Der Gedanke an die Moral – ein Essay

Die Moral, ein überaus starker Begriff mit vielen Komplexitäten. Oft schon haben wir uns gefragt, ob wir oder Personen in unserem Umfeld moralisch handeln oder deren Handeln aus unserer Sicht moralisch vertretbar sei. Lässt sich die persönliche, individuelle Auffassung von moralischem Handeln überhaupt allgemein einordnen? Persönliche Gedanken an die Moral sind so vielschichtig wie individuelle Präferenzen hinsichtlich Musik.

-Was moralisch akzeptabel ist und was nicht, muss ein jeder für sich selbst entscheiden.-

Moral – im Duden definiert als die von der Gesellschaft verbindlich akzeptierte Gesamtheit ethisch-sittlicher Normen, Grundsätze und Werte, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren. Genauer, das sittliche Empfinden und Verhalten des einzelnen oder einer Gruppe.1)Vgl.  Bibliographisches Institut GmbH (2018) https://www.duden.de/rechtschreibung/Moral, abgerufen am 17.10.2018

Grundsätze und Gesetze, Regeln und Präventionsmaßnahmen dienen dazu, den Alltag und das Miteinander konstruktiv zu stärken, zu sichern, zu verbessern und erst zu ermöglichen. Das Verhalten und Empfinden der Menschen ist nicht einheitlich. Die Ansicht dessen, dass Moral eine Angelegenheit persönlichen Entscheidens und Bewusstseins ist, somit ein Einzelner oder eine Gruppe nicht für andere aussprechen kann, was moralisch oder unmoralisch ist, ist interessant. Niemand kann dann so tun, als wüsste er wie sich andere Menschen im Allgemeinen zu verhalten haben, niemand kann wirklich falsch oder richtig in einer Sache liegen.2)Vgl. Byfield/Byfield (1994), S.34 “Right and wrong are purely matters of personal taste or choice, nothing more. The statement „I don’t like the desecration of nature“ and the statement „I don’t like black olives“ are of the same order.”3)Byfield/Byfield (1994), S.34

Sicher sollten Menschen für sich selbst entscheiden können, was sie als richtig oder falsch betrachten, fraglich ist jedoch, ob man es sich mit der Begründung, aus Individualität könne keine Verallgemeinerung erfolgen, nicht zu einfach macht. Insbesondere in Bezug auf moralisches Handeln, kann man wohl kaum das Nichtmögen der Schädigung der Umwelt mit dem Nichtmögen von schwarzen Oliven gleichsetzen. Demnach könne man das Verabscheuen von Kindesmissbrauch und das Verabscheuen von Rosenkohl auf gleiche Stufe stellen!

Jeden Tag schließen sich Menschen unterschiedlicher Meinungen zusammen, da sie doch mit Blick auf das große Ganze derselben moralischen Überzeugung sind (z.B. Gewerkschaften, Streiks).

Menschen von klein auf dazu zu erziehen, sich ihre eigenen Meinungen und Standpunkte in Bezug auf moralisches Handeln zu bilden, ist definitiv der richtige Weg. Jeden in der Gesellschaft selbst über das Richtig und Falsch in wichtigen Belangen richten zu lassen, die mehr als nur einen selbst betreffen, kann nicht der richtige Weg sein (siehe z.B. Trump, der seine Bedürfnisse und Interessen über die anderer stellt, da er sie für moralisch vertretbar und richtig hält sowie sich in einer Position befindet, in der er diese Entscheidungsgewalt besitzt; oder ein Märtyrer, der andere aufgrund seiner moralisch-ethischen Überzeugung mit in den Tod reißt und sich diese Entscheidungsmacht selbst verleiht).

Eine Leitperson oder Regierung, die es vermag das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft mithilfe von verbindlich akzeptierten moralischen Normen, die bei essentiellen Belangen für alle geltend sind (insbesondere hinsichtlich Verbrechen), zu regulieren, ist für das Schaffen von Einheitlichkeit und Frieden in einer Gesellschaft von Nöten. Dies heißt nicht, dass man nicht selbst entscheiden kann oder soll, wie man selbst handeln würde oder gehandelt hätte, sondern nur, dass Demokratie auf ein gemeinsames Verständnis von Moral baut und auch nur bei Gewährleistung dessen der entsprechende Raum für das Treffen persönlicher, individueller Entscheidungen gegeben sein kann, die jeder in seinem Leben braucht und auch nur dieses betreffen.

 

Literaturquellen:

Bibliographisches Institut GmbH (2018): Moral. In: https://www.duden.de/rechtschreibung/Moral, abgerufen am 17.10.2018.

Byfield, T./Byfield, V. (1994), If morality is a purely personal construct, then how can anything be really wrong?, Alberta Report / Newsmagazine, Vol. 21, Issue 34, S. 34.

 

Abbildungen:

Beitragsbild: Richtig oder Falsch, gezeichnet (Quelle: Eigene Darstellung)

References   [ + ]

1. Vgl.  Bibliographisches Institut GmbH (2018) https://www.duden.de/rechtschreibung/Moral, abgerufen am 17.10.2018
2. Vgl. Byfield/Byfield (1994), S.34
3. Byfield/Byfield (1994), S.34