Was verbirgt sich eigentlich hinter Corporate Volunteering?

Führungskräfte der Deutschen Bank tauschen sich freiwillig und regelmäßig mit Schulleitern zu Führungsthemen aus.[1] Einmal pro Jahr unterstützt die Belegschaft des mittelständischen Unternehmens Dr. Ausbüttel einen Tag lang ein soziales Projekt, zuletzt in einer Kinder- und Jugendküche.[2] Mitarbeiter der Commerzbank begleiten in einem vom Unternehmen organisierten Programm benachteiligte Jugendliche als „Bildungspaten“. Sie eröffnen ihnen Perspektiven, sensibilisieren sie für ihre Stärken und unterstützen bei der Entwicklung von Selbstvertrauen.[3]

Diese Aktivitäten verkörpern Corporate Volunteering (CV). Unternehmen machen ihre gesellschaftliche Verantwortung greifbar und gehen über eine rein finanzielle Unterstützung, z.B. in Form von Spenden und Sponsorings, hinaus. Beim CV stehen die Mitarbeiter im Fokus der Aktivitäten, die sich auf freiwilliger Basis für gesellschaftliche Belange engagieren. Sie setzen z. B. ihre Zeit, ihre Arbeitskraft, ihr Know-how und ihre Erfahrungen zugunsten einer gemeinnützigen Organisation – auch Non-Profit-Organisation (NPO) genannt – ein. Das Unternehmen gibt die Rahmenbedingungen vor, z.B. welche Themen Schwerpunkt des Engagements sind, und unterstützt zusätzlich z.B. durch Spenden und Sachleistungen, um die im Rahmen der Aktivitäten anfallenden Kosten zu decken. CV ist ein Teilbereich von Corporate Social Responsibility-Aktivitäten in Unternehmen, also des verantwortlichen unternehmerischen Handelns.[4]

 

CV ist vielfältig – Projektformate und -ziele

CV ist divers. Um das Potenzial von CV vollends auszuschöpfen, sollten zunächst die Zielsetzungen der beteiligten Partner geprüft werden. Welches Ziel verfolgt das Unternehmen mit der CV-Maßnahme, was wünschen sich die beteiligten Mitarbeiter und wovon profitiert die NPO? Aus der Schnittmenge aller Interessen lassen sich entsprechende CV-Formate ableiten. [5]

Abbildung 1: Corporate Volunteering – die Schnittmenge der Beteiligten (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an PHINEO gAG (04.12.2017), www.phineo.org)

Grundsätzlich werden drei Varianten unterschieden:[6]

Hands-on – Ressourcenorientierte Aktivprojekte: Eine NPO erhält zusätzliche Ressourcen in Form von Zeit und Manpower der Unternehmensmitarbeiter, um eine ganz konkrete Aufgabe zu erledigen. Das können Bau- oder Renovierungsaufgaben in einer Obdachlosen- oder Flüchtlingsunterkunft sein. Solche Projekte erfordern keine besondere Qualifikation der Mitarbeiter und eignen sich für Eintages-Teameinsätze.

1:1 Begegnungsprojekte: Hier steht der direkte Kontakt zwischen Unternehmensmitarbeitern und den Adressaten einer NPO, z. B. behinderte Menschen, im Fokus. Den hauptamtlichen Fachkräften der Einrichtung fehlt oftmals die Zeit für intensive zwischenmenschliche Kontakte, die bei einem Ausflug gemeinsam ermöglicht werden, der im Nebeneffekt ein informelles Lernen für alle Beteiligten auslöst.

Kompetenzprojekte/skills-based Volunteering: Auch NPOs haben Bedarfe in Form von Wissen und Know-how. Indem Mitarbeiter gezielt ihre fachlichen Kompetenzen einbringen, können Strukturen und Prozesse in NPOs weiterentwickelt werden. Typische Beispiele hierfür sind „Social Sabbaticals“[7] oder eine Pro Bono-Beratung[8] für eine ganz konkrete Aufgabe. Die Bandbreite an CV-Formaten zeigt Abbildung 2.

Abbildung 2: Bandbreite von Projektformaten und -zielen im Corporate Volunteering (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Lang, R./ Sturm, E.: 2018, S. 77.)

 

Win – Win – Win. Mehrwert für alle Beteiligten.

Von CV-Aktivitäten können alle Akteure profitieren. Unternehmen können mit CV gesellschaftliche Verantwortung leben und sich mit den eigenen Mitarbeitern – als Bürger der Gesellschaft – persönlich am Standort einbringen. Sozusagen „anfassbar“ sein. Nach außen steigert CV die Arbeitgeberattraktivität und die Reputation, Kundenbeziehungen können gepflegt und Netzwerkkontakte aus- und aufgebaut werden. Nach innen stärkt CV die Unternehmenskultur und das Zusammengehörigkeitsgefühl, weiterhin die Mitarbeiterbindung und -motivation.[9] Mitarbeiter erfahren wiederum Sinnstiftung und Freude am Engagement, denn sie kommen mit anderen Zielgruppen in Kontakt. Sie begegnen ihren eigenen Stärken und Schwächen und können en passant und informell personale und soziale Kompetenzen schärfen.[10] Zudem kann CV auch gezielt in der Organisations- und Personalentwicklung eingesetzt werden, um bspw. Chance-Prozesse zu befördern.[11] Ein Forschungsprojekt der Universität Hamburg, in dessen Fokus der betriebliche Mehrwert von CV-Aktivitäten stand, unterstreicht die vorab genannten Effekte: CV-Maßnahmen wirken sich bei Mitarbeitern positiv auf die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber und die Förderung von berufsrelevanten Kompetenzen aus.[12]

