Was ist eigentlich…Glück?

Glückliche Menschen

 

Filme, Bücher und schlaue Sprüche zum Glücklichsein gibt es viele. Wer ertappt sich selbst nicht ab und an auf seiner persönlichen Suche nach dem Glück? Doch was steckt eigentlich hinter diesem kleinen Wort „Glück“? Davon handelt der folgende Beitrag.

 

Glück – Ein Definitionsversuch

Der Begriff „Glück“ ist auf den ersten Blick tatsächlich ein sehr abstraktes Konstrukt. Gleich vorweg sei zu erwähnen, dass sich der vorliegende Blogbeitrag nicht auf das Zufallsglück (z.B. beim Lottospiel) bezieht, sondern auf das Glück im Sinne von Glücklichsein, mit welchem sich auch die Glücksforschung beschäftigt.[1]

Laut Duden definiert sich Glück als „etwas, was Ergebnis des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände ist“ und auch als „angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat – Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“.[2]

Abb. 1: Vierblättriges Kleeblatt als Glückssymbol
Abb. 1: Vierblättriges Kleeblatt
als Glückssymbol

Deutschlands bekanntester Glücksforscher Bernd Hornung vom Institut für Glücksforschung in München verwendet für „Glück“ den wissenschaftlichen Arbeitsbegriff „subjektives Wohlbefinden“. Dieser schließt das gesamte Spektrum von Gesundheit, Zufriedenheit, Reichtum, Urlaub, etc. mit ein. Dies deutet darauf hin, dass Glück von jedem Menschen anders und individuell erlebt wird. Jeder kann die Frage, ob er glücklich ist, selbst am besten beantworten. Seiner Ansicht nach besteht Glück aus drei Aspekten, die auch wissenschaftlich getrennt voneinander untersucht werden können:

  1. Zufriedenheit mit der Gesamtsituation des eigenen Lebens
  2. Vorzugsweise viele angenehme Gefühle empfinden wie Vorfreude, Gelassenheit und Begeisterung
  3. Nach Möglichkeit wenige unangenehme Gefühle empfinden wie Angst, Stress oder Niedergeschlagenheit[3]

 

Welche zeitlichen Dimensionen hat Glück?

Bei der Frage „Wie glücklich sind Sie?“ ist stets zu hinterfragen, auf welche Zeitspanne der Befragte den Glücksbegriff bezieht. Im Grunde genommen ist Glück ein Prozess, welcher sich über das gesamte Leben hinweg dehnt. Zeitlich lässt sich Glück dennoch in zwei verschiedene Dimensionen einteilen. Zum einen gibt es das sogenannte emotionale Wohlbefinden, welches den momentanen Glückszustand erfasst (engl. Pleasure). Glücklichsein als zeitlich überdauerndes Gefühl und als generelle Lebenszufriedenheit umfasst das „kognitive Wohlbefinden“ (engl. Happiness). Dieses wiederum ist aufzuteilen in jenes, was bereits als Glück vorhanden ist und den Erwartungen, die noch gewünscht werden.[4] Diese zeitliche Unterteilung ist wichtig zu verstehen, um die unterschiedlichen Ursachen und Zusammenhänge erörtern und um Unklarheiten und Missverständnisse beseitigen zu können.[5]

 

Glück aus dem Blickwinkel der Biochemie, Neurobiologie und Hirnforschung

 Rein biologisch gesehen, entsteht Glück in den verschiedensten Stellen im Gehirn und den Nervenbahnen, welche wiederum mit dem gesamten Körper zusammenhängen und auf Reize reagieren. Schon allein bemerkenswert ist, dass sich der „Glücksprozess“ in insgesamt mindestens 7 Hirnregionen abspielt. Dazu gehören unter anderem:

  • Das ventral tegmentale Areal, welches den Ursprung des Lust-, Belohnungs- und Glückssystem darstellt
  • Die Amygdala als Speicherungs- und Verteilungs-Zentrale für angenehme und unangenehme Gefühle
  • Der orbitofrontale Kortex und die Zentralfurchen des Vorderhirns, welche Ereignissen nach den Bereichen angenehm, vergnüglich, gut, schön, lustig, etc. einstufen und beurteilen
  • Der Hypothalamus, der kontinuierlich Botenstoffe in Neurohormone umwandelt und deren Ausschüttung über die Hypophyse in den Blutkreislauf steuert[6]

Damit das Gehirn jedoch erst einmal in Schwung kommt und der Mensch sich überhaupt glücklich fühlen kann, sind Botenstoffe notwendig. Eine Komposition aus den Neurotransmittern Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und β-Endorphinen sorgt im Körper für Glück und Wohlbefinden. Dabei löst Dopamin in Verbindung mit Noradrenalin Wollen und Begehren aus und lenkt die Aufmerksamkeit auf das Angenehme und Erfreuliche. Serotonin schafft die notwendige Gelassenheit und Ausgeglichenheit.[7]

