Gastbeitrag zum Thema „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ vom Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V., Berlin

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: So können Sie reagieren!

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein Thema, das in letzter Zeit gerade durch die „#MeeToo-Debatte“ enorm an Bedeutung gewonnen hat. Doch nicht nur im großen Filmbusiness kann es zu anzüglichen Bemerkungen oder sogar Übergriffen gegen Kollegen kommen.

Keine Branche ist von diesem Thema isoliert, es betrifft alle Bereiche, in denen Menschen mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Dabei muss sexuelle Belästigung nicht immer von Männern auf Frauen ausgehen – auch andersherum kann es zu Belästigungen kommen.

Wann fängt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz an?

Eine Definition des Begriffs „sexuelle Belästigung“ ist im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zu finden. Gemäß § 3 Absatz 4 liegt eine sexuelle Belästigung vor, wenn:

unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.

Welche Formen kann sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz annehmen?

Im Wesentlichen kann die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz drei unterschiedliche Formen, die rechtlich berücksichtigt werden, annehmen. Häufig beginnt es mit verbalen Äußerungen, wie zum Beispiel zweideutigen Kommentaren, anzüglichen Witzen oder auch mit Fragen, welche die Privat- und Intimsphäre betreffen.

Auch Non-Verbal kann es zu sexueller Belästigung kommen, beispielsweise durch anzügliche Blicke, unerwünschte Annäherungsversuche via E-Mail oder Handy und Ungewollte Konfrontation mit sexuellen oder intimen Inhalten.

Die dritte Form der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz bilden physische Übergriffe. Dabei kann es sich zum Beispiel um scheinbar unabsichtliche Berührungen handeln. Auch wenn die körperliche Distanz nicht gewahr wird, kann es sich um sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz handeln.

Sie werden sexuell belästigt? So sollten Sie handeln!

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kann weitreichende Folgen für das Opfer mit sich bringen. Von kurzfristigen Folgen wie Ängsten und Schlaflosigkeit bis hin zu Angstzuständen oder einem Gefühl der Minderwertigkeit. Daher sollten Betroffene die Situation keinesfalls tatenlos hinnehmen.

Zunächst kann es helfen, das direkte Gespräch zu suchen und dem Belästigenden deutlich zu machen, dass Annäherungen nicht erwünscht und unangebracht sind. Hat dies keinen Erfolg, räumt das AGG drei zentrale Rechte für Betroffene ein:

  • Beschwerderecht (§ 13 AGG)
  • Leistungsverweigerungsrecht (§14 AGG)
  • Anspruch auf Entschädigung und Schadensersatz (§ 15 AGG)

Jeder Betrieb sollte über eine entsprechende Beschwerdestelle verfügen, an welche sich Betroffene wenden können. Auch der Arbeitgeber ist dann in der Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, welche die betroffene Person schützen.

Wird dies unterlassen, sollten sich Betroffene einen juristischen Beistand suchen, bevor sie vom Leistungsverweigerungsrecht Gebrauch machen und die Arbeit entsprechend niederlegen.

Weitere Informationen zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz finden Sie unter https://www.arbeitsschutzgesetz.org/sexuelle-belaestigung-am-arbeitsplatz/

 

Redaktion by Sibel Örgen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V.

Photo by Mihai Surdu on Unsplash