Den Belastungen der Schichtarbeit „trotzen“

Schichtarbeiter sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Diese gilt es durch geeignete Maßnahmen auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei kommen sowohl Maßnahmen des Arbeitgebers als auch des Arbeitnehmers selbst in Frage.

Maßnahmen des Arbeitgebers

Bei der Gestaltung der Schichtplanung kann der Arbeitgeber einige wesentliche Prinzipien beachten, welche zu einer Reduzierung der Belastungen der Schichtarbeiter führen können:

  • Die Anzahl der hintereinander geleisteten Nachtschichten sollte möglichst gering (maximal drei Nachtschichten am Stück) sein. Dauernachtschichten sind zu vermeiden. Die einzelnen Nachtschichten sollten zudem möglichst früh enden.
  • Nach einer Nachtschichtphase sollten mindestens zwei freie Tage folgen. Aus arbeitswissenschaftlicher Sicht ungünstige Schichtfolgen wie Nacht-Frei-Früh sollten vermieden werden.
  • Die Anzahl der hintereinander geleisteten Spätschichten sollte möglichst gering sein. Es sollten keine Dauerspätschichten geleistet werden.
  • Arbeitsfreie Tage sollten am Stück gewährt werden und mindestens zwei Tage betragen.
  • Es ist besser, blockweise am Wochenende frei zu haben als nur einzelne Tage am Wochenende.
  • Lang-rotierende Schichtpläne (z. B. 7 Früh-, 7 Spät- und 7 Nachtschichten hintereinander) sollten vermieden werden. Eine vorwärts gerichtete Rotation ist zu bevorzugen (von Früh- auf Spät- auf Nachtschicht).
  • Die Frühschichten sollten nicht zu früh (5 oder 6 Uhr) beginnen. Je nach Anfahrtszeit wird eine Frühschicht sonst zur halben Nachtschicht.
  • Überlange tägliche Arbeitszeiten und überlange Arbeitsperioden (aufeinanderfolgende Arbeitstage) sollten vermieden werden.
  • Wochenarbeitszeiten sollten gleichmäßig geplant sein.
  • Die Länge der Schichten sollte daran angepasst sein, wie hoch die konkrete Arbeitsbelastung ist.
  • Schichtpläne sollten überschaubar und prognostizierbar sein.
  • Der Schichtplan sollte so gestaltet sein, dass er bei Bedarf eine Flexibilität für die Schichtarbeiter zulässt.[1]

Nicht immer können all diese Prinzipien bei der Gestaltung eines Schichtplanes realisiert werden. Leider gibt es auch kein Patentrezept für einen optimalen Schichtplan. Spezifische Aspekte zur Verringerung des Gesundheitsrisikos sollten jedoch bei der Umsetzung durch den Arbeitgeber Vorrang haben:[2]

  • Für eine effektive Erholung sollten die Ruhezeiten zwischen den einzelnen Schichten entsprechend lang sein.
  • Es sollten nicht zu viele Nachtschichten hintereinander erfolgen, damit dauerhafte Schlafdefizite vermieden werden.
  • Es sollten nicht zu viele Arbeitstage hintereinander erfolgen und die Dauer der einzelnen Schichten sollte nicht zu lang sein.[3]

Auch sollten arbeitswissenschaftliche Empfehlungen, Vorlieben der Belegschaft und betriebliche Erfordernisse bei der Schichtplanung möglichst vereint werden.[4]

Maßnahmen des Schichtarbeiters

Wichtig ist, dass der Schichtarbeiter sich allgemein psychisch und physisch fit hält. Hierunter kann auch ein präventives Verhalten subsumiert werden. Im Einzelnen kann der Schichtarbeiter folgende Maßnahmen ergreifen, die zu einer Reduzierung der Belastungen der Schichtarbeit führen: [5]

 

1. Gesundheitsbewusste Ernährung

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Abbildung 1: Gesundheitsbewusste Ernährung im Schichtdienst (Quelle: www.pixabay.com)

Da der Magen nachts nicht so gut arbeitet wie tagsüber, sollte man schweres Essen vermeiden. Dies macht müde und dadurch fällt auch das Arbeiten schwerer. Es ist wichtig, dass die Mahlzeiten regelmäßig und in kleinen Mengen eingenommen werden. Während der Nachtschicht sollte bis 1 Uhr eine noch leichte warme Mahlzeit eingenommen werden, danach sollten lediglich kleine leicht verdauliche Snacks in Form von Obst, Gemüse, Joghurtprodukten, magerem Fleisch, Eierprodukten oder Vollkornprodukten verzehrt werden. Auf Lebensmittel, die den Insulinspiegel schnell ansteigen lassen (zuckerhaltige Lebensmittel) sollte verzichtet werden. Diese bewirken zunächst eine Leistungssteigerung, die sich aber kurz darauf bei Absinken des Blutzuckerspiegels genau in das Gegenteil umkehrt und die Müdigkeit deutlich zunehmen lässt. Nach dem Tagschlaf (im Anschluss an die Nachtschicht) sollte der Schichtarbeiter die Hauptmahlzeit einnehmen.[6]

