Neurolinguistisches Programmieren (NLP)

Neurolinguistisches Programmieren wird immer bekannter. In vielen Erzählungen und Artikeln wird jedoch oft nicht klar, welchen Nutzen NLP hat. Entweder wird aus persönlicher Begeisterung davon gesprochen oder das Ganze wird skeptisch betrachtet. Wie schaffen es manche Menschen so erfolgreich auf ihrem Gebiet zu sein, während andere versagen? Wie schaffen es manche Menschen so beeindruckende Leistungen zu erbringen? Gibt es DIE berühmte Formel zum Erfolg etwa doch?

Was ist Neurolinguistisches Programmieren?

1970 entwickelten Richard Bandler und John Grinder das Neuro-Linguistische-Programmieren – kurz NLP. Ihr praktisches Ziel bestand darin, „neue Wege der Kurzzeittherapie“ (Bandler, R. & Grinder, J. 2014) aufzuzeigen und in kürzester Zeit dauerhafte Veränderungen erzielen zu können. NLP ist ein vielseitiges Tool und kann in verschiedensten Bereichen angewendet werden. Inzwischen stehen elaborierte Interventionsformate zur Verfügung, die eine klientenorientierte Beratung möglich machen.

N – „Neuro“ stellt unser Gehirn und Nervensystem dar. Die Wahrnehmung stellt eine wichtige Grundlage dar, um uns selbst und andere zu verstehen.

L – „Linguistisch“ bezieht sich auf die Kommunikation mit uns selbst und anderen. Die verbale Sprache, bewusst und unbewusst, werden durch NLP nutzbar gemacht indem gelernt wird, die Signale des anderen zu verstehen und darauf zu reagieren.

P – „Programmieren“ umfasst das gezielte Erkennen und Ändern interner und externer (Gedanken-)Muster. Erlernt wird, die eigenen Verhaltensmuster zielorientiert zu verändern und sich genau diese Aspekte seiner Persönlichkeit zugänglich zu machen (Kronfeld, J. 2020).

Wofür wird NLP genutzt, wofür ist es gut?

In der Psychotherapie kann NLP helfen, dem Patienten zu zeigen, wie eigene Emotionen gehandhabt werden und Situationen positiver beurteilt werden können. Außerdem können mit NLP Trance-Zustände erreicht werden, um Emotionen und die Erinnerungen dazu hervorzuholen. Zwanghafte und unerwünschte Verhaltensweisen können so aufgelöst werden.

Für die eigene Persönlichkeitsentwicklung kann NLP genutzt werden, um sich über die Reaktionen auf bestimmte Situationen bewusst zu werden und die Auslöser zu erkennen. Im Falle von Trauer können bspw. geeignete Techniken helfen, sich von der eigenen Gefühlslage zu distanzieren, zu reflektieren und daraufhin Lösungen für sich selbst zu finden. NLP kann im Privatleben genutzt werden, aber auch im Berufsleben – genauso wie in der Beziehung oder Erziehung. Die Prinzipien werden jedoch meistens im Rahmen des Coachings eingesetzt (Greif, S. 2018).

Manche Menschen handeln bevor sie denken. Andere wiederum denken zuerst und handeln dann. Manche reden über ihre Gefühle, andere nicht.

Bei jedem Menschen laufen individuelle Prozesse ab, d.h. jeder besitzt seine spezifischen Verarbeitungsmechanismen und baut daraufhin sein Weltbild auf, indem er neue Eindrücke in dieses einordnet. Folglich „programmiert“ sich jeder selbst (Wenninger, G. 2000).

Die Programme sind situations- und personenspezifisch. Programme sind mentale Strategien, die durch Erfahrungen bevorzugt genutzt werden und habitualisiert wurden obwohl sie den jetzigen Fähigkeiten vielleicht gar nicht mehr gerecht werden. Damit lässt sich die Frage in der Einführung beantworten: Ja, die berühmte Formel zum Erfolg gibt es. Wenn alle Gedanken und Gefühle auf ein Ziel steuern, wird dieses auch erreicht.

Deine Gedanken-Programmierung führt zu Deinen Gedanken, Deine Gedanken führen zu Deinen Gefühlen, Deine Gefühle führen zu Handlungen und Deine Handlungen führen Dich zu Deinen Ergebnissen.

Die Vernetzung der Prozesse ist nicht nur im kognitiven Bereich beachtenswert, sondern auch in physiologischer, emotionaler und sprachlicher Hinsicht. Erkenntnisse der Neurowissenschaft, Methoden der klassischen Konditionierung, Banduras Theorie zum Modellernen und viele weitere Prozesse der Interaktion und des menschlichen Verhaltens werden herangezogen (Kronfeld, J. 2020). Ausgangspunkt ist somit der Zusammenhang zwischen Wahrnehmung, innerer Verarbeitung und Verhalten (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Neurolinguistisches Programmieren. Modell von Blickhan und Ulsamer (Wenninger, G. 2000)

Für neue Lernvorgänge ist vor allem das Feedback wichtig, denn nur wer sein Verhalten (Sprache, Ausdruck und Handeln) wahrnimmt, ob unbewusst oder bewusst, kann etwas daran ändern. Die wichtigste Regel bei allen NLP- Techniken ist die Wiederholung. Nur so kann ein Bewusstsein für die eigene Wahrnehmung intuitiv und automatisch erfolgen. Die verschiedenen Techniken werden in diesem Artikel aus platztechnischen Gründen nicht aufgeführt. Am Ende des Beitrags sind Literaturtipps zu finden, falls du das Thema vertiefen möchtest.

Fazit

Veränderung ist nicht von heute auf morgen möglich, mit ein wenig Geduld werden jedoch alle Fähigkeiten geschult, die benötigt werden, um sein Ziel zu erreichen.

Literaturtipps

O’Conner, J. (2015). Neurolinguistisches Programmieren: Gelungene Kommunikation und persönliche Entfaltung. Freiburg: VAK Verlag.

Dilts, R. B. (2016). Die Magie der Sprache – Angewandtes NLP. Paderborn: Junfernmann Verlag.


Quellen

Bandler, R., & Grinder, J. (2011). Die Struktur der Magie (12. Aufl.). Paderborn: Junfermann.

Greif, S. (2018). Woran erkennt man pseudowissenschaftliche Theorien und weshalb sie im Coaching problematisch sind – am Beispiel NLP. S. 371–387. Abgerufen am 20.11.2021 unter https://doi.org/10.1007/s11613-018-0568-y.

Kronfeld, J. (2020). NLP für Anfänger – Die Macht des Unterbewusstseins (2. Auflage). Hamburg: Malik & Mähleke GmbH. S. 1-8.

Wenninger, G. (2000). Neuro-Linguistisches Programmieren. Lexikon der Psychologie. Heidelberg: Spektrum.de, Akademischer Verlag. Abgerufen am 23.11.2021 unter https://bit.ly/3xqzODX.