Wer`s glaubt wird krank:
Der Nocebo – Effekt

Nocebo vs. Placebo

Der Begriff Nocebo ist lateinisch und bedeutet so viel wie „Ich werde schaden.“ Beim Nocebo –Effekt handelt es sich quasi um eine negative, selbsteinbildende Prophezeiung. Das Auftreten von Symptomen oder eine akute Symptomverschlimmerung wird durch negative Erwartungen, das Gefühl von Angst oder negative Überzeugungen ausgelöst.

Ein unschädliches Präparat mit schädlichen Nebenwirkungen; ein Scheinmedikament, das nicht heilt, sondern angeblich krank macht: Das ist der Nocebo-Effekt. Der Nocebo-Effekt wird daher auch als dunkle Seite unserer Einbildungskraft bezeichnet.

Der gute Zwillingsbruder zum Nocebo ist Placebo: „Ich werde heilen.“ Beim Placebo-Effekt bekommt eine kranke Person ein Scheinmedikament (Medikament ohne Wirkstoff) und trotzdem geht es dem Patienten nach der Einnahme des Scheinmedikamentes besser – weil die optimistische Erwartung an das Medikament Schmerzen oder andere Symptome lindert.

Nocebo und seine Folgen

Der Begriff Nocebo-Effekt existiert zwar erst seit ca. 15 Jahren, jedoch lässt sich das Phänomen schon viel früher beobachten. Mitte des 20. Jahrhunderts stellten Forscher fest, dass bei diversen Medikamentenstudien auch Teilnehmer aus der Placebo-Gruppe über Nebenwirkungen klagten. Auch zu Zeiten des Voodoo lässt sich der Nocebo-Effekt beobachten. So gibt es Berichte, denen zufolge eine Person glaubte, sterben zu müssen, weil ein Voodoo Meister mit einem Knochen auf ihn zeigte. Obwohl der Todgeweihte gesund war und keinerlei Symptome einer Erkrankung hegte, war die Person geschwächt und fühlte sich sterbenselend.

Wie gefährlich der Nocebo-Effekt sein kann, zeigt ein Fall aus den USA:

Der Psychiater Roy Reeves von der University of Mississippi in Jackson berichtete im Jahr 2007 von einem jungen Patienten, der an einer Antidepressivastudie teilnahm. Persönliche Probleme bringen den jungen Mann in die Situation sich das Leben nehmen zu wollen. Er schluckte eine „Überdosis“ der ihm überlassenen Psychopharmaka aus der Studie. Tatsächlich sackte sein Blutdruck so tief, dass der junge Mann in eine Notaufnahme eingeliefert wurde. Dort stellten die Ärzte jedoch fest, dass der Mann zu jener Gruppe der Studienteilnehmer gehörte, die ein Scheinmedikament, das Placebo bekommen hatten. Die Kapseln enthielten keinerlei Wirkstoff. Als die Ärzte dem Mann davon berichteten, verschwanden die Symptome rasch und er erholte sich vollkommen.

Wie entsteht das Phänomen „Nocebo-Effekt“?

Was aufgrund des Nocebo-Effekt im Körper der Menschen vor sich geht, wissen Ärzte und Forscher bis jetzt nicht genau.

Zum Placebo Effekt wurden in den vergangenen Jahren viele verschiedene Studien durchgeführt, zu seinem bösen Zwilling, dem Nocebo-Effekt wurde jedoch bisher kaum Forschung betrieben. Ein paar Erklärungsansätze für das Nocebo-Phänomen existieren aber durchaus. Einer dieser Ansätze lautet: Ein Patient bekommt ein Medikament und erwartet gewisse Nebenwirkungen oder dass verstärkt Symptome auftreten. Diese negativen Erwartungen senken den Spiegel an Endorphinen im Blut. Weniger von diesen Endorphinen (= Glückshormone) im Blut kann dazu führen, dass sich der Patient schlechter fühlt und schmerzempfindlicher ist.

Forscher sind sich einig, dass sich Nocebo-Studien nicht so leicht durchführen lassen. Denn bei dieser Art von Studie würde man gesunden Patienten zumuten, körperliche und/oder psychische Leiden, sogar Krankheiten zu entwickeln – und dies sei ethisch nicht vertretbar. Selbst mit kranken Patienten sei Nocebo-Forschung ethisch fragwürdig. Der deutsche Placebo- und Nocebo-Forscher Paul Enck erklärte in einem Interview: „Sie können einem Patienten nicht seine Beschwerden verschlimmern, indem Sie mal probeweise sagen: ‚Dieses Medikament hilft Ihnen nicht, sondern verschlimmert Ihre Beschwerden.'“

Umgang mit Nocebo-Effekt

Um den Nocebo-Effekt zu vermeiden, sollte die Arzt-Patient-Kommunikation verständlich und auf den Patienten individuell aufgebaut sein. Es sinnvoll gerade bei ängstlicheren Patienten, eher den Nutzen eines Medikaments oder einer Therapie in den Mittelpunkt zu stellen, statt eventuell auftretende Nebenwirkungen genauestens zu erläutern. Ärzte können die Patienten sogar fragen, ob diese wirklich über jede einzelne Nebenwirkung aufgeklärt werden möchten.

Aber nicht nur Ärzte sollen sich im Umgang mit dem Nocebo-Effekt üben. Jeder Mensch kann gezielt bestimmte Strategien verfolgen um sich vor dem Nocebo-Effekt zu schützen, dazu gehört:

– Vermeidung von Gesellschaft die ständig nur von Leid und Krankheit spricht

– sich positiven Dingen im Leben widmen

– Gedanken auf die persönliche Gesundheitsvorsorge richten

– Berichte oder Biographien von Personen lesen die Krankheiten überwunden haben

Leidet ein Mensch jedoch unter Beschwerden, die auf den Nocebo-Effekt zurückzuführen sind sollte ein Gespräch mit dem behandelten Arzt aufgesucht werden. So kann der Arzt Handeln uns z.B. ein anderes Medikament verschreiben oder er setzt das Präparat ganz ab. Auch Angstlösende Medikamente können verschieben werden, um die Furcht vor dem eigentlich nötigen Medikament oder dessen Folgen zu lindern.

Fazit

Glaube versetzt Berge. Dieses Sprichwort passt nur zu gut zum Phänomen des Nocebo-Effektes. So wie der Glaube an Gesundheit die Menschen gesund werden lässt, macht die Erwartung krank zu werden einen Menschen krank. Der Nocebo-Effekt stellt Ärzte und Forscher bisher noch vor ein großes Rätsel. Er ist das negative Gegenstück zum Placebo-Effekt – kann aber durchaus verhindert werden , beispielsweise durch eine einwandfreie Kommunikation zwischen Arzt und Patient.


Verweise

Internetquellen

ARD – Planet Wissen.

URL: http://www.planet-wissen.de/gesellschaft/medizin/psychosomatik/pwiedernoceboeffekt100.html

(Zugriff am: 18.04.2016)

Die Welt. Gesundheit – Nocebo Effekt.

URL: http://www.welt.de/gesundheit/article127875906/Wie-die-Psyche-eine-Therapie-verhindern-kann.html

(Zugriff am: 19.04.2016)

Lebenshilfe ABC – Psychologielexikon.

URL: http://www.lebenshilfe-abc.de/nocebo.html

(Zugriff am: 18.04.2016)

Bildquellen

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