Biohacking: Leistungssteigerung durch Selbstoptimierung

Wenn wir unseren Körper richtig behandeln ist er ein erstaunliches Instrument, was extrem anpassungs- und widerstandsfähig ist. Dennoch werden Mechanismen zum Einstellen von Temperatur-, Licht- und Nahrungsverhältnisse von unserer eigens erschaffenen, künstlichen Welt zunehmend unterdrückt (Gotzler, 2018, S.7). Auch Schmerzen, Depressionen, Unzufriedenheit oder das Gefühl nicht auf dem Höhepunkt des eigenen Selbst zu sein (Reitmeyer, 2022, S.4) können Folgen einer Lebensweise sein, bei der man nicht bewusst auf seine eigenen Bedürfnisse achtet.

Sogenannte Biohacker, als Do-it-yourself-Wissenschaftler, haben es sich diesbezüglich zur Aufgabe gemacht neue technologische Errungenschaften einzusetzen, um unser Leben gesünder, glücklicher und leistungsfähiger zu machen (Gotzler, 2018, S.7). Hierbei nutzt Biohacking das Wissen aus verschiedenen Naturwissenschaften, um mithilfe von Körper und Geist das maximale Potenzial auszuschöpfen (Reitmeyer, 2022, S.4).

Begriffsbestimmung

Ursprünglich kommt der Begriff „Biohacking“ aus den USA (Meitner, 2020, S.5), wobei mit Bio, das Wort Biologie, d.h. die Wissenschaft vom Leben und Lebewesen (Bendel, 2022, S.159) und mit „Hacking“ das Wort „entschlüsseln“ gemeint ist. Hierbei wird auf den Organismus auf technischer, biologischer und chemischer Ebene Einfluss genommen um eine Verbesserung zu erzielen (Reitmeyer, 2022, S.5). Biohacker hacken den menschlichen Organismus, indem sie Zusammenhänge verstehen, analysieren und nach ihren Bedürfnissen verändern. Zunächst im Leistungssport praktiziert, wurde versucht durch die akribische Messung und Analyse spezifischer körperlicher Parameter die Leistung des Körpers bestmöglich zu optimieren. Außerhalb dieses Kontextes dient Biohacking der Stressreduktion und der Verbesserung des Wohlbefindens durch die Körperbeobachtung Signaldeutung, Messungen und Kontrolle von Abläufen und Prozessen (Meitner, 2020, S.5-6). Die hier eingesetzten Verfahren stammen sowohl aus der Gentechnik als auch aus der Informationstechnik (Bendel, 2020. S.159). Vor diesem Hintergrund experimentieren sowohl Laien als auch Experten mit einfachen Mitteln und eingeschränkten Ressourcen mit dem Leben, um neuartige Systeme zu schaffen, die sich in ihrer Umwelt, seien sie belebt oder unbelebt, behaupten können (Bendel, 2022, S. 159).

Die 6 Bereiche des Biohackings

Es gibt sechs Teilbereiche des Biohackings: Ernährung, Bewegung, Erholung, Balance Fokus und Umfeld, welche alle ineinander fließen. Dabei ist die Auswahl des Biohacks individuell von jeder durchführenden Person abhängig (Gotzler, 2018, S.17).

  • Ernährung: Hierbei werden dem Körper, v.a. dem Gehirn, bestimmte Nährstoffe, Mineralstoffe und Vitamine zugeführt, die er nicht selbst produzieren kann um Gesundheit und Stärke zu erzielen. Außerdem soll dem Körper ausreichend Wasser zugefügt werden, was mit Apps überwacht werden kann. Minderwertige und stark verarbeitete Lebensmittel mit viel Zucker und schlechten Fetten sowie ungesunden Zusatzstoffen werden verbannt. Ernährungsformen sind u.a. Intervallfasten, oder die Ketogene Diät (Meitner, 2020, S.15-17, 19, 26).
  • Bewegung: Sport dient der körperlichen und geistigen Gesundheit und fördert den Stressabbau. Dadurch wird die Körperdurchblutung und somit die Sauerstoffversorgung gefördert sowie die Knochen gestärkt (Meitner, 2020, S.33-34).
  • Erholung: Die Basis für ein hohes Wohlbefinden ist ein erholsamer Schlaf (Gotzler, 2018, S.17). Das Etablieren einer Schlafroutine erweitert den Horizont, fördert die Regeneration, bekämpft Entzündungen und baut ein positives Mindset auf. Dazu gehören u.a. Geräte mit Bildschirmen sowie WLAN abzuschalten, ätherische Öle zu nutzen, Roll- und Dehnübungen und Meditation (Airone, 2021, S.16, S. 19, 21-22).
  • Balance: Um den Geist zu entlasten und gelassener zu werden, wirken Methoden unterstützend, die gezielt den Stress abbauen, wie z.B. Dankbarkeitsübungen, um sich auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren und dadurch zufriedener zu werden (Gotzler, 2018, S.18).
  • Fokus: Um sich für Dinge, die man mag, viel Freiräume zu schaffen (Gotzler, 2018, S.18), helfen Kalender, To-Do-Listen und Notizzettel um das Gedächtnis zu entlasten, Notwendiges zu erfüllen, einen Aktivitäten-Überblick zu erhalten sowie wichtige Dinge von überflüssigen zu trennen. Durch eine tägliche Zeitplanung von acht Minuten, kann eine Stunde Zeit eingespart werden (Schmitz, 2006; S.79-80).
  • Umfeld: Um den negativen Auswirkungen einer künstlichen Umgebung entgegenzuwirken, sind der Aufenthalt in der Natur sowie Naturklänge nützlich. Das Sonnenlicht fördert die Vitamin D Produktion, was stimmungsaufhellend wirkt (Meitner, 2020, S.43-44).

