Die Bedeutung der klassischen und operanten Konditionierung.

Der Prozess des Lernens ist etwas, ohne das Menschen nicht überleben könnten. Ohne neu erlernten Inhalte, würde unser Gedächtnis keinen Sinn erfüllen. Lernen und das Gedächtnis gehen also Hand in Hand. Ein wichtiger Prozess bei der Einordnung von neu gelernten Inhalten ist der Kategorisierungsprozess. Hier greift das Gehirn auf bereits erlebte Situationen zurück und versucht die neue Erfahrung einer dieser zuzuordnen. Durch diese Vorgehensweise ist es Menschen möglich, Vorwissen zu nutzen, umso den weiteren Handlungsweg erfolgreich entscheiden zu können. Zu den elementaren Lernmechanismen gehören das assoziative und das implizite Lernen Diese Lernmuster lassen sich sowohl bei Menschen als auch Tieren nachweisen. Im folgenden Blogpost möchte ich die Formen der Konditionierung, welche Teil des assoziativen Lernens sind, erläutern (Müsseler, Riegler, 2017, S. 320.).

Die klassische Konditionierung – Pawlowscher Hund:

Das assoziative Lernen umfasst zwei Konditionierungsformen. Zum einen die klassische Konditionierung, welche von dem weltbekannten Beispiel „Experiment mit dem Hund und der Glocke“ unterstützt wird und zum anderen die operante Konditionierung, welche die Wichtigkeit von Konsequenzen im Lernprozess verdeutlicht. Um die klassische Konditionierung zu verstehen, gibt es das Experiment von Pawlow. Bei diesem Versuch, entdeckte Pawlow den Zusammenhang von Futter, also einem unkonditioniertem Reiz, und dem Speichelfluss, einer unkonditionierten Reaktion, bei Hunden. Pawlow kam so auf die Idee, den unkonditionierte Reiz und die Reaktion mit einem neutralen Stimulus zu verbinden. Dieser neutrale Reiz war der Ton einer Glocke. Pawlow läutet immer kurz vor der Futtergabe die Glocke und fand so heraus, dass dadurch eine Assoziation zwischen neutralem und unkonditionierten Reiz entstand. Durch diese Assoziation wurde folglich beim Hund der Speichelfluss nur durch das Signal der Glocke ausgelöst (Bak, 2019, S. 10-12.). Bei dieser Art der Konditionierung spielt die sogenannte Kontingenz eine wichtige Rolle. Das Verhalten wird demnach nur eintreffen, wenn der Reiz eine bestimmte Vorhersagequalität erreicht. Nur so kann aus dem neutralen Stimulus ein konditionierter Stimulus werden (Jansen, 2015, S. 25.). Die klassische Konditionierung findet heute immer noch große Bedeutung in der Medizin. So ist sie die Grundlage für den berühmten Placeboeffekt vor allem bei Tieren. Es wurde bewiesen, dass die Wirkung von Arzneimitteln bei Tieren konditioniert und somit eine immunologische Veränderung erzielt werden kann (Schmidbauer, 2018, S.10-11.).

(Abb. 1.)

Operante Konditionierung – Belohnung und Bestrafung:

Bei dieser Form des Lernens geht es um zufälliges Verhalten, dass durch bestimmte Konsequenzen verstärkt werden kann. Ein Beispiel hierfür wäre „das Gesetz der Erfahrung“. Bei dem Versuch von Thorndike, wurden Katzen in einen Käfig gesperrt. Außerhalb des Käfigs wurde Futter platziert. Nach und nach gelang es einigen Katzen sich zu befreien und an das Futter heranzukommen. Die Katzen denen es gelang wiederholten dieses Verhalten auch in der Zukunft. Dieser Versuch hat gezeigt, dass ein zufälliges Verhaltensmuster fortgesetzt wird, wenn dieses verstärkt wird, indem es Konsequenzen mit sich zieht. In diesem Fall waren die Konsequenzen das Futter, welches das Befreiungsverhalten stärkte. Diese Art von Lernmechanismus findet man oft in unserem Alltag wieder. Belohnung und Bestrafung sind hier die ausschlaggebenden Worte. Sie spielen beispielsweise in der Kindererziehung eine wichtige Rolle. Auch im Berufsalltag wird mittels Lob beziehungsweise Kritik gearbeitet, um ein gewünschtes Verhalten zu verstärken oder zu unterbinden (Bak, 2019, S. 15-16.). Bei der Erziehung hat die Belohnung oder Bestrafung möglichst zeitnah zu geschehen, um einen optimalen Lernerfolg zu garantieren. Das Kind muss nämlich fähig sein, das Verhalten und die positive oder negative Verstärkung miteinander verknüpfen zu können. Durch wiederholtes Anwenden dieser Verstärkung und eine darauffolgende positive Reaktion, kann der Verstärkungseffekt und das gewünschte Verhalten erzielt werden (Schneider, Margraf, 2018, S. 212.).

Fazit:

Das assoziative Lernen ist eine der elementarsten Lernmechanismen. Basis dieser Mechanismen ist die Konditionierung. Sie hat bis heute große Bedeutung und wird in den unterschiedlichsten Bereichen angewandt. Unterteilen kann man den Prozess der Konditionierung in die klassische und operante. Bei der klassischen steht ein neutraler Reiz, welcher in Assoziation mit einem unkonditioniertem Stimulus gebracht wird, im Mittelpunkt. Grundlage für diese Konditionierung war das Experiment mit dem Hund und der Glocke von Pawlow. Bei der operanten Konditionierung stehen Belohnung und Bestrafung im Mittelpunkt des Geschehens, was bei dem Versuch von Thorndike gezeigt werden konnte. Bis heute sind die Inhalte des assoziativen Lernens von großer Bedeutung, da sie zum einen beispielsweise in der Medizin mittels des Placeboeffekts und zum anderen in der Erziehung, Funktion finden.

Abbildungsverzeichnis:

Titelbild: Kranich17, online unter: https://pixabay.com/de/photos/buch-seiten-lesen-bildung-roman-5178205/

Abbildung 1: Lars Jansen: Lernen und Gedächtnis, (2015, Riedlingen), online unter: https://fhsr.sharepoint.com/sites/files/content/material/1170/1170_INT.pdf (16.03.21), S. 22.

Literaturverzeichnis:

Jochen Müsseler, Martina Rieger: Allgemeine Psycholgie, (2017, Berlin-Heidelberg), online unter:  https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2F978-3-642-53898-8.pdf (16.03.21)

Lars Jansen: Lernen und Gedächtnis, (2015, Riedlingen), online unter: https://fhsr.sharepoint.com/sites/files/content/material/1170/1170_INT.pdf (16.03.21)

Peter Michael Bak: Lernen, Motivation und Emotion, (2019, Deutschland), online unter: https://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-662-59691-3#about (16.03.21)

Silvia Schneider, Jürgen Margraf: Lehrbuch der Verhaltenstherapie, (2009, Berlin-Heidelberg), online unter: https://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-540-79545-2#about (16.03.21)

Stephan Ludwig Schmidbauer: Dissertation zum Thema: Effekte einer klassischen Konditionierung mit Koffein auf den Blutdruck und andere autonome Parameter, (2018, Landshut), online unter: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/21855/7/Schmidbauer_Stephan.pdf (16.03.21)