2.Vereinbarkeit von Schichtarbeit und Familie sowie sozialem Umfeld

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Abbildung 2: Vereinbarkeit von Familie und Schichtdienst (Quelle: www.pixabay.com)

Verteilt der Schichtarbeiter seinen Schichtplan an Freunde, Bekannte und die Familie, können diese sich auf die Schichten und die schichtfreien Zeiten einstellen. Treffen werden dadurch erleichtert. Mit der Familie sollten Aktivitäten im Voraus geplant werden. Oftmals lässt sich der Schichtplan noch ein wenig anpassen oder Urlaub kann eingeplant werden. Damit das Familienleben nicht zu kurz kommt, sollten gemeinsame Mahlzeiten eingenommen werden. Die Zeit mit den Kindern sollte effektiv genutzt werden und die Familie sollte über einen gemeinsamen Zeitplan verfügen, der für alle Familienmitglieder einsehbar ist.[7]

3. Regelmäßige sportliche Betätigung

Durch sportliche Betätigung kann Stress abgebaut werden. Sie führt zudem zu einer Steigerung des körperlichen Wohlbefindens. Die Schichtarbeit kann durch eine ausreichende Kondition besser bewältigt werden. Um die Kondition zu steigern hilft regelmäßiges Ausdauertraining (2-3 Mal pro Woche). Dies kann in Form von Schwimmen, Radfahren, Joggen, Inlineskaten, Walking etc. erfolgen. Dadurch werden unter anderem das Herz-Kreislaufsystem und die Muskulatur gestärkt.

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Abbildung 3: Sportliche Aktivitäten als Ausgleich zum Schichtdienst (Quelle: www.pixabay.com)

Sportliche Aktivitäten können auch ganz einfach in den Alltag integriert werden (z. B. die Treppe nehmen anstatt den Aufzug).Vor der Spät- oder Nachtschicht sollte auf intensive sportliche Aktivität verzichtet werden. Um sich selbst zu sportlichen Aktivitäten zu motivieren und um daran festzuhalten, sollten feste Termine mit Freunden und Bekannten zum gemeinsamen Training vereinbart werden.[8]

4. Angepasstes Schlafverhalten und angepasste Schlafumgebung

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Abbildung 4: An den Schichtdienst angepasstes Schlafverhalten (Quelle: www.pixabay.com)

Regelmäßige Schlafzeiten, der Verzicht von koffeinhaltigen Getränken und Alkohol vor dem Schlafen, die Einnahme von nur kleinen Gerichten vor dem Schlafen und ein lärmfreies, dunkles sowie kühles Schlafzimmer können den Schlaf nach der Nachtschicht verbessern. Der Schichtarbeiter sollte zudem versuchen vor dem Schlafen abzuschalten. Autogenes Training, Spaziergänge oder ein gutes Buch können dabei helfen. Auf Schlafmittel sollte weitestgehend verzichtet werden. Nach einer Nachtschicht sollte die Schlafdauer sieben Stunden erreichen. Nach der letzten Nachtschicht, kann diese verkürzt sein, um am Abend wieder müde zu sein und dadurch schnell wieder in einen Nachtschlafrhythmus zu finden. Um beim Tagschlaf nicht gestört zu werden, kann es sinnvoll sein, Freunde, Bekannte und die Familie über die Schlafzeiten zu informieren.[9]

5. Teilnahme an arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen

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Abbildung 5: Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen (Quelle: www.pixabay.com)

Nach § 6 Abs. 3 Arbeitszeitgesetz kann der Nachtarbeiter alle 3 Jahre Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen. Ab der Vollendung des 50. Lebensjahres können Nachtarbeiter diese Untersuchungen jährlich wahrnehmen. Diese Untersuchungen sind sinnvoll, da der Schichtarbeiter insbesondere auf längere Sicht einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt ist.[10]

