Humor in Unternehmen: eine nützliche Ressource für Führungskräfte

Für viele Menschen ist Humor im Privatleben eine wichtige Charaktereigenschaft: in einer Umfrage bezüglich der erwünschten Eigenschaften eines zukünftigen Partners lag „humorvoll“ mit 94% bei den Frauen und 91% bei den Männern auf dem dritten Platz (Statista, 2017).

Privat ist uns Humor also sehr wichtig, wie aber sollte der Umgang mit Humor in Unternehmen sein? Können Führungskräfte Humor nutzen, um ihr Team zu motivieren?

Wie kann man Humor definieren? Eine mögliche Antwort liefert der Psychiater und Psychologe Rolf Dieter Hirsch: demnach wird Humor benutzt für alles, was mit Witz, Komik, Lachen, Heiterkeit, Ironie, Spott und Clownerie zu tun hat (Hirsch, 2019, S. 2).

Abbildung: Schlüsselwörter zum Humor und ihre Beziehung (eigene Darstellung nach (Hirsch, 2019, S. 2))

Humor hat zwei Pole: den konstruktiven oder auch wohlwollenden (positiven) Humor auf der einen Seite und den destruktiven oder verletzend negativen Humor auf der anderen (Hausendorf, 2019, S. 32). Diese beiden Humorstile können wiederum selbstbezogen und fremdbezogen angewendet werden. Der wohlwollende, selbstbezogene Stil wird als selbstaufwertender Humor bezeichnet und wird als Trait beschrieben: Er steht für einen grundsätzlich entspannten Blick auf die Welt (Hausendorf, 2019, S. 32). Beim verbindenden Humorstil geht es um das Amüsement der Adressaten und scheut auch nicht davor zurück, den Humorproduzenten selbst zum Objekt des Humors zu machen (Hausendorf, 2019, S. 33). Die destruktiven Humorstile sind der selbstabwertende Humor und der aggressive Humor, bei dem es das Ziel ist, über Humor anzugreifen und zu erniedrigen; Sarkasmus, Hohn, Lächerlich machen und Verunglimpfungen gehören zum Repertoire dieses Stils (Hausendorf, 2019, S. 34). Es gibt für die Unterscheidung zwischen diesen Stilen keine einfachen Schemata: es kommt immer darauf an, wer, in welcher Situation, was, in welcher Art, zu wem sagt (Heintz & Hofmann, 2017, S. 95).

Am Arbeitsplatz sollte destruktiver Humor möglichst vermieden werden, da er negative Emotionen auslösen kann, aber ein humorvoller Vorgesetzter kann seine Mitarbeiter mithilfe von positivem, konstruktivem Humor motivieren und den Teamzusammenhalt fördern. In Zeiten des patriarchalischen Führungsstils galt Humor als ineffizient und wurde am Arbeitsplatz nicht geduldet, heute wird Humor in der Führung als wichtige und nützliche Ressource angesehen. Humor beeinflusst das Wohlbefinden: Humor ist sowohl in der Lage, kurze Momente des Glücks zu induzieren, welche durch hohen positiven Affekt, als auch durch Reduktion von negativem Affekt charakterisiert sind, zusätzlich hat Humor auch einen indirekten Einfluss, da negative Ereignisse durch heitere Gelassenheit abgemildert werden können (Hofmann, 2015a, S. 9).

In Studien über Humor in Organisationen konnte belegt werden, dass Humor das Potenzial hat, den Gruppenzusammenhalt zu stärken, die Arbeitsmoral zu verbessern, die Kreativität des Einzelnen und der Gruppe anzuregen, eine positivere Organisationskultur zu schaffen und die Motivation und die Produktivität zu fördern (Crowe, Allen, & Lehmann-Willenbrock, 2017, S. 96).

