Wie das Thema Achtsamkeit seinen Weg in Führungsebene findet

Achtsamkeit, ein Thema, das in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung zu gewinnen scheint und sich über viele Lebensbereichen ausbreitet. So hat die Achtsamkeit auch ihren Weg in die Führungsebene gefunden. Wie genau das aussieht, damit beschäftigt sich dieser Artikel. 

Achtsamkeit in der Führungseben spiegelt sich besonders in zwei Themen wieder: in den Qualitäten der Führungsperson und in dem Führungsstil 

Führungsqualitäten 

Betrachtet man die Theorie der personalen Führung, so lassen sich drei Faktoren erkennen, die eine gute Führungskraft bedingen. Zum einen scheinen die Situation und die Interaktion von Führungskraft zu Mitarbeiter eine Rolle zu spielen, zum anderen sind es die Verhaltensweisen und die persönlichen Eigenschaften der Führungskraft. Wichtige Führungskompetenzen stellen Gelassenheit, Konzentrationsfähigkeit, Empathie, Mut und Kreativität dar (Marturano, 2014; Kabat-Zinn, 2013). Manche dieser Qualitäten lassen sich nicht verändern andere hingegen sind ausbaufähig. Und genau hier kommt die Achtsamkeit ins Spiel. Denn Achtsamkeitstrainings stellen laut Jon Kabat-Zinn, Professor für Achtsamkeitsmeditation, eine gute Möglichkeit dar um das volle Potenzial der Führungskräfte zu entfalten. Das Achtsamkeitstraining hat zum Ziel, die Selbstwahrnehmung Einzelner zu stärken um dadurch positive Veränderungen zu erzielen, Stress zu minimieren und das Vertrauen in die eigene Person zu stärken.

Dies geschieht, durch das Praktizieren unterschiedlicher Achtsamkeitsmethoden, wie beispielsweise Meditation oder Yoga. Bei diesen Techniken werden die eigenen Gedanken beobachtet. Dadurch steigert sich die allgemeine Konzentrationsfähigkeit, die dabei hilft auch in Stresssituation kontrolliert, fokussiert und zielgerichtet handeln zu können (Gelles, 2012). Durch Körperstellungen, Atemübungen, Entspannungssequenzen und Meditationen wird das autonome Nervensystem wieder in Balance gebracht.Dadurch kann man besser entspannen und bleibt auch in Stresssituationen konzentriert und fokussiert. Ein konstruktiver Umgang mit Stress führt zu persönlichem Wohlbefinden und verbesserter Gesundheit (Krasner ET AL., 2009) und zeigt sich im Führungsverhalten durch eine gesteigerte Motivation, Arbeitszufriedenheit und Kreativität (Weinert, 1998; Gregersen ET AL., 2013).

Führungsstil 

Ein achtsamer Führungsstil oder auch „Mindful Leandership“ basiert auf der Aussagen, dass die Persönlichkeit der Führungskraft eine sehr wichtige Rolle für den Wachstum des Teams hat (Maslow, 1998). Es werden daher Personen benötigt, die ihr volles geistiges Potenzial ausnutzen (Marturano, 2014). Die Mindful Leadership Methode ist ein achtsamkeitsbasiertes Bewusstseinstraining, das bei Führungskräften und in der Unternehmenskultur das Prinzip Achtsamkeit etablieren soll, um fokussierter zu sein, besser analysieren zu können, mehr Mitgefühl aufzubringen und kreativere Ideen hervorzurufen. Achtsamkeit kann dabei in Form von Yoga, Meditation, Thai Chi, künstlerischen und kreativen Tätigkeiten oder bei Spaziergängen in der Natur praktiziert werden (Kabat-Zinn, 2013; Marturano, 2014).

Im Zentrum des Trainings steht die Stärkung der interaktiven Beziehung zwischen Körper, Geist und Seele. Dabei wird besonderes Augenmerk auf den Fokus, die Klarheit, die Kreativität und das Mitgefühl gelegt. Unter Fokus versteht man hier die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung von Aufmerksamkeit. Die Klarheit bezieht sich auf das Finden von richtigen Antworten und Reaktionen auf Situationen (Krasner, Epstein, Beckman, Suchman, Chapman, Mooney, Quill, 2009, S. 1284 ff). Die Kreativität beschreibt den Prozess der kreativen und innovativen Findung von Lösungen. Das Mitgefühl richtet sich sowohl an die eigene Person als auch an die anderen. 

Methodisch kann Mindful Leadership durch bewusste Kommunikation, durch bedeutungsvolle Pausen oder durch Achtsamkeitsmediationen geübt werden (Marturano, 2014). Mindful Leadership führt dazu, dass durch Selbstreflexion neue Perspektiven eingenommen und dadurch bessere Entscheidungen getroffen werden können. Des weiteren hilft es, besser mit Stress umzugehen (Adhia, Nagendra, Mahadevan, 2010; Kabat-Zinn, 2013). Es hilft dabei, sich selbst besser zu verstehen und zu vertrauen und nach den eigenen Überzeugungen entschlossen handeln zu können. Außerdem erhöht es die Präsenz in entscheidenden Momenten und verhilft zu klarer Kommunikation und Entscheidungsfindung (Coleman, M., 2016,S. 210).

Fazit

Um ein Team oder Unternehmen achtsam führen zu können, ist es also notwendig, sich zuerst mit der eigenen Person auseinander zu setzen, um Selbstwahrnehmung, Selbstvertrauen, Stressminimierung und Entspanntheit zu etablieren um darauf aufbauend klarer Entscheidungen treffen zu können, die Kommunikation zu verbessern und die Arbeitszufriedenheit aller zu steigern. 

Literaturnachweise

Adhia, H., Nagendra, H. R., Mahadevan, B. (2010). Impact of yoga way of life on organizational performance. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2997233/. Zugegriffen: 02.06.2021. 

Coleman, M. (2016) Trends im Betrieblichen Gesundheitsmanagement, DOI 10.1007/978-3-658-07978-9_15), Springer Fachmedien Wiesbaden 2016 195 A. Ghadiri et al. (Hrsg.),

Kabat-Zinn, J. (2013). Full catastrophe living. New York: Bantam Books Trade Paperbacks. 

Krasner, M. S., Epstein, R. M., Beckman, H., Suchman, A. L., Chapman, B., Mooney, C. J., & Quill, T. E.(2009). Association of an educational program in mindful communication with burnout, empathy, and attitudes among primary care physicians. Journal of the American Medical Asso- ciation, 302(12), 1284–1293. 

Marturano, J. (2014). Finding the space to lead: A practical guide to mindful leadership. New York: Bloomsbury Press.

Internetquellen

Pixaby (2021), verfügbar unter: https://pixabay.com/de/photos/meditation-achtsamkeit-natur-3480815/, zugriffen am: 02.06.2021