Positive Psychologie als Therapieansatz

Der Begriff der positiven Psychologie wird in den meisten Fällen mit dem Bereich der Arbeitswelt in Verbindung gebracht. In der Forschung geht es dabei vor allem darum, die Leistung oder auch das Wohlbefinden von Arbeitenden zu steigern. Aber nicht nur die reine Leistung, sondern auch das Engagement, die Teamarbeit, die Motivation und die Arbeitszufriedenheit soll mit verschiedenen Empfehlungen und Techniken aus der positiven Psychologie verbessert werden. Aber was genau heißt eigentlich positive Psychologie? Generell dient die positive Psychologie dazu, unseren Blick auf die positiven Dinge des Lebens zu wenden. Genauer gesagt, es soll das aufgezeigt werden, was wir benötigen, um glücklich zu sein und ein gutes Leben leben zu können. In der Therapie kann die positive Psychologie vor allem dafür genutzt werden, um Erkrankungen vorzubeugen und Rückfälle zu verhindern. Genau da setzt die sogenannte „Quality of life therapy“ an. Der umfassende und evidenzbasierte Therapieansatz dient zu einer positiven psychologischen Intervention (Frisch, 2013).

Der Begriff Quality of life, oder auch die Lebensqualität, wird verwendet, um das allgemeine Wohlbefinden von Menschen und der Gesellschaft zu beschreiben. Er wird oft mit dem Begriff „Lebensstandard“ in Verbindung gebracht, allerdings bedeuten die beiden Begriffe nicht unbedingt dasselbe. Während ein Lebensstandard den Wohlstand und den Status einer Person in einer Gesellschaft beschreibt, ist die Lebensqualität von vielen Indikatoren abhängig. Die Umwelt, die körperliche und geistige Gesundheit, Bildung, Erholung, soziales Wohlbefinden, Freiheit, Menschenrechte und Glück sind ebenfalls wichtige Faktoren, die in Bezug auf die Lebensqualität eine Rolle spielen (Pedram, Reza Abedi, Alipour & Rostami (2012), S. 517-518).

Das Grundprinzip der Quality of life Therapy ist eigentlich recht simpel – glücklich sein. Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Die Therapie beginnt zunächst mit der Bewertung der Lebensqualität unter Verwendung der drei Grundsäulen der Quality of life therapy. Die erste Säule ist die Innere Fülle. Das bedeutet, sich zutiefst ruhig, ausgeruht, zentriert, liebevoll, wach und bereit zu fühlen, sich den Herausforderungen des Tages und des Lebens zu stellen, nachdem man sich auf achtsame, liebevolle, mitfühlende und umfassende Weise um sich selbst gekümmert hat. Selbstfürsorge ist dabei ein zentraler Begriff, der dabei helfen soll, sich um eine bessere Lebensqualität zu bemühen. Selbstfürsorge dient dazu, die wichtigsten Lebensziele zu erkennen und verfolgen zu können. Innere Fülle bedeutet zudem, grundlegende körperliche und emotionale Bedürfnisse zu erfüllen. Die Suche nach dem Sinn des Lebens ist die zweite der drei Säulen. Dabei werden Ziele für jeden Lebensbereich formuliert. Insgesamt gibt es 16 spezifische Lebensbereiche, um die allgemeine Zufriedenheit oder Lebensqualität zu verbessern. Zu diesen Bereichen gehören Lebensziele und -werte, spirituelles Leben, Selbstwertgefühl, Gesundheit, Beziehungen, Arbeit, Spielen, Helfen, Lernen, Kreativität, Geld, Umgebung, Nachbarschaft, Gemeinschaft und Rückfallprävention. Quality Time ist die dritte Säule der Quality of life therapy und bedeutet sich regelmäßig Zeit für Ruhe, Reflexion und Problemlösung zu nehmen.

Ziele und einen Sinn im Leben zu haben, ist eine wesentliche Voraussetzung für Glück. Ebenso wichtig ist ein täglicher Plan mit Aktivitäten, die darauf abzielen, die erarbeitet Lebensliste in die Tat umzusetzen und Träume in die Wirklichkeit umzusetzen. Die Ziele sollten dabei weniger wettbewerbsorientiert, sondern dienstleistungs-, beziehungs- oder hobbyorientiert sein. Nach der Quality of life therapy sollte das Leben etwas sein, das jeden Tag genossen werden soll und an dem Spaß haben kann. Ganz nach dem Motto: „Das Leben ist ein Bankett und die meisten von uns sind hungrig!“ (Frisch, 2006).

Beitragsbild: cottonbro

Literatur

Frisch, M.B. (2006). QUALITY OF LIFE THERAPY. Applying a Life Satisfaction Approach to Positive Psychology and Cognitive Therapy. Hoboken, New Jersey: John Wiley & Sons, Inc.

Frisch, M.B. (2013). Evidence-Based Well-Being/Positive Psychology Assessment and Intervention with Quality of Life Therapy and Coaching and the Quality of Life Inventory (QOLI). Springer Science+Business Media B.V.

Pedram, A.; Reza Abedi, M.; Alipour, A.; Rostami, Z. (2012). What is quality of life therapy? In: INTERDISCIPLINARY JOURNAL OF CONTEMPORARY RESEARCH IN BUSINESS (Vol. 4, No. 2).