Auch eine angespannte Situation kann durch Humor entspannt werden, so kann Humor bei Konfliktinterventionen helfen: wenn beide Seiten gemeinsam gelacht haben, dann ist die Konfliktintervention schon halb gewonnen: Die Betonung liegt auf beide Seiten. Wer nur eine Seite der Konfliktparteien zum Lachen bringt, erschwert eine Balance zwischen den Konfliktpartnern (Au, 2017, S. 180). Der Gruppenzusammenhalt kann ebenfalls durch  ähnliche Humorpräferenzen gestärkt werden: Treffen die Akteure den Humor des anderen, kann dies viel zu wahrgenommener Nähe und Verständnis beitragen, den Gruppenzusammenhalt fördern und das positive Erleben steigern. Aber sind die Humorpräferenzen sehr unterschiedlich, kann das Einbringen von Witzen oder Späßen zu einem schlechteren Gruppenklima führen (Hofmann, 2015b, S. 13).

Gruppen, die Humorvoll miteinander umgehen haben auch mehr Spaß bei der Arbeit, was wiederum die Produktivität erhöht. So konnte in einer Studie nachgewiesen werden, dass ein Großteil der Befragten für mehr Spaß bei der Arbeit auf Gehalt verzichten würde und davon ausgeht, bei einer Tätigkeit mit mehr Spaß produktiver zu sein (Helfert, 2014, S. 249). Dies bedeutet, dass Humor bei der Arbeit auch als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor betrachtet werden sollte.

Fazit:

Humor kann Konfliktsituationen entschärfen und einen verbindenden Einfluss haben, wenn alle Gruppenmitglieder dieselbe positive Haltung zum Humor teilen, es einen Konsens in der Humorpräferenz gibt und darauf geachtet wird, dass keine destruktiven Humorformen genutzt werden. Haben Mitarbeiter Spaß bei der Arbeit, zum Beispiel durch gemeinsamen Humor, wird die Arbeit als produktiver empfunden. In stressreichen Zeiten kann Humor helfen, die Situation für alle Mitarbeitenden angenehmer zu machen.

Literatur:

Au, C. von (Hrsg.). (2017). Eigenschaften und Kompetenzen von Führungspersönlichkeiten. Achtsamkeit, Selbstreflexion, Soft Skills und Kompetenzsysteme (Leadership und angewandte Psychologie). Wiesbaden: Springer.

Crowe, Allen, & Lehmann-Willenbrock (2017). Humor in Workgroups and Teams. In C. Robert (Hrsg.), Humor at work. A psychological perspective (S. 96–109). London: Psychology Press.

Hausendorf, S. (2019). Humor im Arbeitskontext. Über den Einsatz von konstruktivem und destruktivem Humor in der Arbeitswelt. Wiesbaden, Germany, Heidelberg: Springer Gabler.

Heintz, S. & Hofmann, J. (2017). War es nur Spass oder war es Spott? Beiträge aus der psychologischen Forschung zu Humor und Lachen. Affolter-Bamert, B. Sticheleien im Müsigricht. Müsigricht Verlag.

Helfert, M. (2014). Befragung zu Spaß bei der Arbeit: Was macht Freude am Arbeitsplatz? Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 68(4), 245–249. https://doi.org/10.1007/BF03373925

Hirsch, R. D. (2019). Das Humor-Buch. Die Kunst des Perspektivenwechsels in Theorie und Praxis (Wissen & Leben, 1st ed.). Stuttgart: Schattauer.

Hofmann, J. (2015a). Humor – wo er nährt und wo er stört. Schulbllatt Thurgau, (6), 7-11. https://doi.org/10.5167/UZH-121678

Hofmann, J. (2015b). Humor in der sozialen Arbeit : Warum Humor wichtig ist und was der Humor in der Sozialen Arbeit zu suchen hat. SozialAktuell, 2, S. 10–13.

Statista. (2017). Partnersuche – Eigenschaften des zukünftigen Partners in Deutschland 2017 | Statista. Zugriff am 17.10.2022. Verfügbar unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/819277/umfra

ge/umfrage-in-deutschland-zu-eigenschaften-des-zukuenftigen-partners/

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