Fazit

Schicht- und Nachtarbeit stellt eine Belastung für den Schichtarbeiter selbst sowie für das soziale Umfeld des Schichtarbeiters dar. Der Arbeitgeber kann jedoch mit sehr vielen Maßnahmen positiv auf die belastende Situation der Schichtarbeiter einwirken. Auch wenn nicht alle vorgeschlagenen Maßnahmen zur Reduktion der Belastungen in einem Schichtsystem umgesetzt werden können, so sollten zumindest die genannten spezifischen Aspekte zur Verringerung des Gesundheitsrisikos innerhalb eines Betriebes eingeführt werden. Dies erhöht die Motivation und verbessert die Zufriedenheit der Schichtarbeiter. Schlussendlich kommt dies dem Betrieb zugute. Ein gutes Betriebsklima und geringere Krankheitstage sind mögliche positive Effekte. Arbeitgeber und Schichtarbeiter profitieren somit gleichermaßen. Arbeitet auch der Schichtarbeiter an sich selbst und versucht durch die vorgestellten Maßnahmen und Tipps sein Verhalten dem Schichtdienst anzupassen, werden die Risiken des Schichtdienstes weiter gesenkt und die Lebensqualität des Schichtarbeiters deutlich erhöht. Außer Acht gelassen werden dürfen auch nicht die Vorteile des Schichtarbeiters, kann er doch Fitnessstudios, Schwimmbäder, Einkaufszentren etc. zu Zeiten mit wenig Aufkommen besuchen. Auch kann er sich Zeiten für sich selbst nehmen, wenn die Familie und das soziale Umfeld in der Arbeit sind. Ausgleichstage für den geleisteten Schichtdienst (zusätzliche Urlaubstage) können aktiv für die Freizeitgestaltung genutzt werden.

[1] Vgl. Initiative Neue Qualität der Arbeit, http://inqa.gawo-ev.de, (Zugriff am 14.02.16), Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, http://www.baua.de, (Zugriff am 15.02.16).

[2] Vgl. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, http://www.dgsm.de, Zugriff am (14.02.16).

[3] Vgl. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, http://www.baua.de, (Zugriff am 15.02.16).

[4] Vgl. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, http://publikationen.dguv.de, S. 134 ff, (Zugriff am 14.02.16).

[5] Vgl. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, http://publikationen.dguv.de, S. 134, (Zugriff am 14.02.16).

[6] Vgl. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, http://publikationen.dguv.de, S. 134, (Zugriff am 14.02.16).

[7] Vgl. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, http://publikationen.dguv.de, S. 134, (Zugriff am 14.02.16).

[8] Vgl. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, http://publikationen.dguv.de, S. 134, (Zugriff am 14.02.16).

[9] Vgl. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, http://publikationen.dguv.de, S. 134, (Zugriff am 14.02.16).

[10] Vgl. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, http://publikationen.dguv.de, S. 137, (Zugriff am 14.02.16), Initiative Neue Qualität der Arbeit, http://inqa.gawo-ev.de, (Zugriff am 14.02.16).

Bildquellen:

Abbildung 1: https://pixabay.com/de/obst-gem%C3%BCse-gesundheit-essen-herz-1133753/

Abbildung 2: https://pixabay.com/de/familie-menschen-auto-suchen-932245/

Abbildung  3: https://pixabay.com/de/running-sport-fit-volkslauf-joggen-1120606/

Abbildung 4: https://pixabay.com/de/schlafen-m%C3%BCde-bett-f%C3%BC%C3%9Fe-1159279/

Abbildung 5: https://pixabay.com/de/arzt-papierkram-stethoskop-dokument-1149150/

Internetquellenverzeichnis
(o. V.): Initiative Neue Qualität der Arbeit, Schichtarbeit, http://inqa.gawo-ev.de/cms/index.php?page=schichtplangestaltung&phpMyAdmin=Xr78vEy9vt0o %2Cxb0Dy0xDi0dA29&phpMyAdmin=19e16be51a9caef756465b0a0e7e4930, Zugriff am 14.02.16

(o. V.): Initiative Neue Qualität der Arbeit, Tipps für einen besseren Umgang mit Schichtarbeit, http://inqa.gawo-ev.de/cms/index.php?page=schichtarbeiterverhalten, Zugriff am 15.02.16

(o. V.): Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, DGUV Report 1/2012, Schichtarbeit, Rechtslage, gesundheitliche Risiken und Präventionsmöglichkeiten, http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/iag-schicht-1.2012.pdf, Zugriff am 14.02.16

(o. V.): Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, http://www.dgsm.de/downloads/dgsm/arbeitsgruppen/ratgeber/neu-Nov2011/Schichtarbeit_A4.pdf, Zugriff am 14.02.16

(o. V.): Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, http://www.baua.de/de/Informationen-fuer-die-Praxis/Handlungshilfen-und-Praxisbeispiele/Arbeitszeitgestaltung/Nacht-%20und%20Schichtarbeit.html, Zugriff am 15.02.16