By Published On: 9. Dezember 2021Categories: Gesundheit, Psychologie, Wirtschaft

Ich liebe den Kraftsport und beschloss 2016 aufgrund dessen meine Leidenschaft zur Berufung zu machen und begann ein duales Studium in einem Franchise Fitnessstudio in meiner Heimat. Die Intention war gut und heute bin ich auch endlich in diesem Bereich tätig, allerdings bestritt ich meinen Weg mit einigen Hürden. Der Beginn war von Motivation geprägt, das Ende (nach gerade einmal fünf Monaten) von Tränen und einer sich manifestierenden Essstörung, die mich noch lange Zeit begleiten sollte.

Was ist Bulimie?

Bulimie ist neben Magersucht, Binge Eating und weiteren Formen eine anerkannte Essstörung. Bei der Bulimie wird versucht infolge von Essanfällen mithilfe kompensatorischer Maßnahmen wie bspw. Erbrechen oder Abführmittelmissbrauch das Körpergewicht zu regulieren. Im Gegensatz zur Anorexie wird zur Erfassung des Schweregrades nicht das Gewicht, sondern die Häufigkeit von Essanfällen und regulatorischen Maßnahmen herangezogen (Kathrein, 2019, S. 18-19; Fumi, 2018, S. 1-2).

Entstehung der Essstörung

Es existieren unterschiedliche Erklärungen, die zum einen den Fokus auf die Person selbst richten und zum anderen eher auf das Umfeld. Eine Gemeinsamkeit, die sich besonders zeigt, ist das durch die Essstörung Belastungen versucht werden zu bewältigen und sie für die Person als nonverbale Ausdrucksweise fungiert (Kathrein, 2019, S. 32).

Abbildung 1: Zusammenhänge im Rahmen der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen (Eigene Darstellung, in Anlehnung an Kathrein, 2019, S. 339).

Abbildung 1 verdeutlicht gut, inwiefern meine damalige berufliche Situation, die sich entwickelnde Essstörung befeuerte. Die Gesellschaft mit ihren Idealbildern hatte mich schon frühzeitig durch Mobbingerfahrungen (aufgrund von leichtem Übergewicht) und wachsender Präsenz sozialer Medien geprägt, weshalb ich als Person damals eine äußerst unsichere Identität aufwies. Ich legte zu viel Wert auf meinen Körper und Gewicht, war emotional relativ instabil und versuchte perfekt in einer unperfekten Welt zu sein. Mein Umfeld stellte die dritte Säule dar und kommentierte, wie bereits gesagt, mein Aussehen oder war im Falle der Beziehung zum eigenen Körper ein schlechtes Vorbild. All dies legte bereits den Grundstein und machte mich anfälliger für die Manifestation eine Essstörung. Der letzte Tropfen auf dem heißen Stein war schlussendlich mein Vorgesetzter in besagtem Unternehmen.

Mithilfe von psychischem Terror (anders kann man es nicht benennen), der meine Instabilität und meinen Perfektionismus massiv befeuerte und mich zum Verzweifeln brachte, hielt ich dem Druck nicht mehr stand und flüchtete mich in die trügerische Kontrolle der Bulimie. Ich wusste mir schlichtweg nicht anders zu helfen und war von zu großer Scham behaftet, als dass ich mich jemandem anvertraut hätte. Nach fünf Monaten persönlicher Hölle kündigte ich. Die beste Entscheidung meines Lebens.

Es wird sehr deutlich, dass ich bereits durch die vorherigen Erlebnisse geprägt war und man schlechte Führung nicht als den einzigen Grund festmachen kann, jedoch trug sie eindeutig als letztes Detail zur Auslösung der Essstörung bei. Außerdem kann ich mit absoluter Sicherheit sagen, dass nicht nur ich allein unter dieser Führungsperson litt. Jeder geht anders mit psychischem Stress um, doch Fakt ist, dass dieser Stress für alle Mitarbeiter präsent war und jede/r ihn auf seine persönliche Art und Weise verarbeitet hat.

Möglichkeiten sich Hilfe zu suchen

Dank der weiten des Internets werden für jegliche Problematiken Hilfsmöglichkeiten zu finden sein. Ob man diese Hilfe nun in Form einer Hotline, E-Mail-Adresse, eines Arztes oder eines Psychologen in Anspruch nehmen möchte ist individuell zu entscheiden. Auch mit Freunden oder der Familie zu sprechen kann sehr helfen und einem Klarheit und Unterstützung verschaffen. Egal welchen Weg man wählt, es ist nie aussichtslos.

Fazit

So oder so ist ein gesunder Führungsstil das, was die Leitung eines Unternehmens anstreben sollte. Die Gesundheit der Mitarbeiter muss eine Priorität darstellen. Nicht nur, um diese zu schützen, sondern – wie bereits angesprochen – auch, um die Fehlzeiten der Mitarbeiter auf ein Minimum zu beschränken. Meiner Meinung nach macht dies eine gute Führung aus und führt langfristig das Unternehmen, in Kombination mit weiteren ausschlaggebenden Faktoren, zum Erfolg.

Jedoch darf man sich selbst auch als wichtig genug empfinden, um eine negative Führungssituation nicht etwa auszusitzen, sondern sich – insofern möglich – proaktiv für seine Rechte und Psychische Gesundheit einzusetzen. Im drastischsten Fall bedarf es dafür eines Arbeitgeberwechsels, allerdings sollte es das einem wert sein und keinen Grund für Stillschweigen darstellen.


Literatur

Fumi, M. (2018) Wenn das gesunde Mittelmaß abhanden gekommen ist. Diagnostik und Therapie von Essstörungen, MMW Fortschritte der Medizin 2018.S1/160.

Kathrein, A. (2019), Überwindung der Essstörung als Weg ins Gleichgewicht. Ein Modell zu persönlichen Entwicklungsprozessen aus Anorexie und Bulimie, 1. Auflage, Wiesbaden.

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/photos/balance-domino-gesch%c3%a4ft-risiko-6815204/

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