Motive und Motivation

Motivation ist ein Konstrukt, das einen Prozess beschreibt, in dem eine Person ein spezifisches Verhalten zeigt, um ein Ziel zu erreichen. Motivation entsteht nur, wenn das voraussichtliche Ziel der Handlung der Person erstrebenswert und auch erreichbar erscheint. Ob ein Ziel als erstrebenswert wahrgenommen wird, hängt davon ab, ob ein Motiv aktiviert wird.

Motive

Motive sind zeitstabile Eigenschaften eines Menschen. Sie sind nicht direkt messbar oder beobachtbar und müssen deshalb über das Verhalten eines Menschen hergeleitet werden. Genau wegen dieser Schwierigkeit der Motivmessung gibt es viele verschiedene Theorien bezüglich der Anzahl und der Hierarchie von Motiven.

Motive bestimmen, wie ein Mensch bestimmte Situationen wahrnimmt. Sie entscheiden, welche Aspekte einer Situation besonders intensiv wahrgenommen werden, und wie die Situation bewertet wird. Kommt ein Mensch durch die Bewertung der Situation zu dem Ergebnis, dass ein erstrebenswerter Zustand erreicht werden kann, so entsteht Motivation.

Allgemein wird unterschieden zwischen bewussten und unbewussten Motiven. Bewusste, oder auch explizite Motive schreibt sich der Mensch selbst zu. Er weiß also, dass er zum Beispiel bezüglich sportlicher Erfolgsergebnisse sehr leicht zu motivieren ist. Ergibt sich für ihn die Chance, an einem Marathon teilzunehmen, wird er auch motiviert sein, für den Lauf zu trainieren. Explizite Motive helfen dem Menschen auf diese Weise, das eigene Selbstbild zu entwerfen. Die Person im Beispiel würde sich selbst demnach als sportlich und zielstrebig bezeichnen.

Implizite Motive, beeinflussen den Menschen, ohne dass er es wahrnimmt. Sie werden meist durch kurze Sequenzen positiver Erwartungen aktiviert und unterscheiden sich darin von den expliziten Motiven. Vor einer Prüfung studiert eine Person also die relevanten Unterlagen entweder, weil das Lesen kurzfristig emotionale Befriedigung verspricht, es besteht also ein Handlungsanreiz und implizite Motive werden angesprochen. Oder die Person liest die Unterlagen, weil das eigene Selbstbild schulische Disziplin und gute Leistungen beinhaltet. In diesem Fall wäre es ein Ergebnisanreiz, der zur Motivation zum Lernen führt. Dies spräche für ein aktiviertes explizites Motiv.

Eine weit verbreitete Ansicht im Diskurs hinsichtlich der Anzahl von Motiven beinhaltet die Einigung auf drei Basismotive:

  • Das Leistungsmotiv umfasst das Bedürfnis, Herausforderungen erfolgreich zu meistern, immer möglichst das beste Ergebnis zu erzielen und stolz auf die eigenen Erfolge sein zu können. Personen mit ausgeprägtem Leistungsmotiv sind häufig Perfektionisten, die an sich und andere hohe Erwartungen stellen.
  • Im Machtmotiv enthalten sind die Bedürfnisse, andere zu beeinflussen und dadurch die eigene Stärke zu betonen. Beispiele für Eigenschaften von Menschen mit starkem Machtmotiv ist die Bereitschaft, für andere Verantwortung zu übernehmen, nach Führungspositionen zu streben und häufig mit anderen im Wettstreit zu stehen.
  • Das Anschlussmotiv ist von dem Bedürfnis geprägt, positive Beziehungen mit anderen Menschen zu führen. Das häufige Aufsuchen von vertrautem Kontakt mit anderen Menschen, die Einfühlsamkeit für die Gefühle anderer und Warmherzigkeit sind Beispiele für Eigenschaften von Menschen mit einem ausgeprägten Anschlussmotiv.

Abgesehen von diesen drei Basismotiven werden in der Forschung noch viele weitere Motive diskutiert, zum Beispiel das Geldmotiv, das Sicherheitsmotiv oder das Kompetenzmotiv. Die ausführliche Beschreibung all dieser Motive würde an dieser Stelle zu weit führen.

Intrinsische und extrinsische Motivation

Die Unterscheidung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation basiert auf dem Ursprung der jeweiligen Motivation. Intrinsische Motivation entsteht durch die Handlung selbst. Eine Person ist intrinsisch motiviert, wenn sie in der Handlung einen Sinn erkennt oder sie ihr Spaß macht. Belohnungen sind nicht nötig, um die Person zum Handeln zu bewegen. Extrinsische Motivation dagegen entsteht nicht durch die Sinnhaftigkeit oder die Freunde an der Handlung an sich, sondern durch die Aussicht auf die Folgen der Handlung. Meist handelt es sich dabei um Belohnungen oder das Vermeiden von Bestrafung.

Dies kann durch folgendes Beispiel verdeutlicht werden: eine Person kann sich entweder ehrenamtlich engagieren, weil ihr die Art der Arbeit ein gutes Gefühl gibt und die Person ihr Handeln als sinnvoll empfindet und Spaß daran hat. Diese Motivation zum ehrenamtlichen Engagement ist intrinsisch. Oder die Person versucht auf der anderen Seite, ihren Lebenslauf zu erweitern und erhofft sich von ihrem ehrenamtlichen Engagement eine positive Bewertung von potentiellen Arbeitgebern. Eine indirekte Belohnung des Engagements ist also das Erhalten des angestrebten Jobs. Die Motivation zur ehrenamtlichen Arbeit ist in diesem Fall extrinsisch.

Die effektivste Art der Motivation ist jedoch die Mischung aus intrinsischer und extrinsischer Motivation. Das ehrenamtliche Engagement kann also einer Person sowohl als sinnvoll erscheinen als auch gleichzeitig als positiver Effekt auf den Lebenslauf genutzt werden. Diesen Effekt bezeichnet man als „Motivation Crowding Effect“. Im Idealfall unterstützen sich die beiden Motivationsarten gegenseitig. Es kann allerdings auch dazu kommen, dass die extrinsische Motivation die intrinsische verdrängt. Hierbei wird eine der Handlungen, die eine Person ursprünglich aus intrinsischer Motivation ausgeführt hat, um einen Belohnungsfaktor erweitert. Alle Handlungen, die nun nicht explizit belohnt werden, verlieren ihren Reiz, obwohl sie durch intrinsische Motivation gerne ausgeführt wurden. Die extrinsische Motivation, die für diese eine bestimmte Handlung hinzugekommen ist, verdrängt die intrinsische Motivation für andere, nicht belohnte Handlungen.

Fazit

Wichtig ist also zu beachten, dass zwar Handlungen, die als langweilig wahrgenommen werden, also nicht intrinsisch motiviert werden, durch Belohnungen und damit extrinsische Motivation gefördert werden können. Jedoch Handlungen, die bereits durch intrinsische Motivation ausgeführt werden, müssen nicht zusätzlich durch extrinsische Motivation verstärkt werden. Es kann sogar dazu kommen, dass die Belohnung die ursprüngliche intrinsische Motivation verdrängt.