Aktueller Trend im Biohacking

Das Bodyhacking ist ein Teilbereich des Biohackings, bei dem v.a. durch technische Mittel eingegriffen wird, d.h. soziotechnischen Systemen, indem eine Verschmelzung von Mensch und Maschine stattfindet. Das Resultat von Bio- bzw. Bodyhacking sind tierische, pflanzliche und menschliche Cyborgs (Bendel, 2022, S. 159-160). In Extremfällen injizieren sich Biohacker Erbgut-verändernde Substanzen, nutzen Elektroschocks um die Gehirnfunktion zu optimieren und implantieren sich Chips und Geräte zur Kontrolle der Körperfunktion, um sich zum Übermenschen zu modellieren und den Tod besiegen zu können (Meitner, 2020, S.8). RFID-Chips (radio-frequency identification/Identifizierung mithilfe elektromagnetischer Wellen) können u.a. biometrische Informationen übermitteln, um die Krankheitsgeschichte bewusstloser Patienten preiszugeben (Yetisen, 2018, S.744). Allgemein kann mit dem Körper kommuniziert werden, um ihn zu regulieren, doch dies bietet auch potenzielle Gefahren, da ein Ökosystem durch eine Induktion verändert wird und dies Ungleichgewichte hervorrufen kann. Weiterführend ist die Biohacker-Gemeinschaft selbstregulierend, was auch unbeabsichtigt verheerende Auswirkungen haben kann (Sorout, Dutt, 2020, S.6-7).

Fazit

Die Biohacking Szene entwickelt sich im rasanten Tempo weiter. Als allumfassendes Konzept, kann Biohacking für ein erfolgreiches, gesundes und glückliches Leben eine große Unterstützung sein, da es einen großen Beitrag zur Work-Life Balance bietet. Mithilfe von technischen Aufzeichnungsgeräten kann man allumfassende Gesundheitsvorsorge betreiben und Krankheiten vorbeugen. Dahingegen ist die Induktion von Substanzen und Implantaten kritisch anzusehen. Niemand kann regulieren, was im Heimlabor passiert und welche Substanzen freigesetzt werden oder wer Zugriff auf die Implantate hat. Dies kann in Zukunft eine Gefahr für Mensch und Natur darstellen.


Literatur

Airone, N., (2021). Men`s Health Biohacking – 22 geniale Wege zu deinem besten Ich. 1. Auflage. Stuttgart: Pietsch Verlag.

Bendel, O. (2022). Bodyhacking als Phänomen und Trend. In: Weber, Reinheimer (Hrsg.) Faktor Mensch. Springer Vieweg.

Gotzler, M. (2018). Biohacking. Optimiere dich selbst. München: riva Verlag.

Meitner, P. (2020). Mit Biohacking zum optimierten Leben. Verlag: Books on Demand.

Reitmeyer, M. (2022). Biohacking für Einsteiger – Programmieren Sie Ihren Körper auf Bestleistung. Verlag: Books on Demand.

Schmitz, M. (2006). Zeitmanagement – Planen schafft Freiräume. In. UGB –Forum 2/06, 79-80. Abgerufen unter https:// www.ugb.de/gesundheitsfoerderung/zeitmanagement-planen-schafft-freiraeume/druckansicht.pdf, am28.07.2022.

Sorout, V., Dutt, K. (2020). Diy Biology and Biohacking: A New Research Journey. Journal of Case Reports: Clinical & Medical 3(2), 1-11.

Yetisen, A.K. (2018). Biohacking. In: Science and Society, Volume 36, 744-747, August 01, 2018.

Beitragsbild

Martynov, I. (2021). Abgerufen am 25.07.2022, unter https://www.istockphoto.com/de/foto/foto-zum-thema-biohacking-holzwürfel-mit-der-aufschrift-biohacking-und-biologisch-gm1318922072-405925423?clarity=false. (Lizenz käuflich erworben).