanshidude / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) von https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Holi-celebrations.jpg