Für die unterstützte NPO kann ein aktuelles Problem oder ein kurzfristiger Bedarf gelöst werden, indem z. B. personelle Ressourcen in Form von Mitarbeiterteams für eine Aktion zur Verfügung gestellt werden. Nachhaltig können bei NPOs bspw. Strukturen und Prozesse optimiert werden, indem sie die spezifische Expertise von Unternehmen – z. B. im Bereich IT – nutzen. Das stärkt die Funktionsfähigkeit der NPO und somit auch des Gemeinwesens, wovon wiederum die Wirtschaft profitiert.[13]


Fazit

CV bietet viel Potenzial. Es ist ein wichtiges Instrument in Zeiten, wo Unternehmen um Arbeitnehmer werben und für die sinnstiftende Arbeit und eine gute Work-Life-Balance längst zum Auswahlkriterium gehören. Die Formate werden sich weiterentwickeln, schon jetzt wird der digitale Trend mit einzelnen Angeboten aufgegriffen.

Damit CV glaubhaft ist und langfristig wirkt, ist es wichtig, dass es in eine übergeordnete CSR-Strategie eingebettet ist, die Führungskräfte dahinter stehen und auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten ein unantastbares Budget für die Maßnahmen zur Verfügung steht.

 

Literaturnachweis

Biedermann, C./Sturm, E./Lang, R.: Corporate Volunteering. Tipps rund um freiwilliges Mitarbeiterengagement. Bundesverband deutscher Pressesprecher. Berlin. 2017

Commerzbank AG: Unser Engagement für mehr Bildungsgerechtigkeit. URL: https://www.commerzbank.de/media/nachhaltigkeit/viii__daten___fakten/berichte/CR-Magazin_2017_d.pdf (29.11.2017)

Deutsche Bank AG: Schulen stärken. URL: https://www.db.com/cr/de/konkret-partners-in-leadership.htm (16.08.2017)

Dr. Ausbüttel & Co. GmbH: Soziales Engagement. URL: http://www.drausbuettel.de/soziales-engagement/sozialer-tag/ (16.08.2017)

Dreesbach-Bundy, S.: Corporate Volunteering aus der Mitarbeiterperspektive – Ein Evaluationskonzept mit Fokus auf den betrieblichen Mehrwert. In: : Dreesbach-Bundy, S.; Scheck, B. (Hrsg.): CSR und Corporate Volunteering. Mitarbeiterengagement für gesellschaftliche Belange. Springer-Verlag GmbH. Berlin Heidelberg. 2018. S. 353 – 365

Koch, S.: Engagementlernen: Gesellschaftliches Engagement und Personalentwicklung verbinden. In: Dreesbach-Bundy, S.; Scheck, B. (Hrsg.): CSR und Corporate Volunteering. Mitarbeiterengagement für gesellschaftliche Belange. Springer-Verlag GmbH. Berlin Heidelberg. 2018. S. 163 – 178

Lang, R./Sturm, E.: Formate, Akteure, Praxis: Zum Stand von Corporte Volunteering. In: Dreesbach-Bundy, S.; Scheck, B. (Hrsg.): CSR und Corporate Volunteering. Mitarbeiterengagement für gesellschaftliche Belange. Springer-Verlag GmbH. Berlin Heidelberg. 2018. S. 65 – 90

PHINEO gAG: Gemeinsam stark: Ratgeber für wirkungsvolles Corporate Volunteering in Unternehmen. URL: https://www.phineo.org/fileadmin/phineo/2_Publikationen/2013/Ratgeber_CV/PHINEO_Ratgeber_Corporate_Volunteering.pdf (04.12.2017)

Schöffmann, D.: Die eigene Programmentwickung. Tipps für Neueinsteiger. In: Schöffmann, D. (Hrsg.): Wenn alle gewinnen. Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen. Edition Körber-Stiftung. Hamburg. 2001. S. 138 – 146

 

Bildnachweis

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/teamgeist-zusammenhalt-gemeinsam-2447163/

 

Fußnoten

[1] Vgl. Deutsche Bank AG (16.08.2017), www.db.com.

[2] Vgl. Dr. Ausbüttel & Co. GmbH (16.08.2017), www.drausbuettel.de.

[3] Vgl. Commerzbank AG (29.11.2017), www.commerzbank.de.

[4] Vgl. Lang, R./Sturm, E.: 2018, S. 67 ff.

[5] Vgl. Schöffmann, D.: 2001, S. 138 f.

[6] Vgl. Lang, R./Sturm, E.: 2018, S. 73 ff.

[7] Hierunter versteht man den Ausstieg aus dem Job für einen begrenzten Zeitraum, während dessen man sich sozial engagiert.

[8] Hierunter versteht man die unentgeltliche Leistung eines Unternehmens in Form von Kernkompetenz der Mitarbeiter zugunsten einer NPO.

[9] Vgl. Biedermann, C./Sturm, E./Lang, R.: 2017, S. 11

[10] Vgl. Koch, S.: 2018, S. 166.

[11] Vgl. Koch, S.: 2018, S. 164.

[12] Vgl. Dreesbach-Bundy, S.: 2018, S. 362 f.

[13] Vgl. Lang, R./ Sturm, E.: 2018, S. 80.