 

Glücksmessung

Für die Messung von Glück ist stets vorab zu klären, ob das Glück via Fremdbeurteilung (durch einen geschulten Beobachter) oder via Selbsteinschätzung (anhand Standard-Fragebögen mit unterschiedlichen Variationen von Antwort-Skalen) gemessen wird.[8] Ein Nachteil der Fremdbeurteilung durch Externe ist es, dass Menschen an Stellen glücklich sein können, wo andere es eventuell nicht für möglich halten und damit inkorrekte Beurteilungen gemacht werden aufgrund von beobachteter Mimik und Gestik. Dagegen nachteilig bei der Selbstbeurteilung erscheint der Aspekt der sozialen Erwünschtheit, wobei sie in der Glückspsychologie dennoch die am häufigsten angewendete Form der Glücksmessung ist.[9] Standard-Test und Befragungen liefern allerdings eher wenig verwertbaren Ergebnisse.[10] Daher ist die Glücksforschung dazu übergegangen Experience Sampling Method (ESM) als Messinstrument einzusetzen, welche sich auf situative Erlebnisse konzentriert. Die Probanden werden mit einem Signalsender ausgestatten und müssen, sobald ein Piepston erklingt, ihre Einschätzung zur aktuellen Befindlichkeit in Bezug auf Glück abgeben und gleichzeitig kurz ihre aktuelle Tätigkeit notieren. Mit dieser Methode werden Erinnerungsverzerrungen enorm vermindert. Allerdings ist sie auch sehr aufwändig und nur in kleinen Stichproben möglich. Die Ergebnisse sind sehr vielfältig und können nach Geschlechter, Tätigkeiten, Alter, etc. beliebig ausgewertet werden. So kann unter anderem auch die Korrelation von Glück mit anderen Emotionen kenntlich gemacht werden und es zeigt sich, in welcher Umgebung, zu welchen Tageszeiten und bei welchen Tätigkeiten Individuen besonders glücklich sind, um dies auf die Allgemeinheit übertragen zu können und beispielsweise an Therapieformen anzusetzen.[11]

Unabhängig von der Methode können jedoch oftmals Glücksmessfehler durch bewusste Manipulationen, durch die aktuelle Stimmung oder auch durch unterschiedliche kulturelle Gegebenheiten entstehen.[12] Im Allgemeinen kann die Aussage getroffen werden, dass die Messung von Glück nur zu einem geringen Maß reliabel (zuverlässig) und valide (gültig) ist.[13]

 

Lässt sich Glück steigern?

Fest steht, dass ungefähr 50% des Erbguts einen erheblichen Einfluss auf einen individuellen, genetisch festgelegten Glücksrichtwert hat, was die Zwillingsforschung ergeben hat.[14] Jede glückliche Erfahrung – sei es die Hochzeit, das erste Kind in den Armen, der Einzug in eine neue Wohnung – ist jedoch nur vorübergehend. Nach dieser glücklichen Hochphase gelangt man wieder zurück auf das vorher herrschende Niveau, den Glücksrichtwert.[15] Beeinträchtigt wird die Steigerung des Glücks jedoch durch das Streben nach dem Perfekten und dem Besten.[16] Glück lässt sich also nur für eine relativ kurze Zeit steigern mit diversen Glücksstrategien, Entspannungstechniken und Aktivitäten. Diese gilt es stets nach den individuellen Bedürfnissen abzustecken und für sich selbst das passendste zu finden.[17]

 

Fazit

Abb. 2: Lachen als Gefühlsausdruck des Glücks
Abb. 2: Lachen als Gefühlsausdruck
des Glücks

Ein Patentrezept zum Glücklichsein gibt es nicht, denn jedes Individuum ist auf seine eigene Weise in einer bestimmten Situation glücklicher oder unglücklicher. Auch gibt es nicht den einen „Schlüssel zum Glück“, sondern es handelt sich um ein Zusammenspiel mehrerer Komponenten, die uns glücklich machen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass glückliche Menschen wiederum mehr Glück haben und sie ausgeglichener, mental gesünder, beliebter und begehrter sind. Es ist demnach schon in gewissem Maße wichtig, glücklich zu sein, weil es zur Glückssteigerung führt. Dennoch ist Glück nicht alles im Leben und darf nicht überschätzt werden.

 

 

Dieser Blogbeitrag ist jedoch nur ein wirklich winziger Ausschnitt der Glücksforschung. Weitere Informationen finden Sie beispielsweise im Buch „Psychologie des Glücks – Ein Handbuch“ von Anton A. Bucher (erschienen im Beltz Verlag) oder auf der Internetseite des Instituts für Glücksforschung München: www.glücksforschung.de